„Könnte ein besonderer Abend werden“ – Kane ist Favorit für den Ballon d’Or
War es die letzte Botschaft, bevor er den Ballon d’Or gewinnt? Harry Kane lächelte nach seinem herausragenden Champions-League-Auftritt gegen den FC Arsenal über diese Frage. „Natürlich könnte der Montag ein besonderer Abend werden. Wir müssen abwarten“, sagte der Stürmer des FC Bayern nach dem 2:2 (1:1) gegen die Londoner am Mittwochabend.
Englands Nationalmannschaftskapitän bereitete das 1:1 von Außenspieler Alphonso Davies mit einem Traumpass vor, den Treffer zum 2:1 erzielte er vom Elfmeterpunkt selbst. Den Handelfmeter hatte er auch noch selbst herausgeholt. Kane war an diesem regnerischen Abend in München quasi überall. Mal holte er sich den Ball tief in der eigenen Hälfte, dann dirigierte er seine Mitspieler, danach sprintete er in die Spitze oder half an der Grenze des Bayern-Strafraums aus. Die Zuschauer und Experten waren sehr beeindruckt.
Die Auszeichnung als Spieler des Spiels war folgerichtig. „Insgesamt geht das Remis in Ordnung. Uns haben viele Spieler gefehlt, deshalb nehmen wir den Punkt mit. Wir hatten gute Momente, aber leider nicht genug, um zu gewinnen“, sagte Kane. Die Bayern mussten auf Mittelfeldchef Joshua Kimmich (Trauerfall in der Familie) sowie den gesperrten Offensivstar Michael Olise und den verletzten Spielgestalter Jamal Musiala verzichten.
„Er ist vom Gefühl überall“, sagte Münchens Trainer Vincent Kompany über Kane. „Ich glaube, was Harry am meisten gefreut hat in den vergangenen Jahren, ist, dass er endlich mal diesen Mannschaftstitel gewonnen hat.“ Wenn er jetzt noch mit einer individuellen Auszeichnung geehrt werden würde, habe er sich das auch verdient, so wie er für die Mannschaft spiele, argumentierte der belgische Trainer.
Gemessen an den Wettquoten ist Kane der Favorit auf die Auszeichnung für den weltbesten Fußballer. Nicht Spaniens Weltmeister Lamine Yamal (FC Barcelona) oder WM-Torschützenkönig Kylian Mbappé (Real Madrid).
„Ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken. Denn wir haben wichtige Spiele vor uns. Am Sonntag steht natürlich ein weiteres wichtiges Spiel an“, sagte Kane mit Blick auf das Bundesliga-Topspiel beim SC Freiburg (17:30 Uhr, Liveticker bei WELT und DAZN). „Ich weiß, dass es ein riesiges Ereignis ist. Also freue ich mich auf jeden Fall darauf. Und hoffentlich wird es ein besonderer Anlass.“ Verliehen wird der Preis am Montag in London. Der Einsendeschluss der Stimmen war vor knapp einem Monat.
Harry Kane: „Der Pass war einer meiner besten“
Beim Unentschieden gegen den englischen Meister ragte Kane vor allem mit seiner Vorarbeit vor dem Davies-Tor heraus. „Der Pass selbst war definitiv einer meiner besten“, sagte der 33-Jährige. Seine Vorlage zum zwischenzeitlichen 1:1 begeistert die internationale Presse. „The Sun“ schrieb: „Kane – wer sonst – spielte einen perfekten Pass auf Davies, und dieser musste nicht einmal seinen Lauf verlangsamen, als er zehn Minuten nach Ezes Führungstreffer den Ausgleich erzielte.“ Und bei der „BBC“ hieß es: „Selbst für Harry Kanes bemerkenswerte Verhältnisse war dies äußerst beeindruckend.“ Und: „Ein Moment bemerkenswerter Genialität.“
Er traf im zehnten Spiel nacheinander in Europas Fußball-Königsklasse. Einzig der portugiesische Superstar Cristiano Ronaldo, der für Real Madrid die Rekordserie von elf Spielen nacheinander mit Torerfolg hinlegte, ist besser.
Wenn man im Zusammenhang mit Ronaldo genannt werde, „bedeutet das auf jeden Fall, dass man etwas Besonderes leistet – vor allem in diesem Wettbewerb“, sagte Kane. „Es ist schön, jetzt die Zehn erreicht zu haben.“
Dass in seiner Familie niemand weiß, wie es am Montag ausgeht, stresst seine Ehefrau Katie mehr als ihn. „Ich glaube, meine Frau würde es lieber im Voraus wissen, und meine Familie macht allen ziemlich viel Stress. Ich kann verstehen, warum sie es den Leuten nicht verraten, denn sie wollen natürlich, dass alle kommen und alle großen Namen dabei sind, und ich denke, es werden mehr Leute zuschauen, wenn sie den Gewinner noch nicht sicher kennen“, sagte Kane.
„Ich kann also verstehen, warum. Aus meiner Sicht würde ich es natürlich gern wissen, um einfach zu sehen, wie es ausgeht, und nicht die ganze Nacht warten zu müssen, aber das ist ihre Entscheidung. Darauf habe ich keinen Einfluss. Wir müssen es einfach genießen und versuchen, uns nicht zu sehr zu stressen.“
„Da sage ich nichts dazu. Nächste Frage“
Auch für Jürgen Klopp ist Kane in diesen Tagen ein Thema. Der neue Bundestrainer sorgte mit Äußerungen im Interview während der Halbzeitpause des Spiels gegen Arsenal beim Streamingdienst DAZN für Aufsehen. Klopp sagte, dass er den Plan von Kompanys Mannschaft im Spiel gegen den Ball immer noch nicht verstanden habe.
Den 59-Jährigen verwirrte insbesondere die Rolle von Torjäger Kane dabei. „Da sage ich nichts dazu. Nächste Frage“, antwortete Kompany, als er um Mitternacht in der Pressekonferenz im Münchner Stadion nach dem 2:2 auf Klopps Aussagen angesprochen wurde.
„Ich habe bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht. Aber ich will mich einfach weiterbilden“, hatte Klopp zuvor in der Analyse der ersten Spielhälfte gesagt: „Mal ist es hybrid, dann Mann gegen Mann, dann nicht gegen den Mann. Ich lerne immer noch.“
Bundestrainer Jürgen Klopp nahm mehrere Anläufe, die Frage nach der Diskussion über Joshua Kimmich möglichst unverfänglich zu beantworten - und entschied sich letztlich dafür, sich zu den Fragen der Journalisten zum DFB-Kapitän und dessen Stammplatz gar nicht weiter zu äußern.Insbesondere die Rolle von Kane ist und bleibt für Klopp anscheinend ein Rätsel. „Harry Kane ist überall. Das finde ich mit Ball in Ordnung, aber gegen den Ball?“ Da sehe er ihn zeitweise tief stehend, etwa im Mittelfeld-Pressing. Das schien den Bundestrainer eher zu verwirren. „Ich bin nicht Papst des Fußballs, alle dürfen machen, was sie wollen. Aber abschließend dahintergestiegen bin ich auch nicht“, sagte Klopp und lachte.
Vielleicht erklärt Kompany dem Bundestrainer die Bayern-Taktik mal unter vier Augen. Klopp hatte den Bayern-Trainer und die Klubbosse zuletzt in der Klubzentrale an der Säbener Straße besucht. Es hieß danach, es sei ein sehr guter Austausch gewesen.
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