Der Moment war endlich gekommen. Die Bühne im Kurhaus Baden-Badens betrat eine Notarin, in ihrer Hand ein großer weißer Umschlag, der den alles entscheidenden Zettel enthielt. Auf ihm stand geschrieben, mit welchem Kandidaten sich Deutschland um die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewirbt: München oder KölnRheinRuhr.

Die Notarin übergab den Umschlag an Thomas Weikert, Präsident des DOSB. Weikert und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sollten sich die Aufgabe teilen: Der DOSB-Präsident öffnet den Umschlag, gibt Steinmeier den Zettel, der dann den Sieger verkündet. Weikert allerdings unterlief ein kleiner Fauxpas.

Er öffnete den Umschlag etwas ungeschickt, sodass der Name des Siegers von einigen aufmerksamen Zuschauern zu erkennen war. Ein leichtes Raunen ging durch den Saal. Moderatorin Esther Sedlaczek entging das nicht. „Oh!“, entfuhr es ihr. Dann witzelte sie: „Naja, da hat der ein oder andere vielleicht schon etwas gesehen.“

Der Moment vor der geplanten Verkündung: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet den Zettel mit dem Sieger. Moderatorin Esther Sedlaczek sieht das Unheil kommen

Steinmeier bemerkte es ebenfalls. Und versuchte erst gar nicht, so zu tun, als sei alles wie geplant gelaufen. Der 70-Jährige lächelte den Fauxpas weg, nahm den Zettel in die Hand und sagte dann: „Wer es eben nicht gesehen hat, dem sage ich es.“ Er machte eine Pause. „Sieger ist...“ Pause. „München.“

Kurios: Im Welt-Interview am Donnerstag war Weikert gefragt worden, ob er für das Öffnen vor der Verkündung noch proben müsse. Darauf hatte er geantwortet: „Seien Sie versichert, dass ich mit dem Bundespräsidenten vorher spreche und wir das abstimmen. Ich kenne ihn ganz gut, und wir werden das sicher ordentlich über die Bühne bringen.“

Nach der Panne sagte er in Baden-Baden zu „Bild“: „Gestern bei der Probe haben sie mir den Umschlag mit dem Gewinner noch andersherum gegeben. Ich habe dann heute gar nicht nachgeschaut. Live ist live.“

Söder: „Es ist eine historische Chance“

Den Jubel der Münchner, als Steinmeier dann auch offiziell den Sieger verkündete, schmälerte die kleine Panne kein Stück. „Die Freude ist unendlich“, sagte OB Dominik Krause. Und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte: „Die Kölner haben es uns ganz schön spannend und schwer gemacht. Ab jetzt heißt es: ganz hart arbeiten. Es ist eine historische Chance.“

Die Konkurrenz für München wird groß sein: Katar, Indien, Madrid, Istanbul, London und Budapest könnten ebenfalls ins Rennen gehen. „Wir wollen alles geben, damit wir am Ende gemeinschaftlich als Deutschland, als Partner für Nord, für Süd, für Ost und West, damit wir uns als ein Land präsentieren“, sagte Söder.

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