„Erst wenn jemand stirbt“ – Bobic fordert radikale Maßnahmen nach Skandalderby
Das Skandalderby von Mannheim hallt noch immer nach. Nach einem Platzsturm, Pyrotechnik und dem Einsatz von rund 1.400 Polizeibeamten beim DFB-Pokalspiel zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern (0:1) rückte der sportliche Erfolg in den Hintergrund.
Die Partie stand kurz vor dem Abbruch, konnte erst nach einer knapp halbstündigen Unterbrechung fortgesetzt werden. Auf die Frage, was passieren müsse, damit endlich mal ein Spiel abgebrochen wird, fand der langjährige Bundesliga-Manager Fredi Bobic am Sonntag als Gast in der „Bild“-Sendung „Lage der Liga“ sehr deutliche Worte. „Es muss erst jemand sterben. Ganz einfach. Es ist hart. Aber die Wahrheit ist auch hart. Ich sage das nicht gern, ich wünsche es natürlich keinem. Wenn das weiter so eskaliert und weiter so ausartet, wenn man diese Bilder gesehen hat – das hat ja mit Fußball nichts mehr zu tun.“
Der 54 Jahre alte Bobic, der seit 2025 bei Legia Warschau arbeitet, war zuvor beim VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt und Hertha BSC tätig. „Ich habe kein Problem, eine gewisse Fan-Kultur zu akzeptieren“, fuhr Bobic am Sonntag fort: „Wenn ab und zu mal ein paar Bengalos angehen – alles in Ordnung. Aber Leuchtraketen irgendwo reinschießen, Polizei auf dem Rasen mit Pferden, Jagdszenen, spezielle Gruppierungen, die über den Zaun springen, das haben wir auch bei Dresden gegen Berlin gehabt im letzten Jahr – solche Bilder will kein Mensch sehen.“
35 verletzte Beamte, 85 Personen medizinisch versorgt
Nach Angaben der Polizei wurden bei den Ausschreitungen 35 Beamte leicht verletzt. 85 Personen mussten medizinisch versorgt werden, acht kamen zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus.
Das Skandal-Match wird auch den DFB noch beschäftigen. Den beteiligten Klubs drohen harte Strafen. Bobic reicht das nicht. Er fordert: „So ein Spiel darf nicht weitergespielt werden.“ Und: „Schmeißt beide aus dem DFB-Pokal raus. Beide. Und beide kriegen keinen Cent. Das ist hart für die Vereine, weiß ich genau. Aber anders kannst du es nicht schaffen. Du musst konsequent sein. Was sind schon Geldstrafen?“
Fredi Bobic (r.), hier im Gespräch mit BVB-Coach Niko Kovac, arbeitet seit 2025 für Legia WarschauAuch die Politik hat auf das Skandalspiel reagiert. Der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) sagte: „Wer den Fußball als Bühne für Gewaltexzesse missbraucht, andere Fans mit Absicht in Gefahr bringt und vor allem auch Sicherheitskräfte verletzt, ist kein Fan, sondern ein Krimineller.“
Bobic glaubt, dass es Konsequenzen geben wird, bei denen womöglich die Falschen bestraft werden: „Irgendwann wird es harte Beschlüsse geben – und die wirkliche, echte Fankultur wird darunter leiden.“
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