„Super Zeichen“ – Souveräner Zverev stellt einen Rekord von Boris Becker ein
Ungläubig zeigte Alexander Zverev auf seine Uhr am linken Handgelenk. Erstmals bei diesen US Open beendete der Topfavorit sein Abendmatch vor Mitternacht und stellte mit dem souveränen Viertelfinaleinzug seine Titelform unter Beweis. „Ich weiß nicht, was ich mit mir anfangen soll. Ich könnte auf den Trainingsplatz oder in eine Bar gehen“, sagte Zverev nach dem 6:2, 6:2, 7:6 (7:3) über den Italiener Luciano Darderi im Siegerinterview und beschwichtigte die johlenden Zuschauer: „Leider war das ein Scherz, entspannt euch!“
Statt nach ein oder sogar zwei Uhr wie bei den vorigen drei Siegen verwandelte Zverev seinen Matchball im Arthur Ashe Stadium nach 2:30 Stunden nun schon um 23.47 Uhr. „Luciano hat einen fast perfekten dritten Satz gespielt und ich habe ihn trotzdem gewonnen“, schwärmte Zverev über seine Vorstellung. „Das ist für mich ein super Zeichen.“
Auch der weitere Weg durchs Turnier dürfte dem French-Open-Sieger gefallen. Sowohl Viertelfinalgegner Botic van de Zandschulp aus den Niederlanden als auch die potenziellen Halbfinalkontrahenten Karen Chatschanow aus Russland und der Belgier Alexander Blockx sind krasse Außenseiter. Erst im Finale am Sonntag könnte ein großer Name wie der Spanier Carlos Alcaraz warten.
Mit präzisen Schlägen ließ Zverev seinem Gegner keine ChanceDie Frage nach der Anfangszeit des Endspiels erwischte ihn jedoch auf dem falschen Fuß. „Ist das Finale um 14.00 Uhr?“, gab Zverev erstaunt auf die Frage zurück, ob er sich angesichts des Spiels um den Titel am frühen Nachmittag nicht auch mal vorher einen früheren Auftritt wünschen würde. „Wenn ich jedes Mal bis 2.00 Uhr morgens spiele, ist es schwierig in einen Rhythmus zu kommen, wo man früh spielt. Bis zum Finale habe ich noch ein paar Matches.“
Auch Zverevs Viertelfinale ist in der Nightsession
Das Viertelfinale gegen van de Zandschulp werde am Mittwoch wieder in der sogenannten Nightsession von New York stattfinden, äußerte Zverev und setzt darauf, dass er diesen Wunsch erneut von der Turnierleitung erfüllt bekommt. Das Arthur Ashe Stadium unter Flutlicht und der Hamburger – das scheint dieses Jahr eine ganz besondere Verbindung zu sein.
„Das ist zwar nicht mein Court“, sagte Zverev mit Verweis auf die Legenden Roger Federer und Pete Sampras, die im größten Tennisstadion der Welt zusammen zehn Titel gewonnen haben: „Aber es fühlt sich so an, als ob ich diesen Platz von elf bis zwei Uhr gemietet habe.“
Zverev setzt in New York seine starke Saison fort: Halbfinale bei den Australian Open, erster Titel bei den French Open, Endspielniederlage in Wimbledon, nun das Viertelfinale. Insgesamt feierte er seinen 22. Sieg der Saison bei einem Grand-Slam-Turnier und stellte damit den deutschen Rekord von Boris Becker aus dem 1989 ein. Erstmals überhaupt in seiner Karriere hat Zverev in allen vier großen Turnieren eines Jahres die Runde der besten Acht erreicht.
Kraft für nächste Aufgaben gespart
Der Hamburger geht nun auch als großer Favorit in das Duell mit van de Zandschulp. Der Weltranglisten-70. gewann gegen den Franzosen Arthur Gea in fünf Sätzen. Auch in der vorigen Runde war van de Zandschulp über die komplette Distanz gegangen und dürfte am Mittwoch entsprechend ausgelaugt sein. „Ich kann noch stehen“, sagte der Niederländer im Siegerinterview stöhnend.
Auch Zverev hatte für seine ersten beiden Siege in diesem Turnier jeweils fünf Sätze und insgesamt neuneinhalb Stunden gebraucht. Doch inzwischen präsentiert sich der physisch starke Weltranglistenzweite bestens davon erholt und sparte erneut wichtige Kräfte für die weiteren Aufgaben.
Im Achtelfinale erwischte Zverev einen perfekten Start. Mit beinahe makellosem Tennis dominierte er den Weltranglisten-22. Darderi, nahm ihm zweimal den Aufschlag ab und führte nach einer guten Viertelstunde mit 4:0.
In Rom noch Niederlage gegen Darderi
Sein italienischer Gegner hatte zwar bereits im Vorjahr die dritte Runde der US Open erreicht. Bei nun insgesamt fünf Siegen in New York hatte er allerdings noch nie einen Spieler aus den Top 100 der Weltrangliste geschlagen. Dass Darderi trotzdem gefährlich sein kann, erlebte Zverev diese Saison allerdings schon selbst. Beim Masters in Rom hatte der Hamburger bereits vier Matchbälle, musste sich dann allerdings mit einem 0:6 im dritten Satz geschlagen geben. Danach hatte er berichtet, krank gewesen zu sein.
Nun ließ sich Zverev nicht vom Erfolgsweg abbringen. Souverän wehrte er im letzten Aufschlagspiel noch einen Breakball ab und holte sich den ersten Satz. Drei Viertel seiner ersten Aufschläge fanden den Weg ins Ziel, Sandplatzspezialist Darderi kam damit kaum ins Spiel.
Und auch im zweiten Durchgang blieb Zverev von Beginn an dran und hatte keine Probleme. Doch Darderi gab nicht auf und feierte im dritten Satz fast jeden Punktgewinn mit der Faust. Erstmals erhielt Zverev echte Gegenwehr, setzte sich aber im Tiebreak nervenstark durch.
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