„Keiner weiß, ob wir nächstes Jahr noch leben ...“
Sie sind das, wovon Musiala, Wirtz und Co. noch träumen: Fußball-Weltmeister. Die Rede ist von Deutschlands Ü75-Nationalmannschaft. Nach dem Triumph 2025 im Finale in Japan gegen England (3:0) geht es für die kickenden Opas in diesem Jahr nach Brisbane (Australien).
Gespielt wird acht gegen acht auf einem Kleinfeld. Zehn Nationen kämpfen um den Titel. Gewechselt werden darf jederzeit. Es wird körperlos gespielt. Grätscht doch mal einer, gibt es eine Zeitstrafe.
Warum findet die WM dieses Jahr schon wieder statt? Spieler und Teammanager Günter Christmann (79): „In unserem Alter können wir nicht vier Jahre auf das nächste Turnier warten. Jedes Jahr ist eine WM, denn keiner weiß, ob wir im nächsten noch am Leben sind.“
Bei den kickenden Opas immer dabei: der Pokal aus Lego (2842 Teile)Teamkollege Klaus-Jürgen Wolf (77/268 Zweitligaspiele, 100 Tore), erlitt acht Monate vor der WM einen Schlaganfall. Doch die Aussicht auf den Titel gab ihm Kraft. Christmann, der 2017 die Rentner-Mannschaft ins Leben rief: „Er ist nach wie vor unser Torgarant. Auf dem Platz vergessen wir alle Sorgen.“
Wartelisten bei der Ü70 und Ü75
Einmal pro Monat treffen sie sich für ein zweitägiges Trainingslager. Mitmachen kann jeder, der älter als 70 Jahre ist. Christmann, der seine fünfte WM spielt: „Wir haben Sichtungstrainings. Das Niveau muss schon gehalten werden. Bei der Ü70 und Ü75 gibt es sogar Wartelisten. Bei der Ü80 hingegen bin ich knapp bestückt.“ Zum DFB gehören sie nicht.
Bereit für die Endrunde in Australien: Torjäger Klaus-Jürgen Wolf (l.) und Teamkollege Dieter HildebrandWie finanzieren sich die kickenden Opas? Christmann: „Durch Sponsoren, Spenden und uns selbst. Rund 10.000 Euro werden im Jahr pro Spieler fällig.“ Er selbst hat vor der Rente als Lehrer für Elektrotechnik gearbeitet. Seine Teamkollegen sind ehemalige Architekten und Anwälte. Christmann: „Besonders die ehemaligen Ärzte haben oft viel zu tun. Jeder muss seine Medikamente offenlegen. Ich frage bei allen immer vor jeder Einheit auch den Fitnesszustand ab. Aber da lügen 80 Prozent …“
„Julian Nagelsmann sollte mal bei uns vorbeischauen“
Im Oktober geht es nach Down Under. Das Ziel ist klar: Der Pokal soll erneut nach Deutschland. Einen aus Lego (2842 Teile) hat das Team aktuell immer dabei. Und auch ein Sticker-Album (ab 11. Mai auf www.wm-der-herzen.de erhältlich) gibt es von ihnen.
Auf dem Weg zur WM: die deutsche Ü75-Nationalmannschaft mit Teammanager Günter Christmann (79/mit Pokal)Wie stehen die Chancen auf den erneuten Triumph? Christmann: „Größer, als die der Profis. Julian Nagelsmann sollte mal bei uns vorbeischauen. Unsere Spielphilosophie ist jedenfalls variabler als die der jungen.“
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