Olise vergräbt sich unter schwarzer Decke – wenig später rettet er Frankreich
Der Wetterbericht in Paris zeigte zwar Spätsommer an, in der französischen Hauptstadt kletterten die Temperaturen am Montag noch einmal auf bis zu 24 Grad. Bei Michael Olise war davon aber wenig zu sehen, für den Star des FC Bayern und der französischen Nationalmannschaft war augenscheinlich schon Winter. Olise wurde auf der Bank im Stade de France eingefangen, dick eingehüllt in eine schwarze Decke. Nur die Füße und das Gesicht vom Mund aufwärts guckten raus. Während seine Nebenleute mitfieberten, bei einzelnen Szenen sogar aufsprangen, bewegte sich Olise nicht. Nichts deutete in dieser Momentaufnahme auf Olises nächste Zaubershow hin.
Weil aber Belgien nach einer Stunde Spielzeit durch einen Treffer von Ex-Bundesligaspieler Dodi Lukebakio (35. Minute) überraschend führte, musste Zinédine Zidane reagieren. Der Neu-Nationaltrainer brachte drei frische Kräfte – Rayan Cherki, Lucas da Cunha und eben Olise, mittlerweile in blauem Trikot statt schwarzer Decke. Es war der Wendepunkt. Erst bereitete da Cunha den Ausgleich von Désiré Doué vor (77.), dann trumpfte Olise groß auf. Er bereitete den Führungstreffer von Cherki vor (81.), dann machte er mit einem Doppelpack alles klar (88., 90.+1).
„Doppelpack in drei Minuten: Michael Olise sorgte für einen krönenden Abschluss“, titelte „L’Équipe“ im Anschluss. „Olise krönte den Abend mit einem Doppelpack, der seinen Status als unverzichtbarer Spieler im Angriff der ‚Bleus‘ noch weiter festigt, nachdem er bereits während der dreiwöchigen Länderspielpause geglänzt hatte“, schrieb die französische Zeitung weiter. „Le Parisien“ nannte Olise einen „Superman“, „Le Monde“ schrieb von „purem Talent, das die französische Mannschaft trägt“.
Dass Zidanes Bilanz mit drei Siegen und einem Unentschieden aus vier Spielen so positiv ausfällt, liegt tatsächlich maßgeblich an Olise. Das entscheidende 1:0 beim Hinspiel in Belgien erzielte der Bayern-Star kurz vor Schluss per Traumsolo. Auch den Treffer beim 1:1 gegen Italien erzielte Olise, als er einen Freistoß sehenswert unter die Latte knallte. Die Bilanz: Vier Nations-League-Einsätze, vier Tore, zwei Vorlagen.
Entsprechendes Sonderlob gab es vom Trainer. Zidane hob zunächst alle Einwechselspieler hervor: „Ich bin zufrieden mit den Einwechselspielern. Es war eine Reaktion und wir beenden die Länderspielperiode mit einer sehr, sehr positiven Note. Es wäre enttäuschend gewesen, nicht mit einem Sieg abzuschließen.“ Als er dann auf Olise angesprochen wurde, reichten zwei Sätze, um dessen außergewöhnliche Fähigkeiten herauszuheben. „Olise? Dazu habe ich nichts zu sagen. Es ist einfach außergewöhnlich, was er leistet“, ergänzte Zidane.
Und der Matchwinner selbst? Gab sich im Interview beim französischen Sender TF1 gewohnt kühl. „Am Ende haben wir gut gespielt. Das ist eine Teamleistung. Zidane bringt Ideen ein und wir setzen sie um. So werden wir weitermachen“, sagte Olise. Einen Preis für die spannendsten Interviews wird der 24-Jährige wohl nicht mehr gewinnen. Vielleicht aber den für den besten Fußballer dieses Jahres. Geht es nach den Rufen der französischen Fans im Stadion, hätte Olise den Ballon d’Or jedenfalls verdient. „Dazu habe ich nichts zu sagen“, sagte der Offensivspieler dazu – und lächelte.
Italien verschärft türkische Krise
In der Tabelle liegt Frankreich mit zehn Punkten nun drei Zähler vor Italien. Das Team von Trainer Roberto Mancini gewann gegen die Türkei mit 4:1 (1:0). Mittelstürmer Gianluca Scamacca traf in der 26. Minute zur Führung, als er bei der ersten echten Gelegenheit der Gastgeber per Dropkick die Unterkante der Latte traf, von wo der Ball ins Tor prallte.
Im zweiten Durchgang durften die auf Augenhöhe spielenden Türken nur kurz jubeln: Drei Minuten nach Aral Simsirs Ausgleich (61.) waren die Azzurri dank Riccardo Calafioris Kopfball wieder vorn. Der eingewechselte Pio Esposito stellte die Weichen endgültig auf Sieg für die Gastgeber in Bologna (87.).
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