„Ich brauche das Geld nicht“, kündigt Sherrock an – und gewinnt 600.000 Euro
Darts-Queen schlägt den zweimaligen Weltmeister: Fallon Sherrock hat Luke Littler bei seinem Mega-Event „Beat Luke Littler“ in Manchester besiegt – und kassiert damit knapp 600.000 Euro. Bei dem Event, das auf Netflix übertragen wurde, musste Sherrock Littler in einem Leg besiegen. Vor ihr waren bereits 14 Herausforderer gescheitert. Als 15. Teilnehmerin besiegte sie den 19-jährigen Darts-Überflieger schließlich mit einem 14-Darter, warf dabei eine 180 – und konnte ihr Glück kaum fassen.
Sherrock ist der breiten Masse durch ihre Siege bei der Darts-WM 2020 bekannt geworden. Als erste und bislang einzige Frau gewann sie damals Spiele auf der größten Darts-Bühne der Welt. Sie schlug im Alexandra Palace hintereinander Ted Evetts und Mensur Suljovic. Der Erfolg brachte ihr den Spitznamen „Queen of the Palace“.
14 Gegner überstand Luke Littler – im 15. Duell musste er sich geschlagen gebenNun also der nächste aufsehenerregende Erfolg. Nach dem Triumph über Littler am Freitagabend stürmte ihr 2014 geborener Sohn auf die Bühne, um seine Mutter zu umarmen. Sherrock sagte mit Tränen in den Augen: „Das ist der Wahnsinn. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie viel mir das bedeutet. Und dass mein Sohn dabei war … es war das erste Mal, dass er überhaupt bei so einer Veranstaltung dabei war, und er hat gesehen, wie ich gewonnen habe.“
Und weiter: „Es war wunderschön. Mir fehlen die Worte. Es war ein großartiger Moment, an den ich mich für immer erinnern werde.“ Littler selbst sagte über seine Bezwingerin: „Ich wollte, dass sie mir eine Chance gibt, aber das hat sie nicht getan. Ich habe jede Minute genossen. Es war schön.“
Das Konzept der Show: Bis zu 20 Gegner und Gegnerinnen konnten Littler herausfordern, ein Leg zu gewinnen und so das Preisgeld von 501.000 Pfund (rund 600.000 Euro) abzusahnen. Zum Vergleich: Das ist mehr Geld als der unterlegene Finalist bei der Darts-WM bekommt (400.000 Pfund). Nur der Weltmeister erhält mit einer Siegerprämie von einer Million Pfund mehr Geld.
Sherrocks Teilnahme sorgte im Vorfeld für Diskussionen. Das Format war eigentlich als Chance für Amateurspieler angekündigt. Sherrock passte da als regelmäßige WM-Teilnehmerin und Spielerin auf der Frauen-Tour für einige Fans nicht ins Bild. Netflix teilte jedoch mit: Jeder, der keine PDC-Tourkarte besitzt oder jemals besessen hat, darf mitmachen. Das trifft auf Sherrock zu.
„Ich brauche das Geld nicht“, sagte die gelernte Friseurin noch gegenüber der „Daily Mail“ bei den Castings für die Show in London. „Aber ich habe immer gesagt, dass ich mir mehr Möglichkeiten wünsche, den Frauensport zu fördern, und das ist die perfekte Gelegenheit dafür. Warum sollte man das nicht tun?“
Jarod Becker verliert Votum gegen Sherrock
Einem Deutschen wurde durch Sherrocks Teilnahme die Chance auf den großen Gewinn jedoch genommen. Jarod Becker war als möglicher Kandidat bestätigt worden, hätte sich aber noch in einem Fan-Votum durchsetzen müssen. Dort wurde er ausgerechnet gegen Sherrock gesetzt. Zwar trommelte die deutsche Darts-Szene gemeinsam für Becker, mehrere Profis posteten entsprechende Aufrufe, für den 23-jährigen Deutschen zu voten. Gegen die riesige Fanbase Sherrocks war aber kein Ankommen.
Sportlich wäre Becker der Überraschungscoup gegen Littler durchaus zuzutrauen gewesen, sofern er einen außergewöhnlich guten Tag erwischt hätte. Der Erzieher spielt in der Zweiten Bundesliga für die Shakespeare Dartists Hannover und zog im vergangenen Jahr im WM-Qualifikationsturnier für Spieler aus der DACH-Region überraschend ins Halbfinale ein. Ein gänzlich unbekannter Name ist Becker also unter deutschen Darts-Fans nicht.
Becker nahm die verwehrte Chance zumindest nach außen hin sportlich. Er gratulierte Siegerin Sherrock in einer Instagram-Story fair.
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