Beim FC Bayern gibt es Ärger. Der ehemalige Verteidiger Christian Lell, der von 2003 bis 2010 98 Spiele für die Münchner absolviert hatte, hat auf Instagram heftig gegen seinen ehemaligen Verein ausgeteilt. Der zweimalige Doublesieger postete auf seinem Social-Media-Account ein Video, in dem er erklärt, dass der deutsche Rekordmeister ihm das Tragen des Bayern-Trikots verboten habe. Zudem musste er sein Foto im Trikot auf Drängen des Vereins vom Cover seiner im September erschienenen Biografie „From Ego to Heart: Drogen, Absturz, Selbsthass – und mein Weg zurück ins Leben“ entfernen.

Lell (gerade Teilnehmer bei „Promi Big Brother“) berichtet: „Ich habe für den FC Bayern im Januar ein Hallenturnier gespielt. Ich wurde eingeladen und bin dieser Einladung gerne nachgekommen, weil es mein Heimatverein ist. Ein paar Wochen später habe ich einen Anruf vom Büro der Chefstelle bekommen. Ich wäre nicht mehr gerne gesehen mit dem Bayern-Trikot und ich möge es in Zukunft unterlassen, das Bayern-Trikot zu tragen.“

Tatsächlich war Lell am 17. Januar 2026 für die Bayern-Senioren Ü40 beim Legenden-Cup in der Harzlandhalle in Ilsenburg im Harz (Sachsen-Anhalt) im Einsatz beim Benefizturnier – unter anderem gegen die Werder-Legenden, das Traditionsteam des VfL Wolfsburg und das Ü40-Team von Union Berlin. Sein erster und letzter Auftritt als Ü40-Spieler im Bayern-Trikot.

Bayern verfolgt Verletzung der Markenrechte rigoros

Lell, der 1993 als Achtjähriger zum FC Bayern kam, erzählt nun weiter in seinem Instagram-Video: „Ein paar Wochen später hat mein Verlag ein Anwaltsschreiben vom FC Bayern bekommen: ‚Man möge doch auf dem Cover das Bayern-Trikot entfernen.‘“ Laut Informationen von „Bild“ musste der Forward-Verlag Lell im Bayern-Trikot vom Buch-Cover nehmen, da die Markenrechte dafür nicht beim Verein angefragt worden waren. Verletzung solcher Markenrechte verfolgt der Klub seit geraumer Zeit rigoros.

Was sagt der FC Bayern zu den Vorwürfen von Lell? Der Verein äußerte sich auf Anfrage nicht dazu. Was könnten die Gründe für die Distanzierung von Lell sein? Der ehemalige Rechtsverteidiger sorgte schon während seiner Zeit als Spieler (auch bei Hertha und Köln) abseits des Platzes für Skandale – unter anderem durch Kokain-Konsum, Alkohol-Missbrauch und Prügeleien. Nach seiner Profi-Karriere machte er vor allem mit seiner Baufirma negative Schlagzeilen. Wegen der Übergabe unfertiger Immobilien wurde Lell mehrfach verklagt, 2024 wurde deshalb sogar ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Inzwischen beteuert er, sich gebessert zu haben.

Nun wirft Lell den Bayern vor, ihn nicht zu unterstützen und stattdessen mit dem Trikot-Verbot auszugrenzen: „Ich weiß nicht, wie man darauf kommt, das mit jemandem zu machen, der an der Säbener Straße aufgewachsen ist, und für den der FC Bayern ein Zufluchtsort und sicherer Hafen war.“

Lell nennt Bayern-Bosse „Osterhasen“

Hintergrund: Der Ex-Profi erzählt sowohl in seinem neuen Buch als auch auf seinem Instagram-Profil davon, eine schwierige Kindheit und Jugend gehabt zu haben. Vor einem Jahr sagte er im Interview bei „Bild Sport auf Welt TV“ bereits: „Ich bin in einem sehr konfliktbehafteten Elternhaus mit Gewalt, Alkohol und Missbrauch aufgewachsen.“

Nach den turbulenten Zeiten während und nach seiner Karriere (u.a. mit Depressionen) hätte sich Lell mehr Rückendeckung gewünscht: „Bayern München hat mich ausgegrenzt, das ist auch total in Ordnung. Man muss verstehen, dass es Firmen, Institutionen und Menschen gibt, die einen ausgrenzen, die nicht zu einem stehen, wenn man sie am meisten gebraucht hätte.“

Abschließend schießt Lell noch gegen die Bayern-Bosse, die die Trikot-Entscheidung gegen ihn getroffen haben: „Keiner der Verantwortlichen, die jetzt dort herumtanzen und glauben, etwas zu sagen zu haben, kann mich davon abhalten, ein Bayern-München-Herz zu haben. Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge klammere ich da aus, aber alle anderen Osterhasen haben keine Chance, dass ich mein Bayern-Herz aufgebe.“

Der Artikel wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) verfasst und zuerst in BILD veröffentlicht.

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