Marathon-Ass Amanal Petros hatte im langsam ausklingenden Regen des Frankfurt-Marathons gerade erneut attackiert und zumindest ein paar Meter zwischen sich und seinen ärgsten Verfolger gebracht, als er in eine Linkskurve steuerte. Und da stand er, mitten auf der Marathonstrecke, am inneren Rand der Kurve: der Fahrer eines Essens-Lieferdienstes auf seinem Rad. 1:55 Stunden war das Rennen da alt, das Ziel nicht mehr fern.

Petros, schnellen Schrittes heranlaufend, rief ihm verärgert etwas zu, machte eine Handbewegung – und rauschte vorbei. Dass der Europameister wenig später eine Gegenattacke des Äthiopiers Jirata Dinki nicht kontern konnte, dürfte damit zwar nichts zu tun gehabt haben – dennoch: eine skurrile Situation im besten Fall, eine ärgerliche definitiv.

Wenig später war das vergessen: Als der 31-Jährige nach 42,195 Kilometern durch die Main-Metropole als Zweiter eines spannenden Rennens auf den Roten Teppich und in die Festhalle lief, jubelte er wie bei einem Sieg. 2:05:46 Stunden bedeuteten zwar nicht den angepeilten deutschen Rekord – Petros hält ihn selbst mit 2:04:03 Stunden –, doch bei Dauerregen und Temperaturen von etwas über 10 Grad hatte er das Vorhaben früh im Rennen ad acta gelegt. 2:05:46 Stunden sind allerdings immer noch die drittbeste deutsche Marathon-Zeit der Geschichte.

Auf regennasser Straße: Amanal Petros (Startnummer 2) kurz nach dem Start im Spitzenfeld

Dinki siegte in persönlicher Bestzeit von 2:05:26 Stunden, auf Rang drei lief der Kenianer Benard Biwott. Platz fünf ging an Ex-Europameister Richard Ringer, Samuel Fitwi wurde Siebter. „Ich habe bis zum Ende alles gegeben, mir ist ein bisschen die Kraft ausgegangen“, sagte ein kaputter, aber glücklicher Petros dem hr-Fernsehen. „Obwohl es so geregnet hat, standen die Leute auf der Straße und haben uns unterstützt. Das war unglaublich, hat mich motiviert und nach vorne gepusht.“

Blanka Dörfel zweitschnellste deutsche Frau jemals

Herausragend lief an diesem Tag Blanka Dörfel. Die 24-jährige Berlinerin lieferte ein überragendes Marathon-Debüt und belegte hinter der großen Favoritin Zeineba Yimer aus Äthiopien Platz zwei. Mit ihrer Zeit von 2:20:46 Stunden erzielte sie auf Anhieb die zweitschnellste Zeit einer deutschen Marathonläuferin. Die Bestmarke von 2:19:19 Stunden hält immer noch Irina Mikitenko, aufgestellt 2008 in Berlin.

Im Ziel suchte Dörfel erst einmal nach ihrem Trainer: Dieter Hogen. Der 73-Jährige ist in der Läuferszene längst kein Unbekannter, schließlich war er es einst, der Deutschlands Marathon-Legende Uta Pippig formte. Die heute 61-Jährige gewann in den 90ern jeweils dreimal den Berlin- sowie den Boston-Marathon und einmal in New York. Jetzt verhalf er Dörfel zu diesem beeindruckenden Debüt.

Blanka Dörfel auf dem Podium während der Pressekonferenz vor dem Frankfurt-Marathon

„Ehrlich gesagt“, erzählte die 24-Jährige, „waren die letzten fünf Kilometer sehr hart, und ich musste sehr kämpfen, aber es war auch ein cooles Gefühl zu wissen, dass man es trotzdem gleich geschafft hat.“ Bemerkenswert: Dörfel läuft ohne Sportuhr, auch im Training. „Ich bin auch jetzt nur nach Gefühl gelaufen“, sagte sie – wie schnell sie unterwegs war, erfuhr Dörfel erst im Ziel; während des Rennens hatte sie keine Informationen dazu.

Für die Zukunft lässt die Leistung der 24-Jährigen bei ihrer Marathon-Premiere im nasskalten Frankfurt einiges erhoffen. „Ich glaube“, sagt sie selbst, „dass ich es beim nächsten Mal besser und schneller machen kann, weil mein ganzer Körper heute einfach kalt war. Wenn mein Körper warm ist, kann ich durchstarten.“

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