Der dramatische Saisonstart wird für HSV-Trainer Polzin gefährlich
Um die historische Pleite einzuordnen, seien ein paar Zahlen genannt. Das 0:5 des Hamburger SV am Sonntagnachmittag gegen den 1. FSV Mainz 05 ist die Einstellung eines Negativrekords. Erst dreimal gab es zuvor eine derartige Abreibung daheim: 2018 in der zweiten Liga gegen Regensburg, 1980 im Uefa-Cup gegen AS St. Etienne und 1974 gegen den Fußball-Rekordmeister FC Bayern.
Nach dem neuesten Debakel im eigenen Stadion ziert der seit 1887 bestehende Verein mit null Punkten und 0:7 Toren jetzt das Tabellenende. Noch weitaus dramatischer als die Zwischenbilanz nach zwei Partien aber waren die in beiden Spielen dargebotenen Leistungen. Sowohl beim 0:2 zum Saisonstart in Dortmund als auch danach gegen Mainz gelang dem HSV im Spiel nach vorn so gut wie gar nichts. 0:12 Chancen verzeichnete der „Kicker“ nach dem Duell mit Mainz, vorher waren es beim BVB 4:9 gewesen. In beiden Partien schaffte das Team von Trainer Merlin Polzin während der ersten Halbzeit noch nicht einmal einen Schuss auf das gegnerische Tor.
Während die Harmlosigkeit gegen Dortmund noch eingepreist war, überraschte der desolate Auftritt gegen Mainz allerdings komplett. Zumal dort alle Spieler, die dank großer Investitionen geholt worden waren, mitwirken konnten. Der für acht Millionen Euro Ablöse am Deadline Day verpflichtete Rechtsverteidiger Zakaria El Ouahdi spielte ebenso von Beginn an wie der am gleichen Tag von den Wolverhampton Wanderers ausgeliehene Linksverteidiger David Möller Wolfe.
Und der für neun Millionen Euro am letzten Tag des Transfersommers zurückgeholte Fanliebling Fabio Vieira kam zur Halbzeit in die Begegnung. Aber auch mit dem Spielgestalter, der schon in der Vorsaison von Arsenal ausgeliehen worden war und mit zwölf Scorerpunkten erheblich zum Klassenverbleib im ersten Jahr nach dem Aufstieg beigetragen hatte, wurde es nicht besser.
„So hat kein Gegner in der Bundesliga Probleme gegen uns“
Neben einer löchrigen und fehlerhaften Abwehr präsentierte sich der HSV nach vorn wie ein Ensemble, das nicht zueinanderpasst. So habe kein Gegner in der Bundesliga Probleme gegen den HSV, musste Polzin hinterher frustriert eingestehen. Sollte er nicht rasch mit den Seinen den Turnaround schaffen, kann es ungemütlich werden für den Coach, dessen bis zum Sommer 2027 laufender Vertrag von der neuen Sportvorständin Kathleen Krüger noch immer nicht verlängert wurde.
Dass Polzin Krisen bewältigen kann, hat er schon mehrfach bewiesen. Er führte den HSV trotz einiger Rückschläge im Frühjahr 2025 einige Wochen später zum lang ersehnten Aufstieg. Und nach einem ähnlich miesen Saisonstart wie der aktuelle mit 0:7 Toren und nur einem Zähler aus den ersten drei Partien schaffte er es, mit der Mannschaft anschließend verlässlich so zu punkten, dass der Klub nie mehr richtig in Abstiegsgefahr geriet.
Eine Wiederholung der Geschichte ist nun gefragt: Denn bis auf den kaum zu kompensierenden Verlust von Abwehrchef Luka Vuskovic ist die aktuelle Mannschaft nach den Großinvestitionen in Höhe von 31,1 Millionen Euro auf dem Transfermarkt weitaus stärker als die Auswahl der Spielzeit 2025/26.
Der Königstransfer des Sommers: Fabio VieiraDer Kredit in der Stadt, beim Verein und bei den Fans ist zwar riesig für den gebürtigen Hamburger. Aber sollte in den nächsten beiden Spielen vor der Länderspielpause in Leipzig und daheim gegen Köln nichts Zählbares herausspringen, könnten die Gesetzmäßigkeiten der Branche auch beim beliebten Trainer greifen.
Sportdirektor Claus Costa ist mit seinen (vielfach gefeierten) Deals auf dem Transfermarkt in Vorleistung gegangen und hat dem Coach eine Mannschaft zusammengestellt, die mindestens im gesicherten Mittelfeld einlaufen sollte. An Polzin, der früher als Fan in der HSV-Kurve stand, liegt es jetzt, daraus eine funktionierende Mannschaft zu entwickeln. Und zwar genauso schnell wie vor einem Jahr.
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