Fifa hält trotz Uefa-Boykottdrohung an WM-Investorenplänen fest
Die Fifa zieht trotz der Kritik mehrerer Verbände ihre Investorenpläne für die Weltmeisterschaft und weitere Turniere nicht zurück. Der Weltverband nehme die Rückmeldungen der Verbände zur „Kenntnis und respektiere diese“, hieß es in einer am Freitag verbreiteten Mitteilung. Dennoch werde man aber an einem „offenen und demokratischen Konsultationsprozess“ festhalten. Gestört worden sei dieses zuletzt durch „unzutreffende Medienberichte“. Jeder Mitgliedsverband solle auf Grundlage von Fakten über den Vorschlag abstimmen können.
Die vorgeschlagene Tochtergesellschaft Fifa Forward Enterprise (FFE) diene allein dem Zweck, allen 211 Mitgliedsverbänden eine echte Beteiligung an den kommerziellen Möglichkeiten des Fußballs in ihren Ländern zu ermöglichen – ohne dass dies zulasten des Geistes oder der Führungsstrukturen von Fifa und Fußball gehe. „Niemand verkauft den Fußball“, heißt es weiter. Das sei etwas, das die Fifa „niemals in Erwägung ziehen würde“.
Am Dienstag hatte die Fifa bestätigt, Investoren mit bis zu 4,2 Milliarden Dollar an einer kommerziellen Firma beteiligen zu wollen, in der die Weltmeisterschaften und andere Großveranstaltungen gebündelt werden. Dafür würden sie 20 bis 30 Prozent an der mit rund 20 Milliarden Dollar bewerteten Firma bekommen. Wichtigster Investor dafür soll Thrive Eternal sein, ein Investmentvehikel von Thrive Capital. Hinter der Firma steht Joshua Kushner, der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Fifa-Präsident Infantino hatte vor und während der kürzlich beendeten WM in den USA, Mexiko und Kanada einen engen Schulterschluss mit Trump geübt.
Der europäische Fußballverband Uefa droht mit einem WM-Boykott und damit mit massiver Eskalation. Wie die Uefa am Donnerstag mitteilte, haben ihre Mitgliedsverbände einen Boykott der Weltmeisterschaft und anderer Fifa-Wettbewerbe beschlossen, sollte die Fifa an ihrem Vorhaben festhalten. Ein entsprechender Beschluss sei einstimmig auf einer virtuellen Sitzung gefasst worden.
„Die Weltmeisterschaft kann nicht als Investitionsprodukt behandelt werden“, erklärte die Uefa in einer Mitteilung. Sie sei eines der größten sportlichen Vermächtnisse des Fußballs, das über Generationen hinweg von Spielern, Nationalmannschaften und Fans auf allen Kontinenten aufgebaut worden sei. „Kein Teil davon sollte jemals an private Investoren abgegeben werden. Die Weltmeisterschaft steht nicht zum Verkauf.“ Solange die Pläne nicht vollständig vom Tisch seien und es keine verbindlichen Zusagen gebe, dass die Fifa ihre Führung oder Wettbewerbe niemals für private Investoren öffnen werde, werde keine europäische Nationalmannschaft an Fifa-Wettbewerben teilnehmen.
Der englische Fußballverband FA unterstützte die Entscheidung und teilte mit, man stehe Seite an Seite mit den europäischen Kollegen. Die Regionalverbände für Nord- und Mittelamerika (Concacaf) und Asien (AFC) hatten die Pläne der Fifa auch kritisiert, da sie in den Prozess nicht eingebunden worden seien. Die nächste Weltmeisterschaft der Frauen soll im kommenden Jahr in Brasilien stattfinden. Für Oktober ist zudem die erste U15-Weltmeisterschaft der Fifa in Aserbaidschan geplant.
Infantinos Vorgänger Sepp Blatter hatte sich ebenfalls deutlich gegen den Investoren-Vorstoß ausgesprochen: „Fußball gehört keinem Einzelnen und keiner Institution. Er gehört den Menschen.“ Wenn die Fifa zu einem profitorientierten Unternehmen werde, „würde sie ihre Seele verlieren“. Auch DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke, der zudem Vizepräsident des Uefa-Exekutivkomitees ist, hatte sich bereits dagegen ausgesprochen. Er sehe die Pläne der Fifa „als absoluten Angriff auf den Fußball“, sagte er kürzlich dem „Kicker“. „Hier wird eine Grenze überschritten.“ Wenn sich der europäische Fußball gegen die Pläne geschlossen wehre, habe das „sehr viel Gewicht“.
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