Nation gewechselt – Warum dieser 20-Jährige jetzt für Deutschland spielen darf
Louey Ben Farhat gilt als eines der größten Talente in den Reihen des Karlsruher SC. Auf sechs Tore und zwei Vorlagen ist er in der Vorsaison gekommen, weshalb auch Tunesiens Nationaltrainer Sabri Lamouchi den Senkrechtstarter aus der zweiten Liga nur allzu gern bei der Weltmeisterschaft dabeigehabt hätte. Doch dazu kam es nicht.
„Heute Morgen hat mich Louey Ben Farhats Vater angerufen. Er sagte mir, es sei zu früh, ihn in die Auswahl aufzunehmen, und lehnte ab. Ich war schockiert“, erklärte Lamouchi drei Wochen vor dem Start des globalen Kräftemessens. „Ich habe Louey angerufen, aber er ging nicht ran. Ich habe seinen Vater erneut angerufen, aber auch er ging nicht ran.“ Dieses Verhalten missfiel dem Trainer: „Das ist respektlos. Die Sache ist erledigt.“
Nun könnte der wahre Grund für die Boykotthaltung des in Waiblingen geborenen Offensivspielers und die seines aus Tunesien stammenden Vaters ans Licht gekommen sein. Denn am Montagabend erklärte Ben Farhat, in Zukunft für die deutsche Nationalmannschaft spielen zu wollen. Der Wechsel vom tunesischen Verband zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) soll zeitnah abgeschlossen werden, bestätigten mehrere Quellen aus dem Umfeld des Spielers der dpa.
Nun ein Mann für Klopp?
Bisher lief der 20 Jahre alte Profi zweimal für Tunesiens A-Nationalmannschaft auf: im Frühjahr gegen Haiti und Kanada. Entgegen früheren Regelungen ist er damit aber nicht mehr festgespielt für eine Nation.
Ben Farhat (l.) in seinem zweiten und bislang letzten Länderspiel für Tunesien gegen KanadaIm Jahr 2020 hat der Weltverband Fifa die Bestimmungen ein wenig gelockert. Folgende Regelungen gelten seither für den Wunsch nach einem Nationenwechsel:
- Der Spieler hat für seinen bisherigen Verband nicht mehr als drei Spiele (Pflicht- und Testspiele) bestritten.
- Der Spieler hat während seiner Länderspieleinsätze seinen 21. Geburtstag noch nicht vollendet.
- Der Spieler hat für seinen bisherigen Verband nicht an einer kontinentalen Endrunde oder Weltmeisterschaft teilgenommen.
- Der letzte Länderspieleinsatz des Spielers liegt drei oder mehr Jahre zurück.
- Der Spieler muss die Staatsbürgerschaft des neuen Verbands bereits besessen haben, als er für seinen bisherigen Verband aktiv war.
Davon könnte jetzt auch Ben Farhat, der seinen Verzicht auf die WM-Teilnahme mit Tunesien damit begründet hatte, er müsse sich von den Folgen eines im August 2025 zugezogenen Mittelfußbruchs erholen, profitieren. Bei einem WM-Einsatz für Tunesien wäre er nicht mehr für die Elf von Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp spielberechtigt gewesen.
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