„Leroy Sané würde ich jeden Tag wachrütteln“
Früher hatte er die schillerndste Spielerfrau der Bundesliga, heute ist er selbst „Spielerin-Mann“: Der langjährige HSV-Profi und Spieler der niederländischen Nationalmannschaft Rafael van der Vaart (43) spricht im Podcast „Phrasenmäher“ über sein neues Leben mit der ehemaligen Weltklasse-Handballerin Estavana Polman (34), seine Beziehung zu Ex-Frau Sylvie (48) und den Länderspiel-Kracher zwischen Deutschland und Holland in Amsterdam.
Van der Vaart über ...
... die Frage, ob es ein Vorteil ist, dass Estavana auch Profisportlerin war: „Ja, wir verstehen einander genau. Ich habe jetzt schon vor sieben, acht Jahren meine Karriere beendet und kann ihr jetzt gut helfen, ins neue Leben zu finden. Sie ist eine Top-Frau, eine Top-Mutter und macht es sehr, sehr gut.“
... sein Leben in den vergangenen Jahren an der Seite einer Profisportlerin. Polman beendete in diesem Sommer ihre Karriere: „Ich bin jetzt Spielerin-Mann. Und das macht mich sehr glücklich. Wenn Estavana zweimal Training hatte, bin ich morgens früh aufgestanden, habe Frühstück für alle gemacht. Ich kann mittlerweile auch sehr gut kochen und mache das gern. Mein bestes Gericht ist eine surinamische Pasta mit Hack und meiner Spezial-Soße – das lieben alle.“
Estavana Polman bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris... Dinge, die ihn heute so glücklich machen wie ein Tor im Volkspark früher: „Ich finde das Leben heute schöner und kann auch mehr genießen. Aber dieses Gefühl, vor 57.000 Leuten in Hamburg oder im ausverkauften Bernabeu in Madrid ein Tor zu schießen und dann für ein paar Sekunden zu denken, dass man der Beste der Welt ist – das kann man nicht ersetzen.“
... das Tor, nach dem er am glücklichsten war: „Nach einem Hattrick im Bernabeu. Das ist Next Level!“ (geschehen am 24. September 2008 beim 7:1 gegen Sporting Gijon, Anm. d. Red.)
... das Gefühl, nicht mehr permanent im Rampenlicht zu stehen, gerade auch nach der Trennung von Sylvie: „Ich habe das alles auch damals nicht gebraucht, aber es gehörte dazu. Ich habe dadurch auch viel gelernt, und es gehört zu meinem Leben, aber heute bin ich überglücklich, das nicht mehr zu haben. Ich bin jetzt 43 und habe gemerkt: Diese Ruhe zu haben, fühlt sich viel besser an als das Blitzlichtgewitter. Dieses Leben finde ich viel schöner.“
... die Frage, ob sein Sohn Damian (20), der bei Ajax Amsterdam in der zweiten Mannschaft als zentraler Mittelfeldspieler spielt, eher Deutschland oder den Niederlanden helfen könnte: „Deutschland! Wobei – nein, eher Holland. Damian ist in vielen Dingen typisch deutsch. Wenn um 12 Uhr Treffen ist, ist er um 11 Uhr da. Sein rechter Fuß ist fast besser als mein linker damals, er kann fast so schießen wie David Beckham. Aber sein linker Fuß ist so schlecht wie mein rechter damals.“
... den deutschen Nationalspieler, den er gern für die Niederlande einbürgern würde: „Leroy Sané! Und dann würde ich ihn als Co-Trainer jeden Tag wachrütteln. Der Junge hat die Qualität von Kylian Mbappé, aber am Ende kommt es nicht raus, und das macht mich ab und zu fast böse. Man denkt dann: Er spielt wie ein Weichei, dabei hat er so viel Potenzial.“
... die Frage, ob er den neuen Nationaltrainer Xavi oder lieber Jürgen Klopp gehabt hätte: „Xavi war schon eine Überraschung, aber ich glaube, dass es gut klappen kann, denn er versteht die Johan-Cruyff-Schule aus Barcelona. Ich bin auch froh, dass Klopp jetzt Deutschland-Trainer ist. Mit 59 hat er das perfekte Alter, um Bundestrainer zu sein. Auf jeder Pressekonferenz mit ihm passiert etwas. Das liebe ich! Denn: Die größte Qualität, die ein Trainer haben kann, ist es, dass die Spieler für dich durchs Feuer gehen – und das haben alle Spieler immer bei allen Vereinen für ihn gemacht.“
... den Trainer, für den er durchs Feuer gegangen ist: „Thomas Doll! Er hatte so viel Energie und hat mich von der ersten Minute an gefesselt. Beim ersten Treffen holte er einen Zettel raus und sagte: ‚Hier spielt Barbarez, da Lauth und dahinter du – und du kannst machen, was du willst.‘ Das fand ich natürlich super!“
... die 230 Euro, die er wegen Doll mal für eine Taxifahrt zahlen musste. Nach einem Trainingslager in Going bei Kitzbühel hatte van der Vaart mit Boulahrouz und Ersatzkeeper Kirschstein die Abfahrt verpennt: „Ich kam viel zu spät, die Arschlöcher sind ohne uns losgefahren und ich dachte nur: Dolly, du lässt deinen besten Spieler hier stehen? Was ist denn hier los?“ Am Ende hatte die Erziehung aber Wirkung – zu spät zum Bus kam van der Vaart nicht mehr.
... die Traineransprache, die er niemals vergessen wird: „José Mourinho hat in seiner ersten Besprechung bei Real Madrid vor Stars wie Kaka, Benzema oder Ronaldo gesagt: ‚Wenn Ihr einfach macht, was ich sage, verlieren wir kein Spiel.‘ Das fand ich geil!“
... über seinen Job als TV-Experte. Van der Vaart sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Beispiel: Über Virgil van Dijk sagte er während der WM: „Er wendet im Zweikampf wie eine Boeing 747.“ Danach gab es sogar Kritik von Jürgen Klopp: „Fernsehen soll ja schon ein bisschen unterhalten und locker sein. In Deutschland nimmt man das immer sehr ernst. Früher haben wir über Basti Reinhardt beim HSV auch mal gesagt: „Du drehst dich im Zweikampf so schnell wie die Queen Mary 2.“ Das meine ich nie so böse, wie es klingt. Und dass Klopp Virgil verteidigt, ist doch klar – er ist wie ein Sohn für ihn, und das mag ich auch. Und wenn einer immer wieder positiv über ihn spricht, bin ich das. In Holland gibt es ja eine große Diskussion, ob er beim Neustart der Nationalelf noch dabei sein soll. Aber ich sage: Ich finde ihn viel besser als Jan Paul van Hecke, für den Tottenham 60 Millionen Euro gezahlt hat, und daher ist es richtig, dass Xavi ihn nominiert hat.“
... über seinen Marktwert, wenn er heute Spieler wäre: „Ich würde sagen: 150 Millionen Euro, aber dann bin ich wieder das arrogante Arschloch (lacht).“
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