Beim freundlichen Schlussbild nach der ersten Jürgen-Klopp-Show als Bundestrainer mit wortgewaltigen Warnungen und Forderungen durfte auch Deutschlands Fußball-Liebling Rudi Völler oben auf dem Podium mit in die Kameras lächeln. In den 65 Minuten davor hatte der von DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Verbands-Vize Hans-Joachim Watzke flankierte „Wunschkandidat“ auf die Nachfolge von Julian Nagelsmann vor allem eines verdeutlicht: „Wer Jürgen holt, kriegt ihn.“ Einen Macher ohne Kompromisse.

Der Star ist die Mannschaft? Nein, nach dem nächsten WM-Flop der Nationalmannschaft in Amerika ist der Trainer der Star. Klopp, der Retter! Klopp, „der großartige Motivator“, wie Neuendorf schwärmte. Klopp, „der wie geschaffen ist für diese Situation“, wie Intimus Watzke schwärmte. Klopp selbst erlaubte sich sogar einen Moment der Träumerei, als er auf die Inspiration seiner Vorgänger angesprochen wurde. Franz Beckenbauer habe er „geliebt“. Und dem „Kaiser“ und Weltmeister-Teamchef von 1990 möchte er nacheifern. Bei der internationalen Presse aber hat zuvorderst sein forsches Eingangsstatement für Eindruck und Nachhall gesorgt. WELT hat die Kommentare zusammengestellt.

Niederlande

De Telegraaf: „Klopp gab bei seiner Vorstellung einige bemerkenswerte Äußerungen ab: ‚Ich nehme diesen Job nicht für mich selbst an. Ich tue es für euch. Ich nehme diesen Job an, obwohl ich gesehen habe, wie ihr Julian Nagelsmann behandelt habt. Ich nehme ihn an, obwohl ich gesehen habe, wie ihr Thomas Tuchel behandelt habt. Wenn ihr meine Familie belästigt, bin ich weg. Wenn ihr mich für wertlos haltet, sagt mir das direkt ins Gesicht, und ich gehe sofort, ohne eine Entschädigung zu verlangen.’“

Seit Wochen war es nur noch Formsache: Jürgen Klopp ist neuer Trainer der deutschen Nationalmannschaft – und stellt sich auf der DFB-Pressekonferenz den Fragen der Journalisten.

England

The Telegraph: „Jürgen Klopp droht am Tag seiner Vorstellung mit Rücktritt vom Deutschland-Job. Der ehemalige Liverpool-Trainer stellt ein Ultimatum, während er seine zweijährige Trainerpause mit einem Vertrag über 6 Millionen Pfund (rund 7 Millionen Euro, die Redaktion) pro Jahr beendet.“

The Sun: „Klopp mit eindringlicher Warnung: ‚Lasst meine Familie in Ruhe’. Er schwört, den Job hinzuschmeißen, falls es Kritik unter der Gürtellinie gibt. Er setzt den Fans und den Medien nach dem WM-Desaster deutliche Grenzen.“

The Mirror: „Jürgen Klopp offiziell zum deutschen Nationaltrainer ernannt – das am schlechtesten gehütete Geheimnis des Fußballs hat sich bestätigt.“

BBC: „Messias oder bloße Kosmetik? Klopp muss die Zweifler beim Wiederaufbau der deutschen Nationalmannschaft überzeugen. Einst wurde er als Fußball-Messias von Liverpool gefeiert. Nun soll Jürgen Klopp für sein Land Wunder vollbringen.“

Italien

Corriere dello Sport: „Klopp ist der neue Bundestrainer. Nach dem frühen Aus bei der WM 2026 setzt Deutschland auf die Erfahrung und die Ideen eines so visionären Trainers wie Klopp.“

Österreich

Krone: „Klare Ansage! Die ersten Worte von Jürgen Klopp als DFB-Nationaltrainer haben es durchaus in sich. Die Aufgabe sei eine große Ehre für ihn, so der 59-Jährige, der aber gleich klarstellt: ,An dem Tag, an dem ihr nicht mehr wollt, dass ich den Job mache, sagt ihr es. Und ich bin weg. Ohne Abfindung.’ Doch nicht nur diese Bedingung wird gestellt.“

Spanien

As: „Um den viermaligen Weltmeister wieder auf Kurs zu bringen, zögerte man nicht, Klopp die Leitung des Verbandes zu übertragen. Der Trainer hat nicht nur freie Hand bei der Auswahl seiner Assistenten, sondern auch bei der Umsetzung aller Veränderungen, die er für notwendig erachtet, um die Mannschaft nach drei Weltmeisterschaften in Folge, bei denen sie das Achtelfinale nicht erreichte, wieder in die Weltelite zu führen.“

Marca: „Jetzt richten sich alle Blicke auf Klopp. Seine Fähigkeit, konkurrenzfähige Mannschaften aufzubauen, ist die große Hoffnung eines Deutschlands, das daran arbeitet, verloren gegangenes Prestige zurückzugewinnen und wieder um die großen Titel mitzuspielen. Seine Ankunft hebt zudem das Niveau der Trainerbänke der großen Nationalteams noch weiter an.“

Jürgen Klopp ist offiziell als Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vorgestellt worden. „Er ist einfach einer, der es versteht, Menschen mitzureißen, Menschen zu begeistern“, sagt BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel.

Sport: „Der bisherige globale Fußballdirektor von Red Bull ist sich bewusst, dass der deutsche Fußball insgesamt eine Erneuerung braucht, auch in den Nachwuchsmannschaften und bei der Förderung junger Talente. Es gibt wohl kaum einen Besseren als ihn, um dies zu erreichen, wie er bereits bei Liverpool unter Beweis gestellt hat. Sein intensiver Stil, seine Fähigkeit, eine Verbindung zu den Spielern aufzubauen, und seine Erfahrung in Situationen mit extrem hohem Druck machen Klopp zu einer äußerst wertvollen Verstärkung für den deutschen Fußball.“

Dänemark

B.T.: „Der ehemalige Erfolgscoach von Liverpool hat einen klaren Plan. Er will eine deutsche Nationalmannschaft aufbauen, die unterhaltsamen Fußball spielt, und selbst die Spieler werden von Überraschungen überrascht werden. Sowohl bei Borussia Dortmund als auch bei Liverpool war Jürgen Klopp mit einem sehr aggressiven und unterhaltsamen Spielstil erfolgreich, und einiges davon wird er nun versuchen, in die Nationalmannschaft einzuführen. Doch die Deutschen müssen sich mit ein wenig Geduld wappnen, betont er.“

Frankreich

L'Équipe: „Mit 59 Jahren wird Klopp zum ersten Mal in seiner Karriere den Alltag eines Nationaltrainers erleben, mit der schweren Verantwortung, einem vierfachen Weltmeister, dem die Ergebnisse fehlen, neuen Schwung zu verleihen. Die Baustelle wirkt gewaltig.“

Le Monde: „Seine Verpflichtung passt zu einer Karriere, die auf dem Wiederaufbau kriselnder Mannschaften basiert.“

USA

New York Times: „Jürgen Klopp ist zurück. Zwei Jahre nach seinem Abschied von Liverpool, erschöpft nach fast einem Jahrzehnt als Trainer, hat Klopp zugestimmt, bis 2030 Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft zu werden. Dies wurde am Freitagmorgen bestätigt. Was für ein seltsamer Weg das gewesen ist – ein Weg, der zu einem Moment geführt hat, der sich tatsächlich schon lange abgezeichnet hat.

In jüngster Zeit hatte Klopps Karriere eine seltsame Wendung genommen. Die letzten 18 Monate verbrachte er als Leiter des globalen Fußballgeschäfts bei Red Bull und übte dabei eine Tätigkeit aus, die niemand so recht erklären konnte. Während der deutschen Fernsehübertragung der Weltmeisterschaft arbeitete er als Experte und hatte dabei einen Platz in der ersten Reihe, um das jüngste Turnier-Desaster des Landes mitzuerleben.

Nun, nach dem Rücktritt von Julian Nagelsmann, ist es Klopps Aufgabe, die Scherben aufzulesen und die Moral einer Fußballnation wiederherzustellen, die – um es ganz offen zu sagen – ihr Erbe verspielt.“

ESPN: „Vergessen wir die Frage, ob Deutschland Klopp braucht. Braucht Klopp Deutschland? Ist Klopp nach einer zweijährigen Auszeit der richtige Mann für diesen Job? Und – was vielleicht noch wichtiger ist – ist dieser Job der richtige für ihn? Nach mehr als einem Jahrzehnt der Enttäuschungen braucht der deutsche Fußball einen Kulturwandel, und es gibt wohl kaum jemanden, der diesen Wandel besser vorantreiben könnte als Klopp.“

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