Zwischen Rekordtor und Skandalspieler – Trauer um schillernden Nationaltorwart
Mit Manfred Manglitz ist einer der schillerndsten Torhüter der frühen Bundesliga gestorben. Der frühere Nationalspieler starb nach Angaben seines langjährigen Vereins MSV Duisburg am 13. Juli nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren.
Der gebürtige Kölner, Sohn eines Buchbinders, erlebte die Entbehrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit. Schon während seiner Zeit beim Meidericher SV ging Manglitz ungewöhnliche Wege. Während viele Mitspieler ihre ersten Autogrammkarten sammelten, ließ er sie in hoher Auflage verkaufen. Zudem war er Co-Herausgeber der Stadionzeitung, betrieb eine Tankstelle und gehörte zu den ersten Bundesliga-Profis, die mit Werbung für Zusatzeinnahmen sorgten – unter anderem für die Zigarillo-Marke „Handelsgold“.
Sportlich machte sich Manglitz in den 1960er-Jahren als Torhüter des Meidericher SV einen Namen. Mit dem Klub wurde er 1964 deutscher Vizemeister, später stand er auch für den 1. FC Köln zwischen den Pfosten. Insgesamt absolvierte er 257 Bundesligaspiele.
Bundesliga-Rekord und DFB-Karriere
In die Geschichte der Liga ging er jedoch nicht mit einer Parade ein, sondern mit einem Tor. Im Juni 1967 verwandelte Manglitz als erster Torhüter überhaupt einen Elfmeter in der Bundesliga. Beim 1:3 des MSV Duisburg gegen Borussia Mönchengladbach traf er vom Punkt.
An die Szene erinnerte er sich Jahrzehnte später im Interview mit dem Magazin „11 Freunde“: „Zehn Minuten vor dem Ende bekamen wir dann einen Elfmeter, und das ganze Volk schrie ,Cassius’, weil es an diesem Tag eh nicht viel zu lachen hatte. Also bin ich Verrückter hin und habe den Elfer versenkt.“
Den Spitznamen „Cassius“ verdankte Manglitz seinem forschen Mundwerk. Er war eine Anspielung auf Box-Ikone Muhammad Ali, der damals noch Cassius Clay hieß.
Manfred Manglitz (l.) und Günther Netzer (r.) im Gespräch mit Nationaltrainer Helmut Schön bei einem Spaziergang in Sevilla vor dem deutschen Testspiel gegen Spanien 1970Auch in der Nationalmannschaft gehörte Manglitz zeitweise zum Stammpersonal. Zwischen 1965 und 1970 bestritt er vier Länderspiele und gehörte zum deutschen Kader bei der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko. Zum Einsatz kam er dort allerdings nicht.
Dass seine Nationalmannschaftskarriere vergleichsweise kurz blieb, führte Manglitz später auch auf seinen Charakter zurück. „Ich war immer jemand, der frank und frei seine Meinung gesagt hat. Immer ehrlich, aber auch an Stellen, an denen andere den Mund gehalten haben“, sagte er 11Freunde. „Meine Art hat einigen nicht gepasst. Helmut Schön, der damalige Bundestrainer, war ein Sachse und ich ein waschechter Kölner – das konnte nicht gut gehen.“
Skandal beendet Karriere von Manglitz
Die größte Zäsur seiner Laufbahn folgte wenig später. 1971 geriet Manglitz als Torwart des 1. FC Köln in den Bundesliga-Skandal. Damals erschütterten Manipulationen im Abstiegskampf den deutschen Fußball. Manglitz hatte dem damaligen Offenbacher Präsidenten Horst-Gregorio Canellas ein Bestechungsangebot unterbreitet. Der DFB sperrte ihn daraufhin lebenslang.
Manfred Manglitz (l.) mit Karl-Heinz Thielen bei einem Treffen der ehemaligen Nationalspieler im Kölner RheinEnergieStadion 20171974 wurde Manglitz zwar begnadigt. In die Bundesliga kehrte er jedoch nie mehr zurück. Stattdessen eröffnete er zunächst in Köln die Diskothek „Old London“, bevor er nach Spanien auswanderte. Dort arbeitete er unter anderem als Immobilienmakler, Häuserrestaurateur, Wirt und Tennislehrer. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Manglitz in seiner Wahlheimat Villajoyosa an der Costa Blanca.
So blieb Manglitz bis zuletzt mit zwei völlig gegensätzlichen Kapiteln der Bundesliga-Geschichte verbunden: als erster Torwart mit einem Treffer und als einer der bekanntesten Akteure des Bundesliga-Skandals.
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