Der Vergleich liegt nahe. Früher Rafael van der Vaart, heute Fabio Vieira. Zwei Techniker, zwei Spielmacher, zwei Fußball-Profis, die ein gewisses Flair zum Hamburger SV brachten und die HSV-Fans bewegen. Einer will diesen Vergleich aber auf keinen Fall ziehen - und das ist van der Vaart selbst. „Für Fabio ist es einfach wichtig, sein Ding zu machen und nicht der neue van der Vaart oder der neue Barbarez zu sein“, sagte der mittlerweile 43 Jahre alte Niederländer dem „Hamburger Abendblatt“ in dieser Woche bei der Eröffnung eines Kunstrasenplatzes der Johan Cruyff Foundation. „Das ist alles Vergangenheit. Wir sind jetzt alt und dick und können nicht mehr spielen, wie man gerade sehen konnte.“

Trotzdem: Der Portugiese Vieira ist auf dem besten Weg, sich ebenfalls einen Platz in der Ehrengalerie des norddeutschen Traditionsclubs zu verdienen. In den vergangenen Monaten machte die Hängepartie auf dem Transfermarkt rund um den Spielmacher deutlich: Der 26-Jährige hat das Zeug dazu.

Wie sehr die Fans um den Ausgang des Transfers bangten, verdeutlicht die Bedeutung des Technikers. Denn zwischenzeitlich musste er zu seinem eigentlichen Verein FC Arsenal nach London zurück. Doch es folgte nach langem Hin und Her die Einigung und eine für den HSV bezahlbare Ablösesumme, die knapp unter zehn Millionen Euro lag.

„Ganz, ganz besonderer Moment“

Das Ziel ist klar: Vieira soll das Niveau seiner ersten Spielzeit bestätigen - und bestenfalls toppen. In seiner ersten Saison gelangen ihm in 29 Bundesliga-Spielen sieben Treffer und fünf Vorlagen. Damit war er jeweils der beste Torschütze und Vorlagengeber seines Teams.

Obendrein sorgte er für einen der emotionalsten HSV-Momente seit der Bundesliga-Rückkehr. Am 12. Spieltag der vergangenen Saison erhielt er in allerletzter Minute nach einem bemerkenswerten Sprint von Fabio Balde den Ball, erzielte das entscheidende 2:1 gegen den VfB Stuttgart und brachte den Volkspark zum Beben.

An diesem Samstag geht es wieder gegen die Schwaben (15.30 Uhr/Sky) - und Trainer Merlin Polzin erinnert sich immer noch gern an den vergangenen November. Damals habe der HSV „einen ganz, ganz besonderen Moment erleben dürfen“, sagte der Coach. Aber auch diesmal stehe seine Mannschaft wieder vor einer „Riesenherausforderung“.

Vieira hilft HSV über 90 Minuten

Vieira soll sie mit bewältigen. Und der Rückenwind der Fans dürfte ihn mit antreiben. „Die Fans haben mir wirklich jeden Tag geschrieben - kein Spaß“, sagte der 26-Jährige im September nach seiner Rückkehr. „Wenn du von allen Seiten - den Fans, Verantwortlichen, Trainern, Spielern und Mitarbeitenden - ein solches Vertrauen bekommst, kannst du dich viel leichter entscheiden.“

Seitdem steuerte Vieira weder ein Tor noch eine Vorlage bei seinen bisherigen vier Saisoneinsätzen bei. Was aber sofort auffällt: Bei den beiden 0:5-Klatschen gegen Mainz und in Leipzig stand er nur 45 und 17 Minuten auf dem Platz. Als er zuletzt gegen den 1. FC Köln (2:1) und bei 1899 Hoffenheim (3:2) zur Startelf gehörte und 90 Minuten durchspielte, siegten die Hanseaten jeweils.

Das alles zeigt: Noch hat der Portugiese nicht komplett die Form der Vorsaison erreicht. Polzin hat dafür aber eine Erklärung. Denn lange sei im Sommer unklar gewesen, wohin Vieiras Reise gehe. Deshalb habe man bei ihm am Anfang auch nachsteuern müssen, um ihn auf das richtige Level zu bekommen. „Wenn er das tut“, wurde Polzin von der „Hamburger Morgenpost“ zitiert, „dann ist er ein Riesengewinn für jeden Einzelnen, der es mit dem HSV hält.“

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