Multi-Millionen-Deal – Kaufen die Bayern jetzt den nächsten Harry Kane?
Beim FC Bayern kommt es wohl zu einem 250-Millionen-Deal. Der deutsche Fußball-Rekordmeister steht wohl vor dem Verkauf der letzten noch nicht vergebenen fünf Prozent seiner Bayern München AG an den deutschen Weltkonzern Viessmann. Das berichteten zuerst die „tz“ und der „Münchner Merkur“. Demnach sollen die Bayern dafür rund 250 Millionen Euro erhalten.
WELT beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Multi-Millionen-Geschäft.
Wer ist Viessmann?
Viessmann ist ein hessisches Traditionsunternehmen, das bis 2023 im Hauptgeschäft Heiztechnikprodukte herstellte. 2023 verkaufte man seine Klimatechniksparte (Viessmann Climate Solutions) für rund zwölf Milliarden Euro an den US-Konzern Carrier Global. Das Heiztechnik-Unternehmen arbeitet bereits seit 2018 mit dem FC Bayern zusammen.
Viessmann ist seit der Saison 2021/22 auch Partner der Bayern-Frauen. Diese Zusammenarbeit des FC Bayern mit Viessmann wurde erst im vergangenen Februar vorzeitig bis 2029 verlängert. Max Viessmann ist seit diesem Jahr im Verwaltungsbeirat des FCB e.V.
Viessmann-CEO Max Viessmann (r.) 2022 mit dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)Was macht Bayern mit dem Geld?
Ein Teil wird sicher für die drei aktuellen Baustellen verwendet: die Umgestaltung der Säbener Straße inklusive neuem Trainingsplatz, den Umbau des Sportparks Unterhaching inklusive Top-Leistungszentrum für die Frauen, dazu Umbauten am Campus.
Das Geld wird nicht sofort komplett ausgegeben, gibt Bayern aber mehr Flexibilität. Und es ist auch ein Zeichen an Trainer Vincent Kompany und abwanderungswillige Stars wie Michael Olise: Bayern wird auch in den nächsten Jahren ganz klar ein gewichtiges Wort bei der Vergabe des Champions-League-Titels mitreden.
Gibt es jetzt Fan-Ärger?
Möglich, dass nicht alle mit der Entscheidung glücklich sind – schon bei der Jahreshauptversammlung 2021 war der Verkauf weiterer Anteile großes Thema. Das als Katar-Kritiker bekannt gewordene Mitglied Michael Ott stellte sogar einen Antrag, dass das Tafelsilber des Klubs geschützt bleibt und der e. V. seine Sperrminorität niemals unter 75 Prozent senken darf.
Das Ergebnis: Der Antrag verfehlte nur knapp die notwendige Mehrheit der anwesenden Mitglieder. Sonst wäre ein Verkauf weiterer Anteile jetzt nicht möglich gewesen.
Kauft Bayern nun den nächsten Harry Kane?
Nein, Bayern wird das Geld nicht sofort in Spieler investieren, das Thema Zugänge ist für dieses Jahr weitgehend beendet. Aber mit dem Geld könnte Bayern in Zukunft deutlich eher auch mal einen 150-Millionen-Transfer stemmen.
Steigen jetzt die Gehälter beim FC Bayern?
Nein, Bayern versucht weiter, das Gehaltsniveau zu senken. Dennoch gibt der Deal natürlich mehr Möglichkeiten, einem Topstar wie Olise auch mal ein absolutes Mega-Gehalt zu zahlen.
Gibt Borussia Dortmund jetzt auf?
Klar ist: Von so einem Deal können Borussia Dortmund, RB Leipzig oder Bayer Leverkusen nur träumen, Bayerns Nummer-1-Status wird dadurch noch mehr gefestigt – und es ist kaum vorstellbar, wie irgendwer anders als Krösus Bayern in den nächsten Jahren Meister werden soll. Für Fans, die sich mehr Spannung im deutschen Fußball wünschen, ist es ein Schlag ins Gesicht.
Einen Monat nach dem frühen WM-Aus hat der DFB Jürgen Klopp zum neuen Bundestrainer ernannt. „Ich hoffe sehr, dass das für den deutschen Fußball wieder der erste Schritt nach oben war“, sagt Sportjournalistin Valentina Maceri.Geht das Geld auf das Festgeldkonto?
Nein, das sagenumwobene Festgeldkonto gibt es ohnehin nicht als klassisches Konto, wie es Oma Lisbeth hat. Es ist eher ein ideeller Wert im Sinne von: So flüssig ist Bayern. Uli Hoeneß hatte in WELT AM SONNTAG kürzlich mal Sorgen ums Festgeldkonto geäußert, die muss er jetzt sicher erst mal nicht mehr haben.
Warum ist Bayern fünf Milliarden Euro wert?
Fünf Prozent für 250 Millionen machen einen Schätzwert des Klubs von rund fünf Milliarden. Vor zwölf Jahren war der Verein beim Verkauf der Aktie an Allianz noch 1,32 Millionen wert. Durch viele Titel, Verkaufserlöse, Fernseheinnahmen und Werbedeals ist der Wert des Klubs in die Höhe geschossen und hat sich im Vergleich zu früher beinahe verfünffacht.
Können Audi & Co. ihre Anteile einfach verkaufen?
Immer wieder gab es Gerüchte um einen Ausstieg von Audi aufgrund von Problemen im Unternehmen und bei Muttergesellschaft VW. Aktuell ist das kein Thema, aber auch nicht völlig ausgeschlossen. BMW stand schon einmal kurz vor einem Einstieg.
Kann Bayern bei Palhinha & Co noch hart bleiben?
Mittelfeldprofi João Palhinha und weitere Profis sollen den Münchner Klub verlassen. Wenn ganz Europa vom neuen Deal der Bayern weiß, wird es natürlich schwieriger, im Poker knallhart zu bleiben und um die letzte Million zu feilschen. Allerdings betrifft der Deal erst mal nicht das direkte Tagesgeschäft.
Kommt Viessmann jetzt auf das Trikot?
Das ist erst mal nicht geplant, Telekom bleibt Brustsponsor und Audi Ärmelsponsor, Allianz ist bei den Frauen Brustsponsor. Gut möglich aber, dass Viessmann durch den Deal in naher Zukunft noch sichtbarer wird und als größerer Sponsor auftritt.
Was hat Viessmann vom Bayern-Deal?
Neben dem kaum nahezu unermesslichen Werbewert als Bayern-Hauptpartner und Anteilseigner ist Bayern auch ein gutes Investment, wenn man sich nur die Wertentwicklung der Anteile der vergangenen Jahre anschaut. Adidas (im Jahr 2002) und Audi (zwischen März 2010 und Juni 2011) zahlten für damals jeweils zehn Prozent 77 beziehungsweise 90 Millionen Euro. Nach der Kapitalerhöhung zahlte die Allianz im Februar 2014 für ihre 8,33 Prozent 110 Mio. Euro – jetzt Viessmann für fünf Prozent rund 250 Millionen Euro.
Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern, freut sich über den Viessmann-DealHeißt: Ein Prozent der AG-Anteile ist aktuell rund 50 Millionen Euro wert. Heißt weiter: Die Anteile von den anderen drei Konzernen sind heute über 415 Millionen Euro wert.
Und: Max Viessmann ist FC-Bayern-Fan. Anteilseigner zu sein, bedeutet auch: Sitz im Aufsichtsrat, also mehr Einfluss. Dazu kann Viessmann die Marke FC Bayern und das Netzwerk weltweit noch viel mehr nutzen. Das half beiden auch schon anfangs der Geschäftsbeziehung in China.
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter ( WELT, „Bild“ , „Sport Bild“ ) erstellt und zuerst in der „Bild“ veröffentlicht.
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