Sammer vergleicht die DFB-Elf mit Argentinien – und fällt ein vernichtendes Urteil
Matthias Sammer rechnet nach dem WM-Aus mit der deutschen Mannschaft ab. Der frühere DFB-Sportdirektor wird bei einem Vergleich zwischen der DFB-Elf und den für ihre unfaire Spielweise kritisierten Argentiniern besonders deutlich. Deutschland war im Sechzehntelfinale ausgeschieden, Argentinien hatte es bis ins Finale geschafft.
„Ihre Spielweise ist mir lieber als das, was ich im Moment bei der deutschen Mannschaft sehe“, sagte Sammer der „Zeit“: „Bei der kann ich gar nichts mehr erkennen, weder sportlich noch mental. Sie gibt Anlass, den Begriff Hilflosigkeit neu zu definieren.“ Sammer kritisierte die mangelnde Fitness und fehlende Spielidee: „Viel schwerer aber wiegt der Eindruck, dass unserer Mannschaft der unbedingte Siegeswille fehlt.“
Matthias Sammer führte als Spieler Deutschland 1996 zum bislang letzten EM-TitelSammer ist überzeugt, dass Entscheidendes bei der deutschen Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren zu sehr in den Hintergrund gerückt ist. Er sagt: „Um Leistung ging es bei diesem Turnier wie schon die Jahre zuvor überhaupt nicht mehr. Es ging um Wohlfühlen, Unehrlichkeit spielte eine Rolle, Konflikte wurden nicht angesprochen.“
Sammer weiter: „Man hat versucht, nach den Regeln möglichst großer Bequemlichkeit und Zufriedenheit etwas Außergewöhnliches zu erreichen. Das kann im Sport und im Leben nicht funktionieren. Die Mannschaft ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Manchmal gibt es mehr Schein als Sein.“
„Klopp ist genau der Richtige für diese Position“
Nach seiner Ansicht müsse der DFB klare Leitlinien vom Kinderfußball bis zur Nationalmannschaft vorgeben. Sammer: „Dafür muss der DFB aber endlich verstehen, dass er inhaltlich die Führungsrolle übernehmen muss. Er muss die richtigen Menschen finden, die die übergeordneten Leitlinien der inhaltlichen Arbeit festlegen (...) Inzwischen sind wir so weit gekommen, uns für unsere traditionellen Stärken, die sprichwörtlichen deutschen Tugenden, zu schämen.“
Seine Forderung: mehr Grundlagenausdauer, mehr Grundlagentechnik und eine gezielte Persönlichkeitsentwicklung. Zudem signalisiert Sammer seine Bereitschaft, dem deutschen Fußball inhaltlich zu helfen. Er sagt aber auch: „Es geht nicht um eine Funktion oder einen Posten für Matthias Sammer, sondern um Inhalte.“
Über den designierten neuen Bundestrainer Jürgen Klopp sagte er: „Klopp ist genau der Richtige für diese Position. Jürgen steht für etwas Physisches und hohes Tempo. Er hat eine klare Spielidee mit und gegen den Ball. Er hat Aura und Autorität. Er weiß auch, dass er als Bundestrainer künftig nicht mehr in der täglichen Trainingsarbeit steckt und auf das angewiesen ist, was in der Pyramide, in der Nachwuchsarbeit unter ihm, geschieht.“
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