Wer zufällig auf dem Instagram-Profil von Jan Schmidt landet, wird vom Erfolg erschlagen. Gleich zehn Beiträge hat der junge deutsche Dartspieler zu seiner Sensation geteilt. Auch in seiner Story ist alles voll mit weiter geleiteten Glückwünschen zu dem Moment, der sein Leben verändern könnte.

Schmidt ist am Montag sensationell ins Finale der Jugend-WM eingezogen, als dritter Deutscher überhaupt. Aus den anderen beiden wurden später gestandene Profis. Max Hopp gewann 2015 im Finale gegen einen gewissen Nathan Aspinall den Titel. Martin Schindler verlor 2018 im Endspiel gegen Dimitri Van den Bergh. Allein an diesen Namen lässt sich ablesen, welches Sprungbrett die Jugend-WM sein kann. Nun könnte es also Schmidt nutzen.

Mit seinem Finaleinzug hat der 22-Jährige nicht nur seinen Platz beim Grand Slam of Darts sicher, sondern feiert damit auch Mitte November in Wolverhampton sein Debüt bei einem Majorturnier und streicht mindestens 5000 Pfund ein. Dem Sieger der Jugend-WM winkt auch das Ticket für die große Weltmeisterschaft im Dezember.

Schmidt ist sechs gewonnene Legs vom Ally Pally entfernt. Dann würde es mindestens 15.000 Pfund geben. Bei einem Auftaktsieg wären es schon 25.000 Pfund. Das sind potenziell karriereverändernde Summen, betrachtet man, wo Schmidt herkommt.

Der Herforder spielt Bundesliga für die Bulldogs Wolfenbüttel. Bei der PDC ist er bislang eigentlich nur in den Nachwuchsserien Development Tour und Next Gen aufgefallen. Kombiniert hat Schmidt in beiden in diesem Jahr knapp 7000 Euro erspielt.

Über die Next Gen, auf der Schmidt in diesem Jahr ein Turnier gewann, hat er sich auch für die Super League qualifiziert, bei der unter 24 vorrangig deutschen Spielern noch ein WM-Ticket ausgespielt wird. Zweimal qualifizierte er sich 2026 zudem für die European Tour. Das ist alles nett, eine gute Entwicklung in der dritten Reihe des Darts, aber weit von einem möglichen Leben als Dartsprofi entfernt.

Wer Schmidt daher für den Durchmarsch bei der Jugend-WM auf dem Zettel hatte, gehörte zum einen zu den fünf Prozent der größten Darts-Nerds – und zum anderen wäre er bei jedem Wettanbieter wohl für wahnsinnig erklärt worden. Denn das Feld bei der Jugend-WM war traditionell gespickt mit Spielern, die bereits Profis sind oder viel Erfahrung auf den großen Bühnen vorzuweisen haben. Und da Superstar Luke Littler immer noch erst 19 Jahre alt ist, gab auch er sich trotz seines Status als Nummer eins des Sports noch einmal die Ehre.

Schmidt schlägt WM-Achtelfinalisten Manby

Littler aber scheiterte im Halbfinale mit 5:6 an seinem englischen Landsmann Cam Crabtree – noch so eine Sensation an diesem Montag in Wigan. Auf der anderen Seite des K.-o.-Baums nahm Schmidt erst den Niederländer Owen Roelofs (6:2) aus dem Turnier, eine Runde später trotz Matchdarts gegen sich dann den Dänen Daniel Kortbek (6:5).

Spätestens im Achtelfinale hätte auf dem Papier Schluss sein müssen, aber Schmidt ließ auch dem zweifachen WM-Teilnehmer und frisch gebackenen Sieger der Development Tour Sebastian Bialecki keine Chance (6:2). Nach dem Viertelfinale gegen Henry Coates (6:5) wartete in Charlie Manby gar ein WM-Achtelfinalist. Schmidt war aber auch diesmal nicht zu stoppen und sicherte sich mit einem 6:3 und fast 95 Punkten im Schnitt seinen Platz im Finale.

Gegen Crabtree, Tourkarteninhaber und WM-Teilnehmer im vergangenen Jahr, ist Schmidt nun erneut Außenseiter. Das Finale wird am 29. November im Rahmen der Players Championship Finals im englischen Minehead ausgetragen.

Es bleibt zu hoffen, dass Schmidt dann seine Anreise rechtzeitig klärt. Denn die Reise nach Wigan hätte der Deutsche beinahe verpasst. Schmidt waren die Flüge ins nahegelegene Manchester zu teuer, ein Fahrer sprang kurzfristig ab. Also suchte er auf Instagram nach Ersatz, schrieb dazu, dass es „auch kein Weltuntergang“ wäre, wenn er die Jugend-WM verpassen würde. Wer Schmidt schließlich nach England fuhr, ist nicht übermittelt. Seinem Fahrer dürfte er nach der Darts-Sensation aber ganz besonders dankbar sein.

Luca Wiecek ist Sportredakteur für WELT. Er spielt selbst Darts bei VfD Rakete Berlin 5. Am Dienstagabend feiert er sein Debüt in dieser Saison.

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