Der FC Bayern lässt beim FC Augsburg Punkte liegen und verpasst durch das 2:2 den Sprung an die Tabellenspitze. Seinen Anteil trägt Manuel Neuer, der einen gebrauchten Tag erwischt hat. Die Debatte um den mittlerweile 40-Jährigen nimmt Fahrt auf.

Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger sagte bei Sky zur Fehlerquote von Neuer: „In den letzten Jahren haben sich schon einige angesammelt.“ Neuer könne zwar immer noch „genial in einigen Momenten“ sein, doch so fehlerfrei wie in jüngeren Jahren spiele der Keeper nicht mehr.

Bei beiden Gegentoren hatte Neuer seinen Anteil. Treffer Nummer eins ging so klar auf seine Kappe, dass er im Anschluss entschuldigend die Arme gen Himmel streckte. Es war ein historisches Tor, das schnellste der Bundesliga-Geschichte. Robin Fellhauer konnte es erzielen, weil Neuer ihm den Ball nach einer unglücklichen Annahme in den Rücken spielte. Der Augsburger hatte leichtes Spiel und schob ein. „Ja, was war da los?“, fragte Michael Ballack bei DAZN und gab selbst die Antwort: „Riesenbock natürlich von den Bayern in Form von Manuel Neuer.“ Später meinte er: „Ohne dieses Tor hätten die Bayern das Spiel wahrscheinlich gewonnen.“

Was Manuel Neuer über seinen Fehler sagt

Der zweite Augsburger Treffer war kein waschechter Fehler, aber ein Tor, bei dem der Zuschauer denken könnte, dass Neuer einen solchen Ball vor ein paar Jahren noch anders geklärt hätte. Der Weltmeister von 2014 hatte einen Augsburger Flachschuss pariert, den Ball aber direkt vor die Füße von Rodrigo Ribeiro klatschen lassen, der dann traf (64.).

Nach dem Spiel stellte sich Neuer den Fragen und schilderte die Szenen aus seiner Sicht. „Es war ein blöder Fehler von mir“, sagt Neuer in der Mixed Zone zum 0:1: „Ich musste mir den Ball auf links legen, weil ich von rechts von zwei Leuten angelaufen wurde. Dann habe ich versucht, eine Lösung zu finden. Aber ich hätte einfach eine andere Entscheidung treffen müssen.“ Was er direkt nach dem Treffer dachte, wurde der Routinier gefragt. Er antwortete: „Ich musste erst mal in mich gehen, durchatmen. Die Hoffnung war natürlich noch groß, weil es die erste Minute war. Deshalb war die Chance noch da, dass wir das Spiel drehen können.“

Tatsächlich erarbeiteten sich die Münchner danach zahlreiche Möglichkeiten. Mehrfach landet der Ball sogar im Tor. Doch immer wieder verhindert die Abseitslinie den Bayern-Jubel. „Die Möglichkeiten und Chancen haben wir gehabt, haben wir leider auch liegen gelassen“, sagte Neuer. „Dann war ein bisschen Pech dabei mit den knappen Abseitssituationen. So ein Spiel haben wir auch noch nicht alle erlebt. Es war schon skurril, dass wir so viele Tore erzielt haben und die dann aberkannt worden sind.“

„Ein strammer Schuss, den ich nicht festhalten kann“

So sehr sich Neuer für den ersten Gegentreffer in die Verantwortung nahm, wollte er dies bei Tor Nummer zwei nicht gelten lassen. Seine Sicht der Szene: „Ein strammer Schuss, den ich nicht festhalten kann. Ich lenke ihn nach außen ab und dann sind wir wieder im Hintertreffen und er schiebt ihn rein.“ Den entscheidenden Fehler sieht Neuer allerdings schon früher in der Entstehung: „Dass der Innenverteidiger alleine auf uns zuläuft.“

Schon bei der WM hatte sich die Rückholaktion des damaligen Bundestrainers Julian Nagelsmann nicht ausgezahlt. Sie sorgte eher für Unruhe denn für Aufbruchstimmung. Und beim blamablen Turnier in Nordamerika war Neuer dann überhaupt kein Faktor.

Sein potenzieller Nachfolger im DFB-Team ist nun ausgerechnet der Mann, der im Verein (noch) hinter Neuer in der Rangordnung steht. Bundestrainer Jürgen Klopp stellte Jonas Urbig in der abgelaufenen Länderspielphase in zwei von vier Spielen ins Tor der Nationalmannschaft. Beim 2:0 gegen Serbien und dem 0:0 blieb der 23-Jährige ohne Fehler und Gegentor. Urbig war einer der großen Gewinner des Starts unter Klopp.

Was Kompany über Neuer sagt

Vor dem Augsburg-Spiel hatte Trainer Vincent Kompany über Urbig gesagt: „Es freut mich, dass er mit positiven Geschichten zurückkommt, aber das beeinflusst nicht, zumindest nicht übertrieben, was jetzt in der nächsten Woche noch passieren muss für seine Entwicklung. Wir haben uns für einen ganz deutlichen Weg entschieden mit Manu als Nummer eins und Jonas als Jungen, der auf dem Weg ist, auch irgendwann hoffentlich die Nummer eins für Bayern, aber auch für Deutschland zu werden.“

Nun sagte Kompany in Augsburg: „Es ist schade. Wir haben nicht viel falsch gemacht, aber ein Riesenfehler kann ein solches Ergebnis entscheiden.“ Über Neuer meinte der Belgier: „Die Reaktion ist jetzt das Wichtigste. Er muss einfach weiter zeigen, wie gut er ist, und das wird er machen.“

Auch Max Eberl redete den Patzer nicht klein. „Beim ersten Mal, ich glaube, brauchen wir jetzt nicht drum herumzureden, das ist ein Fehler gewesen, schlechte Annahme“, sagt der Sportvorstand. Neuer habe die Situation danach mit viel Risiko lösen wollen, so Eberl. Doch er verwies auch darauf, dass beim zweiten Gegentor nicht nur der Torwart Verantwortung trägt: „Da braucht man nicht drüber reden, beim zweiten Tor hängen da schon ein paar Spieler mehr drin. Manu auch, aber ein paar Spieler mehr.“

Wird Neuer in seiner von ihm selbst angedeuteten letzten Saison die Nummer-eins-Position wirklich verteidigen können? Das wird in den kommenden Wochen und Monaten spannend zu sehen sein.

Die Augsburger freuten sich unterdessen über den erkämpften Punkt gegen den Rekordmeister und einen Bundesligarekord, der nur schwer zu knacken sein dürfte. „Es ist unbeschreiblich. Da an der Spitze zu stehen, ist ein unbeschreibliches Gefühl“, sagte Fellhauer bei Sky: „Ich hab' kurz überlegt, direkt zu schießen. Ich habe gemerkt: Ich hab' Zeit. Die Gefahr war mir zu groß, dass ich vorbeischieße. Die acht Sekunden muss auch erst mal jemand holen.“

Der Mittelfeldspieler löste damit Kevin Volland und Karim Bellarabi ab, die beiden nach neun Sekunden getroffen hatten.

Die schnellsten Tore der Bundesliga-Geschichte

  • 1. Robin Fellhauer, Augsburg, 8 Sekunden, 10.10.2026 – gegen den FC Bayern
  • 2. Kevin Volland, Hoffenheim, 9 Sekunden, 22.08.2015 – gegen den FC Bayern
  • 2. Karim Bellarabi, Bayer Leverkusen, 9 Sekunden, 23.08.2014 – in Dortmund
  • 4. Ulf Kirsten, Bayer Leverkusen, 11 Sekunden, 30.03.2002 – gegen Kaiserslautern
  • 4. Giovane Elber, Bayern München, 11 Sekunden, 31.01.1998 – gegen Hamburger SV
  • 6. Paul Freier, VfL Bochum, 11 Sekunden, 24.05.2003 – gegen 1860 München
  • 7. Adam Szalai, Mainz 05, 12 Sekunden, 30.03.2013 – gegen Werder Bremen
  • 7. Dirk Zander, FC St. Pauli, 12 Sekunden, 12.04.1991 – gegen Karlsruher SC
  • 9. Lothar Matthäus, Bayern München, 13 Sekunden, 26.04.1986 – gegen Gladbach
  • 9. Leon Goretzka, Bayern München, 13 Sekunden, 15.02.2019 – in Augsburg

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