Im Frühjahr dieses Jahres hat Lennart Karl einen besonders wichtigen Anruf verpasst. Als es Julian Nagelsmann im März beim Bayern-Star versuchte, saß der 18-Jährige gerade bei der Mathe-Nachhilfe. Karl rief wenige Minuten später zurück. Und erfuhr auf diese Art und Weise von seiner ersten Nominierung für die deutsche A‑Nationalmannschaft.

Mittlerweile ist Nagelsmann Geschichte. Beim 0:0 gegen Griechenland in Thessaloniki stand Karl vergangenen Sonntag erstmals unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp auf dem Platz. Bei der Nationalmannschaft wird dem talentierten Flügelspieler eine große Zukunft vorhergesagt. Und beim FC Bayern?

Anders als mit Superstar Harry Kane haben die Klub-Bosse um den Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen und Sportvorstand Max Eberl mit Karl oder dessen Berater Michael Ballack noch keine Gespräche über eine Vertragsverlängerung geführt. Ein Grund dafür ist Michael Olise. Karls Zukunft hängt auch an der des Franzosen. WELT erklärt die drei Karl-Szenarien.

  1. Variante 1: Nach Abschluss der Kane-Gespräche wollen sich die Münchner der Zukunft von Olise widmen, ihm einen Vertrag bis 2032 anbieten und ihn neben Kane und Jamal Musiala (die geschätzt rund 25 Millionen Euro pro Saison kassieren) zu einem der Top-Verdiener des deutschen Rekordmeisters machen. Sollte Bayern tatsächlich mit Olise verlängern, muss Karl sich fragen, wie seine Zukunftschancen aussehen. Schließlich ist Olise unter Trainer Vincent Kompany gesetzt, Karl bliebe nur die Rolle als Ersatzmann. Der Platz im Zentrum ist für Musiala vorgesehen.

Internationale Top-Klubs wie Real Madrid haben Karl längst auf dem Zettel. Bei den Königlichen absolvierte er im Alter von zehn Jahren sogar schon ein Probetraining im Ma­drider Fußball-Tempel Bernabéu. Anfang dieses Jahres erzählte der Youngster bei einem Fanklub-Besuch in der Nähe seines Heimatortes Frammersbach (Unterfranken): „Irgendwann will ich auf jeden Fall mal zu Real Madrid. Das ist mein Traumverein.“

Gerüchte, wonach ihm Real anschließend ein Trikot mit seinem Namen auf dem Rücken zuschickte, stimmen nach Informationen der „Sport Bild“ nicht. Dennoch könnte Karl künftig auch außerhalb Münchens seine Chance auf Spielzeit suchen. Wobei es bei Real selbstverständlich nicht einfach werden würde, regelmäßig in der Startelf zu stehen.

  • Variante 2: Sollte es den Bayern nicht gelingen, mit Olise zu verlängern, gilt auch ein Abgang des gebürtigen Londoners im kommenden Sommer nicht als gänzlich ausgeschlossen. In diesem Fall könnte der Deutsche Meister auf dem Transfermarkt einen Ersatz holen, mit dem sich Karl künftig um einen Stammplatz duelliert.

Trauen ihm die Bayern sogar den Status als Nummer 1 auf dem rechten Flügel zu, dürfte er in die zweite Gehaltsstufe aufsteigen. Dort befinden sich beim FC Bayern jene Spieler, die zwischen zehn und 14 Millionen Euro pro Saison verdienen. Dieser Kategorie gehören aktuell noch Olise, beispielsweise aber auch Luis Díaz an.

Karl kassiert derzeit ein geschätztes Jahressalär von rund zwei Millionen Euro. Sein Kontrakt hat sich mit seinem 18. Geburtstag am 22. Februar von einem Fördervertrag in einen Profivertrag umgewandelt und automatisch um ein Jahr bis 2029 verlängert.

  • Variante 3: Die Bayern planen Karls Zukunft unabhängig von Olise, gehen frühzeitig an ihn ran und sichern sich seine Dienste mit einer Vertragsverlängerung langfristig. Somit hätten die Münchner den Olise-­Ersatz schon vor den Verhandlungen mit dem Frankreich-Star in den eigenen Reihen.

Vorteil bei diesem Szenario: Die Bayern wären bei Olise in einer deutlich stärkeren Verhandlungsposition, würden wohl auch im Falle einer Karl-Verlängerung günstiger wegkommen.

Absolute Priorität hat für die Bayern-Bosse aktuell noch die Kane-Verlängerung. Mit ihrem Torjäger befinden sich die Münchner jetzt auf der Zielgeraden. Vom Engländer wird nach der Länderspielpause eine Entscheidung erwartet. Doch schon danach rücken Olise und Karl in den Fokus der Klubchefs.

Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.

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