Das Leiden der Angela Merkel mit Jonathan Tah
Altkanzlerin Angela Merkel hat sich öffentlich zu Wort gemeldet. Im Gespräch mit Moderator Johannes B. Kerner für dessen Format „Bestbesetzung“, das bei Magenta TV läuft, spricht die 72-Jährige über ihre Fußball-Leidenschaft, das deutsche WM-Aus, wie sie mit Bayern-Trainer Vincent Kompany mitleidet und was sie bei Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp bewegt.
Merkel über den Klopp-Satz „Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen“: „Ich fand ihn tendenziell gut, wobei ich nicht glaube, dass sie uns schon abhandengekommen ist. Ich fand es nur gut, deutlich zu machen, dass die deutsche Fahne Schwarz-Rot-Gold den Menschen in Deutschland gehört und sie niemals von einer Partei usurpiert werden kann.“
Zur Erinnerung: Bei der Vorstellung des ersten Klopp-Kaders am 17. September auf dem DFB-Campus in Frankfurt am Main hatte der Bundestrainer zu seiner Kappe mit der Aufschrift „Einer von 83 Millionen“ von einem „positiven Patriotismus“ gesprochen und dass er „Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen“ wolle.
Dazu verrät Merkel: „Mir hat Jürgen Klopp dahingehend aus dem Herzen gesprochen, dass er einfach sagt: Diese Fahne gehört uns allen.“ Dabei zieht sie eine Parallele zu ihrer Kanzler-Zeit (2005–2021): „Nach der Wahl 2013 hat mein Generalsekretär die Deutschland-Fahne geschwungen. Die habe ich ihm aus der Hand genommen. Dafür bin ich sehr kritisiert worden. Ich bin oft damit verbunden worden, dass ich das nicht wolle oder ich nicht zu dieser Fahne stehe. Das war Quatsch. Ich wollte nur nicht, dass wir die Fahne für uns usurpieren.“
Merkel erinnert auch an das Sommermärchen mit der Heim-WM 2006: „Damals habe ich zum ersten Mal fröhliche Menschen mit schwarz-rot-goldener Bemalung und Accessoires gesehen, und das war toll. So stelle ich mir das vor.“ Zum peinlichen WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay (4:5 n.E.) sagt die Alt-Kanzlerin: „Nur müssen wir halt wieder dahin kommen, dass sie (die Fahne, d. Red.) etwas länger hängt als bei der diesjährigen Weltmeisterschaft.“
Angela Merkel: „Der arme Jonathan Tah...“
Was fühlte Merkel nach dem WM‑Aus im Sommer? „Ich war schon ein bisschen enttäuscht, fast ein bisschen wütend, dass plötzlich keiner mehr Elfmeter schießen wollte … Der arme Jonathan Tah … Schwamm drüber, wir haben ja jetzt Hoffnung.“ Hintergrund: Gegen Paraguay soll es bei der Nationalmannschaft intern Schwierigkeiten gegeben haben, einen sechsten Schützen zu finden. Andere Stars sollen gezögert und sich damit weggeduckt haben. Dagegen stellte sich Tah als Erster dem hohen Druck.
Mit Klopp hat nun eine neue DFB-Ära begonnen. Über die ersten Spiele der Nationalmannschaft unter dem neuen Bundestrainer sagt Merkel: „Ich fand es erstmal methodisch unglaublich interessant, dass er versucht hat, mit einer Art Casting ungefähr 40 Leuten eine Chance zu geben und sich nicht so darum zu kümmern, wie wir bei der Nations League abschließen. Stattdessen steht für ihn der gesamte Aufbauprozess für die nächsten Großereignisse im Vordergrund.“
Außerdem erklärt die Ex-Kanzlerin, wie sie mit dem erkrankten Bayern-Trainer Vincent Kompany mitleidet: „Erst mal hat es mir unheimlich leidgetan. Ich wünsche ihm natürlich die schnellste Besserung. Aber auch ein Umfeld, wo er sich wirklich Zeit nehmen kann. Mit Zeit-Brauchen kenne ich mich auch ein bisschen aus. Ich schätze die Arbeit von Vincent Kompany unglaublich. Auch seine klare Haltung, was Diskriminierung und vieles anbelangt. Ich kann mir vorstellen, wenn ich Fußballspieler oder -spielerin wäre, so eine Art Trainer möchte man gerne haben.“
Kompany war am vergangenen Freitag während des U23-Trainings auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße zusammengebrochen. Mittlerweile ist die genaue Diagnose bekannt: eine Hirnhautreizung. Kompany konnte aus der Klinik entlassen werden. Das Liga-Spiel in Freiburg (3:1) und das Pokal-Duell gegen Magdeburg (6:1) verpasste er zuletzt.
Merkel dazu: „Ich sag es mal so: Freiwillig ist Vincent Kompany ja nun nicht zu Hause geblieben. Es musste erst einmal ein Ereignis eintreten, wo dann der Körper gesagt hat: Stopp!“ Eine Situation, die Merkel selbst erlebt hat: „So ist es ja auch bei mir gewesen. Als ich damals 2019 gezittert habe, bei militärischen Ehren, wo sich auch so Spannung entladen hat, wahrscheinlich durch den Tod meiner Mutter oder auch die Tatsache, dass ich wusste, ich werde aufhören, da setzt der Körper dann einfach Zeichen, und das ist ja menschlich etwas sehr, sehr Gutes.“
Der Artikel wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“ , „Sport Bild“) geschrieben und zuerst in „Bild“ veröffentlicht.
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