Schiefe Töne im Elfmeterschießen – wie eine Blockflöte Holstein Kiel ins Achtelfinale verhalf
Haben Sie sich schon mal gefragt, woher die Blockflöte ihren Namen hat? Der Pokalabend am Mittwoch in Kiel gab zumindest einen Hinweis auf eine mögliche Antwort: Fanblock.
Der Pokalheld an der Förde war schnell gefunden. Siegesfeiern nach erfolgreichem Elfmeterschießen werden standesgemäß mit einer Jubeltraube um den eigenen Torwart gestartet. Insofern war Kiels Torwart Lio Rothenhagen natürlich die erste Anlaufstelle nach dem 4:3 im Elfmeterschießen (1:1; 1:1) über die TSG Hoffenheim in der zweiten Runde des DFB-Pokals.
Doch dass der Bundesligist sich zwei Fehlschüsse leistete, lag möglicherweise gar nicht am 20 Jahre alten Kieler Schlussmann. Beim ersten konnte Rothenhagen nicht eingreifen. Hoffenheims Leon Avdullahu jagte den Ball über die Torlatte, und der finale Schuss von Mats Rots war derart schwach und unplatziert, dass Rothenhagen nur zur richtigen Seite fallen musste.
Kieler Blockflöte auch im TV zu hören
Womit wir bei der Blockflöte und ihrem Einfluss auf den Spielausgang wären: Jeder Hoffenheimer Schütze wurde im Stadion von schiefen Blastönen begleitet, wie man sie sonst nur von Nikolausfeiern der örtlichen Grundschule kennt. Laut und leidenschaftlich, aber eben krumm und schief.
Nicht nur, dass der Anhang hinter dem Tor mit allem wedelte und winkte, was er in die Finger bekam, um die Hoffenheimer zu irritieren. Neben den bekannten optischen Manövern wurde auch der Lauscherangriff gestartet: Offenbar hatte sich ein Fan der Kieler explizit auf das Elfmeterschießen vorbereitet und beim Gang ins Stadion die Flöte eingepackt.
Da seine Töne über einen Verstärker – womöglich ein Megaphon im Fanblock hinter dem Tor – abgespielt wurden, zeigte sein schiefes Spiel Wirkung. Sogar im TV war das Gedudel zu hören.
Beschwerden über die ungewöhnliche Störaktion gab es von Hoffenheimer Seite allerdings nicht. Zumal der Sieg des Außenseiters nicht unverdient war. Der Bundesligist blieb nach dem frühen Führungstreffer durch Adam Hlozek (11. Minute) zu harmlos. Nach Adrian Kapraliks schnellem Ausgleich in der 23. Minute zeigte sich Holstein ebenbürtig.
Nach der Pause dominierten die Hoffenheimer, die zuletzt in drei Pflichtspielen siegreich gewesen waren, zwar das Geschehen. In Fisnik Asslani und Adam Daghim brachte TSG-Trainer Ilzer auch zwei Stürmer. Viel Produktives sprang aus der Überlegenheit der Gäste nicht heraus. Und so brachte Holstein das Remis über die reguläre Spielzeit und die Verlängerung bis ins Elfmeterschießen. Dort halfen dann Glück und Geblase.
Schon in der Vorsaison waren die in der zweiten Liga bislang wenig erfolgreichen Kieler nach Siegen gegen die Bundesligisten VfL Wolfsburg und Hamburger SV ins Viertelfinale eingezogen und befinden sich auch in dieser Saison wieder auf Erfolgskurs.
Und wer auch immer den Kielern bei der Auslosung am Sonntag für das Achtelfinale zugelost wird, darf davon ausgehen, dass die Flöte eine Zugabe gibt, sollte es in Kiel mal wieder ins Elfmeterschießen gehen.
Wenn Lutz Wöckener nicht gerade irgendeinen Sport im Selbstversuch ausprobiert, schreibt er über Darts und Sportpolitik, manchmal aber auch Abseitiges wie Fußball.
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