HSV hält trotz Niederlagenserie an Coach Polzin fest und plant Vertragsverlängerung
Beim Hamburger SV könnten die Vorzeichen kaum widersprüchlicher sein. Einerseits ist der Bundesliga-Rückkehrer mit drei Niederlagen aus den ersten drei Spielen in die Saison gestartet, hat noch kein Tor erzielt und bereits zwölf Gegentreffer kassiert. Andererseits steht Trainer Merlin Polzin unmittelbar vor einer Vertragsverlängerung.
Sportvorständin Kathleen Krüger machte vor dem Auswärtsspiel bei RB Leipzig deutlich, dass der Verein unabhängig von den aktuellen Ergebnissen an seinem Cheftrainer festhält. „Wir wissen, dass wir gemeinsam in die Zukunft gehen werden“, sagte die 41-Jährige bei DAZN. Grundsätzliche Einigkeit sei bereits erzielt, lediglich einige Details seien noch zu klären.
Die Aussage hat Signalwirkung. Nach dem 0:5 in Leipzig und dem zuvor ebenfalls deutlichen 0:5 gegen Mainz hätte der Fehlstart die Diskussion über die Zukunft des Trainers eigentlich befeuern können. Doch beim HSV ist davon bislang nichts zu spüren. „Wir im Team wissen, was wir aneinander haben“, sagte Krüger und betonte, im Vereinsumfeld keine Unruhe wahrzunehmen.
Auch Polzin selbst zeigte sich zuletzt gelassen. „Da muss sich keiner Sorgen machen um mich, um meine Gedanken oder um irgendwelche anderen Sachen“, sagte der 35-Jährige. Der Trainer verwies darauf, dass in den vergangenen Jahren gemeinsam etwas aufgebaut worden sei. Nach Informationen der „Bild“ sollen Polzin und sein Trainerteam mit Loic Favé, Richard Krohn und Max Bergmann sogar bis 2029 gebunden werden.
Dabei spricht die aktuelle Bilanz zunächst gegen den HSV. Nach drei Spieltagen steht der Traditionsclub ohne Punktgewinn am Tabellenende. In Leipzig offenbarte die Mannschaft erneut große defensive Probleme. Besonders nach dem dritten Gegentor brach das Team förmlich auseinander und kassierte binnen weniger Minuten weitere Treffer. „Das 3:0 hat uns den Stecker gezogen“, sagte Torwart Daniel Heuer Fernandes nach der Partie. „Es darf uns einfach nicht passieren, dass wir wieder fünf Tore kriegen.“ Auch Sportdirektor Claus Costa kritisierte die Phase, in der die Hamburger innerhalb kürzester Zeit drei Gegentreffer hinnehmen mussten.
Polzin sieht weiter Fortschritt
Polzin wollte den Blick dennoch auf die Fortschritte lenken. Anders als beim Debakel gegen Mainz habe seine Mannschaft diesmal zumindest Ansätze gezeigt. Nach einer schwachen ersten Halbzeit erspielte sich der HSV nach dem Seitenwechsel mehrere gute Chancen. Lediglich die Konsequenz vor dem Tor fehlte. „Da musst du hier definitiv mehr herausholen“, sagte der Trainer. Anstatt einzelne Spieler für die zahlreichen Fehler verantwortlich zu machen, setzt Polzin auf Geschlossenheit. „Du kommst aus dieser Phase nur heraus, wenn du zusammenstehst und nicht versuchst, die Schuld beim Nebenmann zu suchen“, erklärte er.
Die Rückendeckung der Vereinsführung dürfte ihm dabei helfen. Schließlich war Polzin Ende 2024 vom Assistenten zum Cheftrainer aufgestiegen, führte den HSV im Mai 2025 zurück in die Bundesliga und schaffte in der vergangenen Saison souverän den Klassenverbleib. Die Verantwortlichen scheinen überzeugt zu sein, dass der Weg mit dem erfolgreichen Aufstiegstrainer trotz des aktuellen Fehlstarts weitergehen soll.
Dass ausgerechnet in der wohl schwierigsten Phase der bisherigen Bundesliga-Saison die Vertragsverlängerung näher rückt, ist deshalb vor allem ein Zeichen des Vertrauens. Beim HSV glaubt man offenbar, dass die Krise mit Merlin Polzin überwunden werden kann – und nicht ohne ihn. In vielen Fan-Foren überwiegt hingegen die Skepsis.
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