Die Verlierer, die zugleich Gewinner sind
Es war das torreichste Halbfinalspiel in der bisherigen Geschichte der Champions League. Der FC Bayern verlor die Partie bei Paris St. Germain 4:5 (2:3) – doch das Ergebnis sagt einiges über die Leistung der Münchner aus. Offensiv wie defensiv.
Offensiv lieferten die Bayern enorm ab. Harry Kane, Michael Olise und Luis Diaz zeigten Weltklasse-Leistungen. Und sorgten dafür, dass die Bayern im Rückspiel am kommenden Mittwoch (21 Uhr, DAZN) in München weiter alle Chancen haben. In Paris herrschte nur ein Tor Rückstand – das ist das Fazit für die Bayern an diesem spektakulären Fußballabend.
Ihre wichtigste Erkenntnis: Sie können mit dem Titelverteidiger, mit der für viele derzeit besten Mannschaft Europas mithalten. Die Chancenverwertung beider Teams war – mit Ausnahmen in der ersten Halbzeit und in der Endphase – in vielen Situationen sehr gut. Die Intensität war enorm.
Im Rückspiel wird es darauf ankommen, ob die Bayern PSG-Star Chwitscha Kwarazchelia besser in den Griff bekommen als Dienstagabend in Paris. Der Georgier erzielte zwei Tore und war ein zentraler Faktor bei den Franzosen. Entscheidend wird auch sein, ob sie zumindest einige Konter der Pariser unterbinden können.
Das Hinspiel zeigte, dass sich aufgrund der schnellen Offensivstars beider Mannschaften nicht jede Torchance verhindern lässt. Es sind aktuell die besten Offensivreihen der Welt.
Die Verteidigung der Bayern muss dennoch besser werden, damit der Traum des Klubs von der Teilnahme am Endspiel am 30. Mai in Budapest und vom dritten Triple der Klubhistorie wahr wird. In dieser Phase dieser Saison nehmen die Münchner recht viele Gegentore hin: Drei in der Bundesliga beim 1. FSV Mainz 05, vier in den Viertelfinalspielen der Champions League gegen Real Madrid.
Die Spieler des FC Bayern nach dem Spiel vor der FankurveDie Innenverteidiger Jonathan Tah und Dayot Upamecano verteidigten oft gut, Paris hätte sonst wohl noch mehr Tore erzielt. Gefühlt existierte bei beiden Teams kein Mittelfeld, nach einem gewonnenen Zweikampf ging es sofort in Richtung Strafraum. Die Mannschaften standen sehr hoch, den Bayern fehlte in einigen Situationen die optimale Zuordnung.
Das Spiel spricht für die Moral der Bayern
Dass die Mannschaft nach dem 2:5 mutig weiterspielte, wie sie in dieser Saison mit Rückschlägen umgeht, das spricht für diese Bayern-Mannschaft. Auch ohne den gesperrten Trainer Vincent Kompany an der Seitenlinie zeigte sie die richtige Reaktion nach dem hohen Rückstand. Die Mannschaft blieb ruhig und hatte mehr Spielkontrolle.
Trotz des Drei-Tore-Rückstands gegen Paris nicht einzubrechen, das zeigt die Moral und den Charakter der Münchner. Fünf Gegentore in einem Spiel in der Königsklasse – das hatte es in der Geschichte des FC Bayern bislang erst einmal gegeben. Bei den Spielern um Joshua Kimmich herrschte nach der Partie zu Recht das Gefühl, dass noch alles möglich ist.
Der Nationalspieler brachte die merkwürdige Gefühlslage der Münchner, die als Verlierer auch ein bisschen Gewinner waren, sehr gut auf den Punkt: „Das Komische ist, dass wir fast schon zufrieden sein können, obwohl wir verloren haben. Das ärgert mich dann auch schon wieder.“
Nach diesem denkwürdigen Abend in Paris dürfen sich Fußballfans auf ein spektakuläres Rückspiel in München freuen.
Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit 15 Jahren über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen.
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