„Erfolgreicher Fußball kann ein Land verändern“, verspricht Klopp
Heute wird Jürgen Klopp als Nachfolger von Julian Nagelsmann und neuer Bundestrainer vorgestellt. Ab 9.00 Uhr tagt der Aufsichtsrat des DFB, um die Entscheidung final zu beschließen. Um 11.00 Uhr beginnt die Pressekonferenz in Frankfurt/Main. Doch das sind nicht die einzigen Personalien, die an diesem Tag bekannt gegeben werden. Rund um die Nationalmannschaft gibt es einige Umbauten. Verfolgen Sie das Geschehen in unserem Liveticker.
Das war es, die Pressekonferenz ist beendet. Deutschland hat mit Jürgen Klopp einen neuen Bundestrainer. Und der hat „richtig Bock“. Ob er diesen auch in guten Fußball und Erfolge umwandeln kann, sehen wir dann ab September.
Klopp: „Rudi wird ein wahnsinnig wichtiger Ansprechpartner sein. Seine Erfahrung, sein Blick aufs Leben, sein Grinsen und Sauer-sein in den richtigen Momenten – das möchte ich gerne in meinem Team haben. Er hat mir versprochen, dass er noch ein paar Geschichten erzählen kann, die ich noch nicht kenne. Darauf freue ich mich sehr. Das wird gut. Ich habe ihn als Spieler sehr bewundert.“
Rudi Völler zeigt sich vor dem WM-Auftakt gewohnt locker – und verteilt im Gespräch mit Thomas Müller und Jürgen Klopp gleich noch einen kleinen Seitenhieb. Die beiden seien schließlich „mehr für die Komik zuständig“, scherzt der DFB-Sportdirektor.Ob er denn als Bundestrainer Anzug tragen werde, wird Klopp gefragt: „Mit Krawatte auf keinen Fall. Ich bin älter geworden. Mal gucken. Ich hatte gerade die Gelegenheit, mich in den letzten Jahren neu einzukleiden. Da habe ich das Gefühl, das passt eher in die neue Aufgabe als das (sein Kleidungsstil ...) davor.“
„Ich möchte alles verbessern. Die deutsche Nationalmannschaft positiv darstellen, um irgendwann wieder nach oben zu kommen. Ich habe Lust auf die Aufgabe (...) Wer Jürgen holt, kriegt ihn. Heute haben sich alle gefreut, bin mir nicht sicher, ob das jeden Tag der Fall sein wird.“
„Ich bin über die Namen gegangen und hatte einen extrem positiven Blick auf die Mannschaft. Wir haben unglaublich viel Talent. Wir sind bei der U17 Welt- und Europameister geworden. Die müssten jetzt 20 sein. Jetzt, mit Führerschein, können wir sie gebrauchen.“
Klopp wird nach Kimmich und dessen Position auf dem Feld gefragt. „Ich werde hier keine Position verteilen“, sagt er: „Spielen wird, wer sehr gut ist, richtig Bock hat. Und in dem Moment, wenn er das Trikot anzieht, noch ein bisschen besser wird.“ Klopp weiter: „Jeder, der berechtigt ist, für die Nationalmannschaft zu spielen, sollte sich Mühe geben. Ich werde gucken. Aber heute wird niemand abgeschrieben. Es ist ein Neustart.“
Klopp legt einen emotionalen Auftritt hin„Für mich war es ein Gedanke: Wenn ich mir vorstelle, wir werden in vier Jahren Weltmeister, fühlt sich das gut an. Wenn wir das alle gemeinsam machen, und wir stellen uns vor, das wäre so. Am nächsten Tag wäre der Nachbar nicht so ein Arsch, das Wetter wäre nicht so schlecht, Merz würde nicht alles falsch machen.“
„Gegenpressing wird ein wichtiges Thema sein, eine stabile Formation, eine klare Fußballidee. Mit allen Unwägbarkeiten. Die Mannschaften, die das Turnier gewinnen konnten, haben hinten mit vier Mann gespielt. Das werden wir auch tun. Wir werden auch mit Flügeln spielen. Die Spielmacher der heutigen Generation sind auf dem Flügel. Ich hätte echt gerne, dass wir alle wieder alle Länderspiele gucken. Wir sind uns alle einig, dass erfolgreicher Fußball ein Land verändern kann.“
„Es werden Spieler Möglichkeiten bekommen, die noch gar nicht damit rechnen. Weil ich gerne mutig sein werde. Das war ich schon immer und werde ich auch bleiben. Ich habe Lust, mit Jungs zusammenzuarbeiten, die einen Fußball spielen, der allen gefällt. Das ist nicht immer sofort erfolgreich, aber ich möchte erreichen, dass die Leute nach dem Spiel nach Hause gehen und sagen: Wow!“
Gab es Kontakt zu Ex-Bundestrainer Nagelsmann? Klopp dazu: „Es gab keinen Austausch. Ich respektiere ihn total. Der Tag mit dem Noch-Satz war einer der schlechteren meines Lebens. Ich hätte gern darauf verzichtet. Ich habe mich entschuldigt, das ist akzeptiert. Ich glaube, da liegt nichts im Argen. Ich wünsche ihm nur das Beste. Ich glaube, heute ist für Julian ein guter Tag, dass das Kapitel abgeschlossen ist.“
„Ich habe mir 57 Feldspieler angeguckt. Wir hatten viele gute Spieler bei der WM, die nicht sonderlich gut gespielt haben. Es ist alles andere als schlecht, aber in jedem Fall verbesserungswürdig (...) Ich werde Spiele gucken. In jedem Land, wo unsere Spieler unterwegs sind. Damit natürlich auch in Deutschland. In letzter Zeit habe ich wahnsinnig viele Erkenntnisse gesammelt. Der Kontakt zu den Spielern ist sehr wichtig, ich werde versuchen, früh mit den Spielern in Kontakt zu treten. Das wird meine erste Aufgabe sein.“
„Ich habe gehört, dass Helmut Schön auch in Wiesbaden gewohnt hat. Dort wohne ich seit Kurzem auch“, sagt Klopp, der damit in der Nähe des DFB-Hauptquartiers in Frankfurt/M. lebt.
Des Trainers langjähriger Berater Marc Kosicke wird ebenfalls zum DFB kommen. Klopp erklärt: „Er wird mein Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation.“ Es gehe darum, den Verband in die Zukunft zu führen: „Es gibt nicht viel Gutes über die Situation zu sagen. Es geht darum, den Blick auf die Dinge in der Zukunft zu richten.“
Klopp sagt, er hätte das bestmögliche Trainerteam zusammengestellt. Über Neuling Sven Bender sagt er: „Ich kenne ihn lange, finde die Situation perfekt. Ein junger Trainer, der schon beim DFB gearbeitet hat, der Nationalspieler war. Der die Abläufe kennt. Die kenne ich nicht. Aus sehr guten Gründen durfte ich hier in dieses Gebäude nie rein – mit Fußballschuhen.“
Klopp wird sehr schnell sehr deutlich: „An dem Tag, an dem ihr das nicht mehr wollt, sagt ihr es. Und ich bin weg. Ohne Abfindung. Wenn ihr morgen sagt, der ist scheiße, bin ich weg. Nicht einzelne, es müsste schon ein paar mehr sein. Wenn der DFB sagt, der ist scheiße, bin ich weg. Wenn ihr euch daneben benehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg. Kritisiert mich, wenn etwas nicht funktioniert. Ich bin gerne bereit, daran zu arbeiten. Es geht nur um die Sache.“
„Wem es egal ist, wie es mit dem deutschen Fußball weitergeht, dem kann ich nicht helfen. Wir haben diesen Auftrag zu erfüllen. Ich habe mal hier und da Interviews gegeben, aber kann nicht sagen, dass ich es vermisst hätte. Ich war überrascht, wie viel und schnell Dinge rauskamen. Auf dem Weg, den wir einschlagen müssen, wäre wichtig, dass wir richtig vor schnell stellen.“
Klopp sagt: „Ich gehe die Aufgabe erfreut an. Es ist eine große Ehre, hier heute zu sitzen. Wenn man mit dem Amt des Bundestrainers in Verbindung gebracht wird, fühlt man die Größe dieses Amtes. Es ist ein sehr, sehr besonderer Tag für mich. Ich möchte mich bei allen bedanken, die das möglich gemacht haben. Ich bin froh, dass das alles erledigt ist und wir uns um die Dinge kümmern, die wirklich wichtig sind.“
Im Gegenzug für Klopps Freigabe durch Red Bull spendet der DFB eine Million Euro an die Red-Bull-Stiftung „Wings For Life“. Zudem sagte der Verband zu, bis 2030 drei Länderspiele in Leipzig auszutragen.
Von links: Neuendorf, Klopp, WatzkeNeuendorf verkündet, dass Per Mertesacker Geschäftsführer Sport des DFB wird, diesen Posten aber erst zum 1. Januar 2027 antritt. Daher sei er heute nicht auf der Pressekonferenz zugegen.
Neuendorf bestätigt, dass man mit Klopp langfristig plane. Der Vertrag des Bundestrainers laufe bis nach der WM 2030.
Neuendorf bestätigt die Personalie. Das Votum der Gremien pro Klopp sei einstimmig ausgefallen: „Wir haben eine starke Gesamtaufstellung und können mit der Nationalmannschaft hoffentlich bald wieder Erfolge feiern.“ Klopp sei der absolute Wunschkandidat gewesen.: „Die persönlichen Gespräche mit Jürgen haben uns in der Sichtweise bestärkt, dass er der richtige Mann am richtigen Platz ist. Er ist ein großartiger Motivator, jemand, der Mannschaften und Spieler besser macht.“
Um 11.0o Uhr ist es so weit, der neue Bundestrainer betritt den Raum. Jürgen Klopp setzt sich auf das Podium. Neben ihm nehmen DFB-Pressesprecherin Franziska Wülle, DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke Platz. Es geht los.
Bundestrainer Jürgen KloppDie letzte Hürde ist genommen: Nach „Bild“-Informationen haben Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH und Co. KG für das Engagement von Klopp als Bundestrainer gestimmt. Damit ist Klopp jetzt Bundestrainer. Daran lässt auch der kleine Bildschirm auf dem Podium keinen Zweifel mehr (siehe Foto).
Auch Klopps langjährigen Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders sowie Ex-BVB-Star Sven Bender wurden vom DFB-Gremium als künftige Co-Trainer genehmigt. Kurz darauf bewilligten die Funktionäre auch die Ernennung von Per Mertesacker zum DFB-Geschäftsführer als Nachfolger von Andreas Rettig.
Da steht es: Jürgen Klopp, BundestrainerFür die gleich beginnende Pressekonferenz gibt es ein sehr großes Medien-Interesse. 180 Anfragen wurden gestellt. Vor Ort sind 80 Journalisten zugelassen, digital noch einmal 60.
Der Raum füllt sich, hier wird Klopp gleich vorgestelltNach seiner offiziellen Vorstellung beginnt für Klopp die Vorbereitung auf seinen ersten Einsatz als Bundestrainer. Das Debüt wird am 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande in der Nations League steigen. Für Klopp bleibt damit rund neun Wochen Zeit, um sein Trainerteam aufzustellen, erste Gespräche mit Spielern zu führen und die Nationalmannschaft auf die kommenden Aufgaben einzustimmen.
Im Podcast „Kerners 11“ berichtet Jürgen Klopp, dass er auch wegen seines Enkels wieder Trainer sein wolle. „Er war ein Jahr alt, als ich in Liverpool verabschiedet wurde“, sagt er: „Das waren supersüße Bilder – da sitzt er im Liverpool-Trikot da. Jetzt ist er drei Jahre. Keine Ahnung, was das für ein Gefühl sein wird, wenn es dazu kommt. Aber einer von tausend Gründen, warum man dann doch wieder zurückkehrt, ist er.“
Es gibt eine weitere Top-Personalie rund um Klopp. Sein langjähriger Berater Marc Kosicke wird nach Informationen von „Bild“ und WELT zum DFB wechseln. In seiner neuen Rolle wird er für die Strategie und Entwicklung der Nationalmannschaft zuständig sein. Im Gegenzug tritt er als Geschäftsführer seiner Firma „projectFIVE“ zurück und arbeitet auch nicht mehr als Berater für andere Trainer.
Seit zwei Jahrzehnten ist Kosicke der Schattenmann an Klopps Seite und der wichtigste Ratgeber für den Nachfolger von Julian Nagelsmann.
Marc KosickeNeben der Vorstellung von Bundestrainer Klopp hat der DFB die nächste Top-Personalie geklärt. Per Mertesacker wird ab Januar 2027 Geschäftsführer Sport des Verbandes. Andreas Rettig (63), der in dieser Funktion zum Jahresende ausscheidet, soll Mertesacker in den kommenden Monaten einarbeiten.
Der Weltmeister von 2014 war bis zum Ende der abgelaufenen Saison Leiter der Jugendakademie des englischen Meisters FC Arsenal. Zudem wurde Mertesacker als Experte beim ZDF eingesetzt und hatte in dieser Rolle während der WM offen gesagt, dass er Verantwortung übernehmen wolle. Mit der Verpflichtung des 41-Jährigen setzt der DFB sein Vorhaben um, frühere Spitzenspieler einzubinden.
Per Mertesacker geht zum DFBDer Bundestrainer muss nach dem WM-Aus in naher Zukunft wichtige personelle Fragen klären.
- Bleibt Joshua Kimmich Kapitän und spielt er unter Klopp wie beim FC Bayern in der Zentrale statt hinten rechts?
- Gibt es eine klare Nummer eins oder kommt es im Tor nach dem Rücktritt von Manuel Neuer zum Kampf der Generationen zwischen Jonas Urbig (22) und Oliver Baumann (36) sowie Marc-André ter Stegen (34)?
- Gibt es noch Verwendung für Routiniers wie Antonio Rüdiger (33), Pascal Groß (35), Leon Goretzka (31)? Zurückgetreten ist noch keiner außer Neuer.
- Wie umgehen mit der Reizfigur Leroy Sané (30)? Und welche Jungstars außer Lennart Karl (18) und Said El Mala (19) geben Grund zur Hoffnung?
Wer gehört zu Klopps sportlichem Stab? Zum einen bringt er seine bewährten Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders mit zum DFB.
Außerdem holt der 59-Jährige seinen ehemaligen Spieler Sven Bender dazu. In Dortmund feierten Trainer Klopp und Kämpfer Bender große Erfolge, sie wurden zusammen zweimal Meister. Den DFB kennt der Ex-Nationalspieler aus seiner Zeit als Jugendcoach. Zuletzt hatte der 37-jährige Bender den Regionalligisten Unterhaching trainiert.
Sven Bender wird zum Trainerstab gehörenHaftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke