Seit 38 Spielen ungeschlagen – Spaniens verdiente Krönung
Als Rodri mit dem WM-Pokal in den Mannschaftsbus stieg, ging die Party der Spanier vor den Toren New Yorks weiter. Schon auf dem Rasen hatte Lamine Yamal erst mit Nico Williams und dann mit seinem drei Jahre alten Bruder Keyne herumgetollt. In der Kabine gab es neben lauter Musik und Riesenflaschen mit Champagner auch eine etwas verkleinerte Kopie des goldenen Pokals für jeden der spanischen Fußball-Weltmeister.
„Wir haben gefeiert, viele Fotos gemacht und viele Erinnerungen gesammelt. Wir haben kleine Trophäen bekommen, die wirklich cool waren. Wir haben einfach gefeiert – so, wie es ein Weltmeister macht“, berichtete Dani Olmo, der einst für RB Leipzig spielte, nach dem 1:0 (0:0, 0:0) gegen Argentinien um den weitestgehend unsichtbaren Superstar Lionel Messi mit einer schweren Goldmedaille um den Hals.
Stolz trugen die Spieler ihr Pokal-Exemplar in mächtigen Koffern durch die Katakomben des Final-Stadions, in dem sie nach einer Machtdemonstration gegen den Titelverteidiger Stunden zuvor das begehrte Original von US-Präsident Donald Trump übergeben bekommen hatten. Und das als erst zweites spanisches Team der Geschichte. Weil die Frauen 2023 Weltmeisterinnen wurden, ist Spanien zudem das erste Land, das beide Titel gleichzeitig hält. Das Empire State Building leuchtete zu Ehren der Iberer in Rot und Gelb – und Medien lobten die Champions.
Spanien hat seit 38 Spielen nicht mehr verloren
„Die neuen Könige. Spanien dominierte eine enttäuschende und abgehackte Partie gegen eine kaum wiederzuerkennende, völlig harmlose argentinische Mannschaft“, schrieb die franzözische „L'Équipe“. Und „Le Parisien“: „Die Welt liegt ihnen zu Füßen. Diese Spanier, die den Ball so geschickt laufen lassen, dass ihre Gegner fast verrückt werden, halten den WM-Pokal in den Händen.“ Die italienische „Gazzetta dello Sport“ resümierte: „Spanien. Zwangsläufig Spanien. Unvermeidlich Spanien. Nur Spanien konnte dieses Finale gewinnen, denn wenn es an Argentinien gegangen wäre, wäre das eine Beleidigung für den Fußball gewesen.“
Trotz Überzahl und großer Überlegenheit musste der nun seit 38 Spielen nicht mehr bezwungene Europameister bis in die Verlängerung warten, ehe Ferran Torres das erlösende Tor schoss (106. Minute) und den zweiten WM-Triumph nach 2010 ermöglichte. „Ich denke, dass wir durch dieses Tor endlich erlöst wurden. Wir alle haben es versucht. Gegen Messi bist du immer nervös, aber wir haben immer an uns geglaubt“, sagte der Profi des FC Barcelona. Zur gleichen Zeit feierten Hunderttausende in Madrid, Barcelona und weiteren spanischen Städten mitten in der Nacht den hochverdienten Triumph.
Leandro Paredes zeigt sich nach dem verlorenen WM-Finale als ganz schlechter Verlierer. Der Argentinier geht mit Schlägen und Würge-Angriffen auf die spanischen Spieler los. Sehen Sie die Szenen hier im Video.Torres’ goldener Treffer war der 20. Versuch für die Spanier – Argentinien hatte zu diesem Zeitpunkt nicht ein einziges Mal aufs Tor von Unai Simón geschossen. „Ich bin sicher, dass wir erst dann wirklich begreifen werden, was wir heute geschafft haben, wenn wir nach Spanien zurückkehren“, sagte der Schlussmann von Athletic Bilbao nach dem Finale, das durchschnittlich 17,362 Millionen Menschen am Sonntagabend beim ZDF verfolgten – ein Rekordwert.
Unai Simón, der spanische Keeper, hatte im Verlauf des XXL-Turniers in den USA, Mexiko und Kanada einen Rekord aufgestellt und war 649 Minuten ohne Gegentor geblieben. Spanien kassierte in acht Spielen nur einen Gegentreffer, beim 2:1 im Viertelfinale gegen Belgien. „Diese Spielweise, dieses Niveau und diese Konzentration über acht Spiele hinweg aufrechtzuerhalten – das hat uns den Titel gebracht“, sagte Simón.
Sergio Ramos, der 2010 mit Spanien den WM-Titel gewann, brachte am Sonntag den Pokal in den Innenraum des Stadions von New JerseyIn Südafrika 2010 war Spanien bei nur zwei Gegentoren Weltmeister geworden. Die Mannschaft um Andrés Iniesta, der beim 1:0 im Finale gegen die Niederlande ebenfalls in der Verlängerung traf, Sergio Ramos und Iker Casillas ist nun nicht mehr die einzige goldene Generation der spanischen Fußballgeschichte. „Ein Spiel, das die Geschichte eines Landes und einer Generation für immer verändern wird. Spanien muss das Jahr 2010 nun nicht mehr als einmalige Erinnerung betrachten“, jubelte „Mundo Deportivo“.
Wie die Legenden damals ließ auch die neue Generation um Rodri, der verdient zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, Yamal oder Marc Cucurella auf den EM-Titel den WM-Sieg folgen. „Wir mussten 16 Jahre auf diesen Moment warten. Ich hoffe, dass wir diesmal nur vier Jahre auf den nächsten Stern warten müssen“, sagte Simón. Er wurde als bester Torwart des Turniers geehrt, Verteidiger Pau Cubarsi bekam die Auszeichnung für den besten Nachwuchsspieler – und nicht der ebenfalls 19 Jahre alte Yamal.
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Der größte Star in Spaniens Team spielte eine unauffällige WM und erzielte nur ein Tor. Ein Sonderlob von Trainer de la Fuente gab es dennoch, weil sich der Profi des FC Barcelona in den Dienst der Mannschaft stellte und seine Aufgaben erfüllte. „Ich bin ihm ernsthaft dankbar, er hat sich für das Kollektiv geopfert“, sagte der 65-Jährige, der nun der älteste Weltmeister-Trainer der Geschichte ist. „Das ist sehr wichtig in unserem Team. Er hat eine großartige WM gespielt.“
Trainer-Tattoo für Cucurella
„Ich finde, wir haben herausragenden Fußball gespielt und diesen Pokal verdient“, sagte Cucurella, der sich nun ein Tattoo mit dem Gesicht von Trainer de la Fuente stechen lassen will. „Wir haben einen langen Heimflug, vielleicht gibt es ein paar Vorschläge. Ich werde darüber nachdenken und es dann hinter mich bringen“, sagte der starke Verteidiger, der vom FC Chelsea zu Real Madrid wechselt, über seine Ankündigung von vor dem Turnier.
US-Präsident Donald Trump (2. v. r.) lässt sich viel Zeit, ehe er die Bühne verlässt, die für die spanischen Weltmeister vorgesehen istSchon vor einem Jahr war Cucurella im NFL-Stadion der New York Giants und der New York Jets Weltmeister geworden, damals mit dem Londoner Verein bei der Club-WM. Erneut war der US-Präsident bei den ersten Siegerfotos mit auf dem Bild, der 80-Jährige ließ sich auch dieses Mal erst nach einigen Sekunden von Fifa-Präsident Gianni Infantino von der Bühne begleiten.
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