Die Rockröhre und ihr erster Triathlon – „Die Ziellinie ist wie eine Geburt“
Einer hat mal gesagt, dass zur Bewältigung eines Triathlons im Grunde nur drei Dinge nötig sind: „Schwimm, als würdest du von einem Hai verfolgt werden; fahr Rad, als hättest du es gestohlen – und lauf wie Forrest Gump.“ Die Quelle ist nicht mehr sicher auszumachen, was letztlich auch wurscht ist, denn so in etwa kann das ja ablaufen. Wird jeder Trainer bestätigen.
Durch Gianna Nannini ist nun ein neuer Blickwinkel auf den Sport dazugekommen. Quasi das Ende vom Lied. „Die Ziellinie ist wie eine Geburt“, sagte die italienische Rockröhre im Interview mit dem „Corriere della Sera“. Sie ist 72 und hat auf Ibiza ihren ersten Triathlon absolviert. Bello e impossibile? Von wegen.
„Das ist eine Möglichkeit, nicht einzurosten“, sagte sie. Was einem eben so in den Sinn kommt, wenn man in ihrem Alter danach gefragt wird. Im gleichen Interview sagte sie im Übrigen auch, dass Falten ihr keine Sorgen machen. Aber das ist ein anderes Thema, weit jenseits der Geburt.
Die katholische Triathlon-Ordensschwester und der Ironman-Weltrekord
Nannini ist in dem Rennen 750 Meter geschwommen, saß 17 Kilometer auf dem Rad und musste schlussendlich fünf Kilometer laufen. Darauf vorbereitet wurde sie von Alex Schwazer. Ihr Landsmann ist zwar Olympiasieger von 2008 im Gehen, aber später auch Dopingbetrüger geworden. Halten wir es mit einem ihrer Songs, „I maschi“, die Männer! „Was für Gefühle, wie viele Lügen. Aber heute Nacht will ich mit dir verrückte Dinge tun.“
Es sei auch daran erinnert, dass es, weit jenseits von Nannini, Frauen wie etwa Madonna Buder gibt. Die katholische Ordensschwester absolvierte im Alter von 82 Jahren sogar noch einen Ironman. Sie ist die weltweit älteste Starterin.
Schwester Madonna Buder 2014 beim Zieleinlauf des Triathlons im mittelfränkischen RothDen Segen dafür holte sie einst von ihrem Bischof ein, die Triathlon-Szene preist sie als „Iron Nun“ (Eiserne Nonne). Und sie würde wahrscheinlich auch eher dem deutschen Ironman-Sieger Sebastian Kienle zustimmen. „Dein Körper“, hat der mal gesagt, „treibt dich bis zur Ziellinie. Aber dein Geist sorgt dafür, dass du sie überquerst.“
Patrick Krull ist Sportredakteur der WELT. In dem Interview von Gianna Nannini ist bei ihm auch eine Passage hängen geblieben, die er vorbehaltlos unterstreichen möchte. Die Seele sei ihr wichtiger als der Körper: „Ich bin geradezu besessen von der Vorstellung, mich wohlzufühlen.“
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