Die umstrittene algerische Boxerin Imane Khelif kehrt nach mehr als zwei Jahren in den Ring zurück. Die Olympiasiegerin von 2024 feiert am 15. Dezember ihr Profidebüt. Bislang war sie ausschließlich als Amateurin unterwegs. Khelif tritt im Superweltergewicht gegen Clarida Sarabia an. Der Kampf soll in Paris stattfinden.

Damit beginnt die Algerierin ihre Profikarriere ausgerechnet am Ort ihrer größten Kontroverse. Ihr Olympiasieg im Weltergewicht bei den Sommerspielen vor zweieinhalb Jahren in der französischen Hauptstadt wurde von einer heftigen Geschlechter-Debatte begleitet, die eine gesellschaftspolitische Dimension annahm. Khelif wurde von Kritikern damals wahlweise als Mann oder Transperson dargestellt – etwa von Donald Trump, der von einem „Mann, der sein Geschlecht gewechselt hat“ sprach. Khelif selbst hatte klargestellt, dass sie „keine Transsexuelle“ sei. „Ich bin ein Mädchen. Ich bin als Mädchen erzogen worden, ich bin als Mädchen aufgewachsen“, sagte sie in einem Interview mit der „L'Équipe“.

Khelif auf der Pressekonferenz, auf der ihr Profidebüt angekündigt wurde

Ihr Kampf gegen Sarabia wird nun ihr erster Kampf seit der Olympia-Kontroverse. „Es ist schon über zwei Jahre her, seit ich das letzte Mal geboxt habe, und ich habe es wirklich vermisst, im Ring zu stehen“, sagte Khelif bei einer Pressekonferenz mit ihrem Trainer Kamel Abdesselam und ihrem Promoter Yacin Berrabah. „Die letzten Jahre waren ziemlich schwierig. Jetzt ist es an der Zeit, Profi zu werden, und ich werde alles geben“, so Khelif weiter.

In einem Ankündigungsvideo zum Kampf auf Instagram sprach sie zudem davon, dass sie „hinter verschlossenen Türen“ weiter gekämpft habe. „Denn dieser Kampf war nie nur meiner. Er galt allen, die es wagen, sie selbst zu sein und allen, die sich weigern, aufzugeben.“

Trainer will Khelif in „drei bis fünf Kämpfen“ zur Weltmeisterin machen

Mit ihrem Weg in den Profisport stellt sich endgültig auch die Frage, ob die Olympiasiegerin ihren Titel bei den Olympischen Sommerspielen 2028 in Los Angeles verteidigen kann und möchte. Das Qualifikationsprozedere wird maßgeblich vom Amateur-Weltverband World Boxing mitgestaltet – und der Verband hat im Sommer 2025 verpflichtende Geschlechtstests eingeführt. Khelif ging auf die Frage nach einem Start in LA nicht näher ein. „Das kann ich nicht beantworten, da ich bei World Boxing Beschwerde wegen der Geschlechtstests eingereicht habe“, sagte sie.

Ihr Trainer Abdesselam erklärte jedoch, dass Khelif „kein Interesse daran hat, erneut an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Sie ist bereits Olympiasiegerin“. Stattdessen zeigte er sich optimistisch, seinen Schützling „innerhalb von drei bis fünf Kämpfen“ zur Profi-Weltmeisterin zu machen.

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