13.000 Morddrohungen gegen Formel-1-Fahrer – „Laufen Gefahr, diesen Sport zu verlieren“
Mohammed Ben Sulayem, Chef des Motorsport-Weltverbands Fia, hat einen erschreckenden Einblick gegeben, wie Formel-1-Fahrer zur Zielscheibe von Online-Hass werden. Laut seiner Aussage erhielt Alpine-Pilot Pierre Gasly seit dem Rennen in Madrid Mitte September 13.000 Todesdrohungen. Diese Zahl nannte der Fia-Boss dem US-Autoportal „The Drive“.
Der Hintergrund: Gasly lag in dem Rennen in der spanischen Hauptstadt vor seinem Teamkollegen Franco Colapinto. Der Argentinier war auf frischeren Reifen schneller unterwegs, forderte einen Platztausch. Gasly aber ließ Colapinto zunächst nicht vorbei und bremste seinen Teamkollegen somit aus. Nach einem Boxenstopp des Franzosen landete Colapinto am Ende aber doch vor Gasly. Er wurde Siebter, Gasly Zwölfter. Dennoch schlug im Anschluss an das Rennen eine Welle des Hasses Gasly entgegen, vor allem aus Colapintos Heimat Argentinien.
„Mir ist natürlich bewusst, dass ich als Spitzensportler in der Öffentlichkeit stehe. Das war schon immer so. Aber Drohungen und Angriffe in diesem Ausmaß finde ich völlig unangemessen, insbesondere wenn sie sich auch gegen Familienmitglieder, die Freundin und andere Personen richten. Das sollte nicht passieren“, sagte Gasly damals.
Alpine-Boss Flavio Briatore reagierte umgehend, drohte mit einem Interview-Boykott gegen argentinische Medien. Und Colapinto wandte sich direkt an seine Fans und bat, mit den Drohungen aufzuhören. Davon möchte Fia-Chef Ben Sulayem mehr sehen: „Die Fahrer haben Fans. Und die Fahrer können sagen, dass sie diese Fans nicht wollen, wenn sie Drohungen gegen andere Piloten ausstoßen.“
„Dann fliegt er raus“, kündigt der Fia-Boss an
Ben Sulayem appellierte aber auch direkt an Fans und Medien. „Wir laufen Gefahr, den Sport durch Online-Hass zu verlieren, und genau hier brauchen wir euch“, sagte er. Für die Zukunft kündigte er Konsequenzen an: „Wenn diese Drohungen von einem Fan kommen, fliegt er raus. Wenn sie von einem Medienvertreter kommen, fliegt er raus. Dafür haben wir die Mittel. Und wenn sich die Hater anonym im Internet verstecken, werden wir sie mithilfe von KI enttarnen.“
Die Fia habe dafür die Initiative „United Against Online Abuse“ ins Leben gerufen und nutze in großem Umfang KI-Technologien, um gegen Online-Drohungen vorzugehen. Dank der Technik kommt Ben Sulayem wohl auch auf die Zahl von 13.000 Morddrohungen gegen Gasly.
Einen durch den Online-Hass ausgelösten Abgang konnte die Fia aber nicht verhindern, wie Ben Sulayem schilderte: „Wir hatten eine Rennkommissarin, der damit gedroht wurde, dass man sie vergewaltigt und umbringt. Das war es ihr am Ende nicht wert, und sie ist gegangen.“
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