Die Faszination des englischen Fußballs für deutsche Trainer geht inzwischen weit über die Berufung von Thomas Tuchel zum Nationalcoach hinaus. Aktuell stehen vier Deutsche bei Premier-League-Klubs unter Vertrag.

Der jüngste Zugang unter ihnen ist Matthias Jaissle, der im August bei Newcastle United die Nachfolge von Eddie Howe antrat. Dieser Trainerwechsel hat dazu geführt, dass inzwischen mehr Deutsche als Engländer in der Premier League als Cheftrainer arbeiten. Zu den englischen Trainern gehören derzeit Michael Carrick bei Manchester United, Frank Lampard bei Coventry City und Gary O’Neil bei Ipswich Town.

Die englische Eliteklasse war schon immer eine Liga der Nationen, was einen großen Teil ihrer weltweiten Anziehungskraft erklärt. Solche Entwicklungen gab es bereits früher. Aktuell arbeiten auch fünf Spanier in der Premier League.

Matthias Jaissle wechselte aus Saudi-Arabien in die Premier League

Dennoch steht außer Frage, dass Jaissle, Fabian Hürzeler (Brighton & Hove Albion), Daniel Farke (Leeds United) und Marco Rose (AFC Bournemouth) der Liga einen deutlichen deutschen Einfluss verleihen.

Hürzeler soll 4,6 Millionen Euro pro Saison verdienen

Natürlich werden sie von der Popularität und der Wettbewerbsstärke der Liga angezogen, aber auch von den Gehältern. Wie bei den Spielern möchten Trainer dort arbeiten, wo sie am besten bezahlt werden. Selbst vergleichsweise kleine Premier-League-Klubs wie Brighton oder Bournemouth können ihren Trainern höhere Gehälter zahlen als größere und glamourösere Vereine auf dem europäischen Festland. So soll Hürzeler in Brighton rund 4,6 Mio. Euro pro Jahr verdienen. Der aktuelle Trend zu deutschen Trainern lässt sich bis zur Verpflichtung von Jürgen Klopp durch den FC Liverpool im Jahr 2015 zurückverfolgen.

Jürgen Klopp – Eine lebende Legende verlässt Liverpool

Der jetzige deutsche Nationaltrainer hinterließ an der Anfield Road einen so nachhaltigen Eindruck, dass andere Vereine nach ähnlichen Profilen suchten. Klopps Fähigkeit, seine Erfolge aus der Bundesliga auf die Premier League zu übertragen, verschaffte ihm großen Respekt. Nicht nur wegen seiner Titel, sondern auch wegen seiner Spielphilosophie. Liverpool spielte einen der aufregendsten Fußballstile Europas. Für die oft nach innen blickenden englischen Medien und Fans brachte Klopp neue Ideen und eine mitreißende Energie mit.

Thomas Tuchel trat gewissermaßen in seine Fußstapfen. ­Er gewann mit Chelsea die Champions League, lange bevor ihn der englische Fußballverband zum ersten ausländischen Trainer der englischen Männer-Nationalmannschaft seit Fabio Capello machte.

Jaissle legt mit Newcastle einen starken Start hin

Jaissle ist der neueste deutsche Trainer, der den Sprung gewagt hat. Newcastles Sportdirektor Ross Wilson beobachtet Jaissle bereits seit dessen Durchbruch bei Red Bull Salzburg und ist überzeugt, dass er sich zu einem der besten Trainer der Welt entwickeln wird. Der Start in Newcastle ist gelungen: Wettbewerbsübergreifend musste seine Mannschaft in Jaissles ersten acht Partien im Amt nur zwei Niederlagen hinnehmen.

Fabian Hürzeler ist der jüngste der vier deutschen Trainer. Trotz des ständigen Verlusts wichtiger Spieler leistet er bei Brighton hervorragende Arbeit. Für den 33-Jährigen ist es bereits die dritte Saison im Amt. Er führte einen der kleineren Vereine der Premier League nach Europa. Umso bemerkenswerter ist dieser Erfolg, da einige Fans zu Beginn des Jahres noch seine Entlassung gefordert hatten.

Daniel Farke (r.) führte Leeds United zurück in die Premier League

Daniel Farke galt bei seiner Verpflichtung durch Leeds United im Jahr 2023 vor allem als Aufstiegsspezialist. Seine Aufgabe bestand darin, den Verein aus der Championship zurück in die Premier League zu führen. Dies gelang ihm bereits in den Saisons 19/20 und 21/22 mit Norwich City. Nachdem ihm das 2025 mit Leeds erneut gelungen war, gingen viele davon aus, dass er seinen Posten verlieren würde, falls Leeds in der folgenden Saison Schwierigkeiten bekommen sollte.

„Jeder Trainer möchte in der Premier League arbeiten“

Ein schwieriger Saisonstart schien diese Einschätzung zunächst zu bestätigen. Doch eine Systemumstellung im Herbst auf eine Dreierkette veränderte die Mannschaft grundlegend. Der 49-Jährige genießt in Leeds große Beliebtheit.

Die vielleicht schwierigste Aufgabe hat Marco Rose bei Bournemouth übernommen. Er ersetzte den äußerst erfolgreichen Andoni Iraola, der zu Liverpool wechselte. Rose übernimmt einen Verein, der über einen langen Zeitraum deutlich über seinen Möglichkeiten gespielt hat. Zusätzlich könnte die Teilnahme an der Europa League den vergleichsweise kleinen Kader an seine Grenzen bringen.

Marco Rose steckt mit Bournemouth im Tabellenkeller der Premier League

Jaissle erklärt die Anziehungskraft der Premier League so: „Ich glaube, viele meiner deutschen Trainerkollegen würden ebenfalls hierherkommen, wenn sie die Gelegenheit bekämen. Dann gäbe es sogar noch mehr von uns. Jeder Trainer möchte in der Premier League arbeiten.“

Der Artikel wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) verfasst und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.

Jason Burt ist Chef Football Correspondent beim „Telegraph“.

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