Manchester City in 114 Anklagepunkten schuldig gesprochen – jetzt droht der Ligaausschluss
Manchester City wurde wegen der Vereinbarung von „Scheinkontrakten“ im Rahmen einer Reihe von Finanzverstößen für schuldig befunden. Nur so konnte der Verein den englischen Fußball dominieren. England spricht vom größten Skandal in der Geschichte der Premier League.
In einem am Dienstagabend veröffentlichten Urteil eines unabhängigen Gremiums wurde City in 114 der 115 Anklagepunkten für schuldig befunden. Sie erstreckten sich über einen Zeitraum von neun Jahren, in denen der aus Abu Dhabi unterstützte Verein die europäische Fußball-Landschaft veränderte.
Das finanzielle Fehlverhalten von City belief sich auf über 900 Millionen Pfund (etwas über eine Milliarde Euro). Richard Masters, Geschäftsführer der Premier League, erklärte, das Urteil zeige, dass City „fast ein Jahrzehnt lang systematisch gegen die Regeln der Premier League verstoßen hat. Dieses Disziplinarverfahren und diese Entscheidung sind die bedeutendsten in der Geschichte der Premier League.“
City drohen nun schwere Strafen. Ein massiver Punktabzug wäre die harmloseste, der Ausschluss aus der Premier League die härteste. Die englische Liga teilte mit, dass über das Strafmaß in einer separaten Anhörung durch die unabhängige Kommission entschieden werde. Ein Termin dafür wurde noch nicht genannt.
Vom Urteil „enttäuscht und überrascht“
Bislang hat Manchester jegliches Fehlverhalten bestritten. In einer ersten Stellungnahme erklärte der Verein, er sei von dem Urteil „enttäuscht und überrascht“. Der Klub kündigte an, gegen den Schuldspruch Berufung einzulegen und für die Wiederherstellung seines Rufs „unerbittlich“ zu kämpfen. Eine solche Berufung müsste bis Freitag eingelegt werden, teilte die Liga mit. Die Berufung könnte dann vor dem High Court in London landen.
In einem internen Video an die Mitarbeiter von City – das dem Sender Sky News vorliegt – ging Vereinschef Ferran Soriano ausführlich darauf ein, warum er das Urteil für falsch hielt. „Das zieht sich schon so lange hin, dass es wichtig ist, uns daran zu erinnern, dass der gesamte Fall der Premier League gegen uns auf einer einzigen falschen Anschuldigung beruht: Dass das private Geld des Eigentümers irgendwie heimlich über einige Sponsoren aus Abu Dhabi in den Verein geflossen sei“, sagte er. „Das ist schlichtweg nicht wahr. Der Kommission der Premier League wurden unwiderlegbare Beweise vorgelegt, die zeigen, dass dies nicht möglich war und dass es nicht geschehen ist.“
Die Premier League hatte das Verfahren vor mehr als drei Jahren eingeleitet; die Vorwürfe tauchten erstmals 2018 aufgrund durchgesickerter E-Mails und Dokumente des Vereins auf. City wurde eine Reihe von finanziellen Verstößen im Zeitraum von 2009 bis 2018 vorgeworfen – das war genau die Zeit, in der sich der Klub zu einer rekordbrechenden Supermacht des Fußballs wandelte, mehrere Premier-League-Titel und die Champions League gewann.
Zu den Verstößen gehörten die Nichtvorlage korrekter Finanzdaten und die Angabe überhöhter Zahlen für Sponsorenverträge aus Abu Dhabi, das Verschleiern von Zahlungen, sowie Verstöße gegen die von der Premier League und der Uefa festgelegten Finanzregeln, die darauf abzielen, die finanzielle Stabilität der Vereine zu gewährleisten, indem sie nicht über ihre Verhältnisse leben.
Pep Guardiola durfte sich in Manchester wie ein König fühlenCity habe zu keinem Zeitpunkt mit den Ermittlern kooperiert, hieß es von Seiten der Liga noch. „Eine unabhängige Kommission hat Manchester City in allen Anklagepunkten im Zusammenhang mit schwerwiegenden Verstößen gegen die Finanzregeln der Premier League über einen Zeitraum von neun Spielzeiten für schuldig befunden“, erklärte die Liga nun, „ebenso wie in den meisten Anklagepunkten bezüglich der mangelnden Kooperation bei den Ermittlungen der Liga.“
In Bezug auf die Sponsorenverträge erklärte die Liga, Manchester habe schloss ‚Scheinkontrakte‘ geschlossen und tatsächliche Vereinbarungen mit Sponsoren bewusst falsch dargestellt. Durch ‚Scheinvereinbarungen‘ habe der Klub seine Einnahmen künstlich aufgebläht und seine Kosten offiziell gesenkt. „Der Verein“, fügte die Liga hinzu, „reichte falsch dargestellte Jahresabschlüsse ein und verschleierte den wahren Stand seiner Finanzen vor seinen Wirtschaftsprüfern und den Fußball-Aufsichtsbehörden.“
Andere Vereine werden Entschädigungen fordern
Das Urteil vom Dienstagabend dürfte Auswirkungen auf den gesamten englischen Fußball haben,, fürchten Experten. Es werde eine Flut von Klagen rivalisierender Vereine auslösen, die Entschädigungen dafür fordern werden, dass sie durch das Vorgehen von City geschädigt wurden.
Natürlich stellt sich die Frage, ob Topstars wie Erling Haaland und Rayan Cherki beim Verein bleiben dürfen. Besitzer von City ist Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan. Er ist der stellvertretende Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate und ein Mitglied der Königsfamilie von Abu Dhabi. Er kaufte City 2008 und legte sich nach und nach weitere Vereine zu, darunter auch den New York City FC.
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