Dieser Klopp ist nicht mehr für die Komik zuständig
Deutschland hat einen neuen Bundestrainer. Jürgen Klopp übernimmt die Fußball-Nationalmannschaft und legt einen bemerkenswerten Auftritt hin. Auf einer Pressekonferenz in der Frankfurter DFB-Zentrale sprach der 59-Jährige knapp eine Stunde lang über seine Motivation, den Job anzunehmen, und die Ziele, die er mit der DFB-Elf verfolgt.
Es sei eine große Ehre und ein ganz besonderer Tag für ihn, sagte Klopp. Er wisse, woher er komme und wie weit er es gebracht habe. Bundestrainer zu werden, sei das Highlight seiner Karriere, es gebe kein danach.
Eine tiefere und ehrlichere Verneigung vor diesem Posten ist kaum vorstellbar.
Und dennoch beruht diese Ehrerbietung auf Gegenseitigkeit. Mindestens. So glücklich Klopp darüber ist, Bundestrainer zu sein, so glücklich muss Fußball-Deutschland sein, dass er den Job im dritten Anlauf annimmt. Ein solches Vertrauen in einen neuen Coach der Nationalmannschaft gab es zuletzt in den 80er-Jahren bei Franz Beckenbauer, vielleicht noch in Maßen bei Rudi Völler nach dem EM-Debakel 2002.
Klopp weiß das und spielt diese Karte bewusst und gut aus. Er ist nicht mehr „The Normal One“, wie er sich einst beim großen FC Liverpool vorstellte. Nein, Klopp ist ein internationaler Superstar, der den Erfolg bringen soll. Entsprechend kompromisslos handelte er nun beim Umbau des Personals. Sein Berater Marc Kosicke bekommt eine führende Position bei der Nationalmannschaft, drei Vertraute befinden sich in Klopps Trainerstab.
Ähnlich bestimmt trat Klopp am Freitag auch auf. Er bewies sehr schnell, dass er im Gegensatz zu Nagelsmann („Ich weiß nicht, ob ich für die Stimmung im Land zuständig bin“) die Größe und Bandbreite seiner neuen Aufgabe umrissen hat. Ein Bundestrainer ist nicht nur ein Übungsleiter. Er ist Repräsentant, Motivator und Gestalter über den Platz hinaus. Dass Klopp nebenbei fallen ließ, seinen neuen Wohnsitz in der Nähe der DFB-Zentrale zu haben, war sicherlich kein Zufall.
Klopp sprach ernst, fordernd und leistungsbereit
Rudi Völler hatte Klopp und Thomas Müller während der WM öffentlich gerügt: „Ihr seid ja ein bisschen mehr für die Komik zuständig.“ Genau das ist nun nicht mehr der Fall, das machte Klopp deutlich. Wer den Auftritt eines kalauernden Prinz Charmings erwartet hatte, wie er ihn als WM-Experte gegeben hatte, sah sich getäuscht.
Rudi Völler zeigt sich vor dem WM-Auftakt gewohnt locker – und verteilt im Gespräch mit Thomas Müller und Jürgen Klopp gleich noch einen kleinen Seitenhieb. Die beiden seien schließlich „mehr für die Komik zuständig“, scherzt der DFB-Sportdirektor.Klopp sprach mitreißend, motiviert, aber auch sehr bestimmt. Noch würden sich alle freuen, aber das sei auf Dauer gewiss nicht der Fall, sagte er etwa. Oder, dass seine Familie öffentlich ein Tabuthema sei. Klopp steht jedoch auch nicht im Verdacht, nahe Verwandte mit auf Dienstreise zu nehmen und sie so zum Teil der Berichterstattung werden zu lassen.
Natürlich hat Klopp seine Lässigkeit nicht verloren, ohne die wäre er auch nicht Klopp. Aber er war auch ernst, fordernd und leistungsbereit. Und das ist ziemlich genau das, was der Nationalmannschaft (und manche sagen dem Land) derzeit fehlt. Der Auftritt mag anders gewesen sein als erwartet, aber genau deshalb war er gut. Und mal ehrlich: Wenn Klopp es nicht hinbekommt, wer dann?
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