Frauen-Bundesliga ist bereit, eine Revolution in Kauf zu nehmen – samt Play-offs
Die eigenständige Frauen-Bundesliga (FBL) geht revolutionäre Wege. Nach der Loslösung vom DFB gibt es beim anstehenden Verkauf ihrer TV-Rechte ab der Saison 2027/28 eine große Überraschung: Zu den geplanten Rechtepaketen gehören nach Informationen der „Sport Bild“ aus Senderkreisen auch Meister-Play-offs und Relegationsspiele.
Mit Interesse werden auch die Bosse der Männer-Bundesliga (vormals Deutsche Fußball Liga/DFL) verfolgen, wie die TV-Sender auf das Novum reagieren. Nicht nur die Fans, auch der eine oder andere Vereinsfunktionär kann sich Meister-Play-offs aufgrund der Dominanz des FC Bayern mit 13 Titeln in den vergangenen 14 Jahren vorstellen, um für mehr Spannung zu sorgen. Bei den Frauen trugen sich die Bayern und Wolfsburg in den vergangenen zehn Jahren mit je fünf Titeln in die Annalen ein.
Die aktuellen TV-Verträge der FBL (ARD, ZDF, MagentaTV, DAZN, Sport1, Sky), ausgehandelt vom DFB, laufen seit 2024/25 und bringen den 14 Klubs jährlich insgesamt 5,2 Millionen Euro ein. Für die Zukunft ändert die FBL die Vermarktungsstrategie: Priorität hat eine nachhaltige Vergrößerung von Reichweite und Sichtbarkeit, auch als Voraussetzung für Mehreinnahmen in den Bereichen Sponsoring und Ticketing, und nicht die kurzfristige Erlösmaximierung.
Ein Modell sieht Play-off und Relegation vor
Der Rahmen der Rechteausschreibung wurde unter FBL-Präsidentin Katharina Kiel in Arbeitsgruppen und Workshops mit Vertretern der Klubs entwickelt. Die wesentlichen Leitplanken: Die Zielgruppe der FBL sei jünger, familienorientierter, markenaffiner und kaufkräftiger als die der Männer-Bundesliga. Diese Zielgruppe soll künftig in der Auswahl der Plattformen, Sendezeiten und Content-Formate stärker berücksichtigt werden.
Und: Ziel sei ein klareres, besser planbares und attraktiveres Medienprodukt. Dazu gehört, dass der Spieltag gestrafft und auf wenige feste Anstoßzeiten konzentriert, die Zersplitterung über zahlreiche Tage und Uhrzeiten reduziert wird.
Für die Ausschreibung bedeutet das konkret: Neben dem „klassischen Modell“ – nach 26 Spieltagen wird der Tabellenerste zum Meister gekürt, der Zweite und Dritte nehmen an der Champions-League-Qualifikation teil, der 13. und 14. steigen direkt ab – kommt möglicherweise ein neues Modell mit sieben zusätzlichen Entscheidungsspielen zum Tragen, das extra vermarktet werden kann. Das sähe dann so aus:
- In zwei Halbfinals ermitteln der Tabellenerste gegen den Vierten und der Zweite gegen den Dritten die beiden Teilnehmer am Endspiel um die Meisterschaft. Die beiden Halbfinal-Verlierer spielen um Platz 3 und den dritten Champions-League-Quali-Platz.
- Neu wäre auch die Relegation: Der Tabellenelfte und -zwölfte spielen gegeneinander. Der Gewinner bleibt in der Bundesliga, der Verlierer trifft auf den Sieger des Zweitliga-Play-offs zwischen dem Dritten und Vierten. Wer gewinnt, spielt nächste Saison in der Bundesliga, der Verlierer in der 2. Liga.
Derzeit laufen Gespräche mit potenziellen Medienpartnern. Die finalen Rechtepakete stehen noch nicht fest, sondern das Feedback der Sender fließt mit in die Paketierung ein. Dass mit den Meister-Play-offs neue Wege beschritten werden könnten, wird von Interessenten dem Bericht der „Sport Bild“ zufolge als „mutig und richtig“ bewertet, zumal die Gefahr gesehen wird, dass der FC Bayern auch die Frauen-Bundesliga über viele Jahre dominiert.
Abgefragt wird von der FBL, welchen Wert die neuen Play-offs für die Sender hätten und welches Modell besser zu ihrem Programm/ihrer Vermarktung passt.
Abgefragt wird auch, welche Anstoßzeiten bevorzugt werden. Das FBL-Modell sieht ein Topspiel am Freitag (Anstoß zwischen 18 und 19 Uhr), ein Topspiel am Samstag (zwischen 13 und 14 Uhr) sowie fünf Spiele am Sonntag (zwischen 14 und 15.30 Uhr) vor, die nach dem Beispiel der Männer-Bundesliga in einer neu eingeführten Konferenzschaltung gezeigt werden könnten. Der Montag als Spieltag soll künftig aus Rücksicht auf die Fans wegfallen.
Die Kreativität der FBL geht noch weiter: Eine Reihe von Sonderspieltagen ist geplant – darunter vier in der Länderspielpause der Männer-Bundesliga –, um der FBL mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Dazu gehören auch der Supercup als Saisoneröffnung und ein Spieltag am 1. Mai.
Neu ist auch, dass die nächsten TV-Rechte nicht für vier, sondern nur für zwei Saisons bis 2028/29 verkauft werden. Ein Grund: Der Zeitraum umfasst die Frauen-WM 2027 in Brasilien, die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles und die Heim-EM 2029. Die nächste Ausschreibung im Sommer 2029 könnte dann von einer voraussichtlich weiter gestiegenen Aufmerksamkeit profitieren.
Der Zeitplan der FBL sieht folgendermaßen aus: Ende August wird die Ausschreibung der TV-Rechte angekündigt. Am 30. November entscheiden die 14 Klubs auf ihrer Mitgliederversammlung, basierend auf den Sendergeboten, welches Szenario zum Tragen kommt.
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.
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