Folgenreiches Klingeln an der Tür – deutschem Rekord-Sprinter drohen vier Jahre Sperre
Die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) hat kurz vor Beginn der Leichtathletik-Europameisterschaften eine vierjährige Sperre für den deutschen 100-Meter-Rekordler Owen Ansah vorgeschlagen. Direkt vor seiner Abreise zum Diamond-League-Meeting in Monaco hatte Ansah am 9. Juli daheim keine Dopingprobe mehr abgegeben, obwohl ihn ein Kontrolleur dazu aufgefordert hatte. Der 25-Jährige vom Hamburger SV gehört – nach wie vor – zum Aufgebot für die am Montag beginnende EM in Birmingham. Dort stehen am kommenden Dienstag die 100 Meter auf dem Programm.
Aus Sicht der Nada hat Ansah gegen den Anti-Doping-Code des Deutschen Leichtathletik-Verbandes verstoßen, weil er sich geweigert beziehungsweise es unterlassen hat, eine Dopingprobe abzugeben. Er hatte in einer DLV-Mitteilung angegeben, der Kontrolleur habe außerhalb des von ihm angegebenen Zeitfensters für eine Kontrolle geklingelt. Ansah war kurzfristig als Nachrücker für das Diamond-League-Meeting in Monaco nominiert worden. Gegen 14.30 Uhr war nach seiner Darstellung ein Doping-Kontrolleur bei ihm vorstellig geworden.
Weiter erklärte der in Mannheim trainierende Ansah, er sei unter Zeitdruck gewesen, wollte gerade zum Flughafen aufbrechen und habe so kurzfristig keine Probe abgeben können, auch weil er kurz zuvor die Toilette besucht habe.
Nach Ansahs Darstellung wurde ihm nicht angeboten, dass der Kontrolleur ihn zum Flughafen begleitete, um dort die Probe abzugeben. Konsequenzen seien ihm ebenfalls nicht aufgezeigt worden. Der Kontrolleur habe ihm sogar noch viel Glück für Monaco gewünscht. Ansah flog anschließend zum Meeting und lief am 10. Juli die 100 Meter in 10,01 Sekunden auf Platz vier.
Das Problem: Eine verweigerte Dopingkontrolle, aus welchen Gründen auch immer, kann vergleichbare Sanktionen wie eine positive Kontrolle zur Folge haben. Darüber soll Ansah auch aufgeklärt worden sein. Nach Informationen der „Bild“ soll er von der Nada sogar schriftlich über die möglichen Konsequenzen informiert worden sein. „Offenbar hat er selbst den Ernst der Lage aber dennoch nicht erkannt“, hieß es in dem Bericht.
Ansah droht auch Aberkennung der deutschen Meistertitel
Bei einer Medienrunde am Donnerstag hatte er keine weiteren Details genannt. „Ich habe mega Lust zu rennen. Ich freue mich sehr und bin happy, dass ich Deutschland repräsentieren kann“, sagte Ansah. „Ich kann gut Sachen ausblenden.“ Er soll bei der EM auch über 200 Meter antreten. Der Sprinter ist derzeit nicht suspendiert und wäre in der deutschen Sprint-Staffel gesetzt. Ob er aufgestellt wird, ist indes noch offen.
Die Nada erklärte, sollte ihr Vorschlag angenommen werden, würde sich die Sperre automatisch auf drei Jahre reduzieren. Sie beginnt demnach erst mit dem Tag der entsprechenden finalen Entscheidung der Nada oder eines Disziplinarorgans oder mit dem Tag, an welchem die vorgeschlagene Sperre akzeptiert wurde.
Ansah hat nun 20 Tage Zeit, entweder die Feststellungen der Nada zu akzeptieren oder die Einleitung eines Disziplinarverfahrens beim Deutschen Sportschiedsgericht zu verlangen.
Die Nada schlägt auch vor, dass alle Ergebnisse ab dem 9. Juli bis zum Beginn einer vorläufigen Suspendierung oder einer Sperre aberkannt werden. Damit würde Ansah seine beiden deutschen Meistertitel über 100 und 200 Meter verlieren, die er Ende Juli in Bochum geholt hatte.
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