„Ein wahrer Gigant des Spiels“ – Trauer um den ersten Superstar der NBA
Der erste sogenannte MVP der NBA ist tot. Bob Pettit, ein beeindruckender Scorer und Rebounder der St. Louis Hawks (die nach dem Umzug von St. Louis nach Atlanta später Atlanta Hawks hießen) und Gewinner der ersten Auszeichnung als „Most Valuable Player“ der NBA im Jahr 1956, wurde 93 Jahre alt.
Pettits Alma Mater, die LSU, gab bekannt, dass der ehemalige Basketballstar am Mittwoch verstorben sei. Die Universität nannte keine Todesursache. Pettit war an der LSU „All-American“, bevor er in die NBA wechselte, wo er in jeder seiner elf Spielzeiten – alle bei den Hawks – zum All-Star gewählt wurde. Er führte das Team 1958 zum Meistertitel gegen die mächtigen Boston Celtics – dem einzigen Titel der Hawks.
Außerdem war er 1959 NBA-MVP und wurde viermal zum MVP des All-Star-Spiels gewählt – eine Leistung, die nur der große Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers ebenfalls vorweisen kann.
Pettit war eine Größe zu einer Zeit, als in der NBA Spieler wie Wilt Chamberlain, Bill Russell, Oscar Robertson und Elgin Baylor spielten. Doch dies war noch vor der Zeit, als die NBA in großem Umfang im Fernsehen übertragen wurde. Pettit, der in einem kleineren Markt spielte, blieb ein größeres Publikum verwehrt.
1970 wurde Pettit in Hall of Fame der NBA aufgenommen
Mit einer Größe von 2,06 Metern und einem Gewicht von 103 Kilo „sowie einem stark zurückweichenden Haaransatz“, wie es in einer Chronik hieß, war Pettit eine imposante Erscheinung auf der Position des Power Forwards, noch bevor diese Bezeichnung überhaupt zum Basketball-Vokabular gehörte. Er verpasste selten ein Spiel. Er spielte auch als Center und war einer der ersten großen Spieler, die nicht ausschließlich mit dem Rücken zum Korb agierten.
Pettit wurde 1955 zum „Rookie of the Year“ gekürt – im letzten Jahr, in dem die Hawks noch in Milwaukee spielten, bevor sie nach St. Louis umzogen. In der folgenden Saison wurde er zum MVP gewählt und führte die Liga mit 25,7 Punkten pro Spiel in der Scorerliste an. Auch 1959 war er mit 29,2 Punkten der beste Scorer der NBA.
Nach der Saison 1964/65 beendete er seine Karriere mit Durchschnittswerten von 26,4 Punkten und 16,2 Rebounds. Zu diesem Zeitpunkt war er der NBA-Rekordhalter für die meisten Karrierepunkte (20.880) und lag bei den Rebounds auf Platz zwei (12.849). Im Jahr 1970 wurde er in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame aufgenommen.
„Schlank, anmutig und stets in Topform – Bob Pettits Körperbau machte ihn zu einem der ersten großen Spieler, die mit dem Gesicht zum Korb spielten“, heißt es in Pettits biografischem Profil in der Hall of Fame. „Doch es war Pettits Entschlossenheit, die ihn von seinen Mitspielern abhob; er ließ sich einfach nicht übertrumpfen. Er war ein wahrer Gigant des Spiels.“
Robert Lee Pettit Jr. wurde am 12. Dezember 1932 in Baton Rouge, Louisiana, geboren. Sein Vater war bei der Polizei tätig und fungierte als Sheriff von East Baton Rouge Parish. Pettit war ein Spätentwickler im Basketball und schaffte es erst in seiner Junior-Saison in die Schulmannschaft der Baton Rouge High School.
In seinem Abschlussjahr führte er Baton Rouge zum Staatsmeistertitel und erhielt schließlich mehr als ein Dutzend Angebote von Colleges. Er entschied sich dafür, in seiner Heimat zu bleiben, und glänzte bereits in seinem zweiten Studienjahr an der LSU – zu einer Zeit, als Spieler erst dann in die erste Mannschaft aufgenommen werden durften.
Pettits Pech war die Dominanz der Boston Celtics
In allen drei Spielzeiten führte er die Southeastern Conference in der Punktewertung an, mit Durchschnittswerten von 25,5 Punkten im zweiten Studienjahr, 24,9 im dritten und 31,4 im Abschlussjahr.
Pettit ist einer von nur drei LSU-Spielern – neben Pete Maravich und Shaquille O’Neal –, die einen Platz in der Hall of Fame erhalten haben. Vor der Heimspielstätte der LSU, dem Pete Maravich Assembly Center, stehen Bronzestatuen von Pettit und O’Neal. Seine Rückennummer 50 wird von der LSU, seine Nummer 9 von den Atlanta Hawks nicht mehr vergeben.
„Wir sind dankbar für seine Beiträge zu unserem Verein und zur Basketballgeschichte“, erklärten die Hawks in einer Stellungnahme. „Sein zurückgezogenes Trikot mit der Nummer 9 hängt weiterhin stolz in der State Farm Arena als bleibende Erinnerung an den Einfluss, den er auf unsere Organisation hatte. Wir sprechen Bobs Familie, Freunden und Angehörigen in dieser schweren Zeit unser tiefstes Beileid aus. Wir schließen uns zudem der gesamten Basketballwelt an, um ein bemerkenswertes Leben und Vermächtnis zu würdigen, das niemals in Vergessenheit geraten wird.“
Pettit (rechts) 1960 im Spiel gegen die Los Angeles Lakers. Tom Hawkins versucht, einen Wurf von ihm zu blockenPettits Unglück war, dass der größte Teil seiner Karriere mit einer Serie von Meisterschaften der Boston Celtics zusammenfiel, die bis heute als eine der dominierendsten Phasen in der Geschichte des amerikanischen Profisports gilt.
Pettit fehlten nur zwei Siege dazu, dreimaliger NBA-Meister zu werden. Pettits Hawks erreichten viermal das Finale, jedes Mal gegen Boston, und verloren zweimal in sieben Spielen.
Das erste Aufeinandertreffen, das Boston 1957 für sich entschied, ging in Spiel 7 bis in die doppelte Verlängerung. Das zweite endete mit einem Meistertitel für die Hawks, die damit Bostons Serie von neun Titeln in zehn Spielzeiten unterbrachen. Die Hawks unterlagen den Celtics in den NBA-Finals außerdem 1960 (in sieben Spielen) und 1961 (in fünf Spielen).
Nach seinem Rücktritt vom Basketball zog sich Pettit in seine Heimatstadt Baton Rouge zurück und arbeitete im Bankwesen sowie in der Finanzberatung. In seinen letzten Jahren war er regelmäßig bei den Spielen der LSU und der New Orleans Pelicans zu sehen.
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