Zwischen Frust und Freude, Risiko und Chance – Die Formel 1 ringt um ihr Regelwerk
Die Formel 1 macht in der hitzigen Debatte um schnelle Reparaturen am neuen Regelwerk Ernst. Technikchefs der Teams und Vertreter der Motorenbauer beraten mit den Spitzen des Weltverbands Fia und der Rennserie über mögliche Änderungen, um die anhaltende Kritik aus dem Fahrerlager zu dämpfen. „Es schmerzt die Seele“, hatte Weltmeister Lando Norris zuletzt über die verlorene Vollgas-Lust und den stetigen Zwang zum Batterie-Management mit der neuen Motoren-Generation geklagt.
Die durch die Absage der Gastspiele in Bahrain und Saudi-Arabien unerwartet lange Pause bis zum nächsten Rennen in Miami am 3. Mai gibt den Machern der Formel 1 Luft für die Hinterzimmer-Diskussionen. Doch in der Frage, ob an der seit Jahresbeginn greifenden Regel-Revolution schon wieder geschraubt werden soll, besteht keinesfalls Einigkeit.
Für Regel-Änderungen sprechen unter anderem die wütenden Fahrer: Nach jedem der drei Saisonläufe wetterten eine Reihe von Piloten über die neue Formel 1. Ferrari-Star Charles Leclerc höhnte über Rennmanöver wie im Videospiel „Mario Kart“, weil der Tempo-Schub per Knopfdruck dank des höheren Elektro-Anteils im Antrieb so enorm ist. Veteranen wie Fernando Alonso verweisen spitz darauf, dass es wegen der Notwendigkeit des Batterieladens in einstigen Mutkurven gar nicht mehr möglich ist, ans Limit zu gehen. Vor allem in der Qualifikation vermissen viele Piloten den absoluten Kick, den eine Jagd auf die schnellste Runde in der Vergangenheit versprach.
Frust und Risiko
Die lautesten Proteste kamen zuletzt vom viermaligen Champion Max Verstappen. Ziemlich unverhohlen drohte der Niederländer sogar mit einem vorzeitigen Ausstieg aus der Rennserie. „Lohnt sich das? Oder genieße ich es mehr, zu Hause bei meiner Familie zu sein? Meine Freunde öfter zu sehen, wenn man keinen Spaß am Sport hat?“, fragte der 28-Jährige vor Beginn der fünfwöchigen Rennpause in einem BBC-Interview. Wächst der Frust weiter, könnte Verstappen dank einer Klausel spätestens zum Jahresende aus seinem noch bis 2028 laufenden Red-Bull-Vertrag aussteigen.
Zu den kritischen Stimmen kommt die Crash-Gefahr. Der heftige Unfall von Haas-Pilot Oliver Bearman in Japan stärkte die Bedenken der Kritiker der neuen Autos. Mit einem Überschuss von rund 50 Stundenkilometern rauschte der Brite gerade noch am Heck des Alpine von Franco Colapinto vorbei, geriet neben die Strecke und krachte in eine Bande.
„Es war Glück, dass es eine Auslaufzone gab. Man stelle sich so etwas in Baku, Singapur oder Las Vegas vor, wenn man mit diesem Tempo einen Unfall direkt an einer Mauer hat“, warnte Fahrersprecher Carlos Sainz. Der spanische Williams-Pilot forderte Änderungen, da solche Vorkommnisse mit den neuen Regeln kein Einzelfall bleiben würden.
Was gegen Eingriffe ins Regelwerk spricht
Bei allem Lärm der Gegner gibt es auch ganz andere Stimmen. So verglich Lewis Hamilton seinen Fahrspaß in den neuen Autos mit Go-Kart-Erlebnissen: „Das ist die beste Art des Rennfahrens. Und die Formel 1 war seit langem nicht mehr die beste Form des Motorsports.“ Auch von den Mercedes-Piloten Kimi Antonelli und George Russell ist keine Kritik zu hören, schließlich teilte das Duo an den ersten Renn-Wochenenden die Siege unter sich auf. Ihr Teamchef Toto Wolff sagte sogar: „Die Formel 1 verändert sich und entwickelt sich zum puren Rennsport.“
Und: Die Regel-Revolution ist ja noch neu, die Ära hat gerade erst begonnen. Formel-1-Chef Stefano Domenicali will eine „Überreaktion“ verhindern und mahnte „ein konstruktives Vorgehen“ bei den Diskussionen um Regeländerungen an. Schließlich sei nach erst drei Rennen noch kein finales Urteil möglich. Der Blick des Geschäftsführers richtet sich vor allem auf die zuletzt wieder stark gewachsene Fangemeinde, die sich meist viel Rennaction wünscht. „Die Formel 1 hat einen guten Job gemacht. Die Rennen sind unterhaltsam, der Fan kommt mit den vielen Überholmanövern auf seine Kosten“, sagte Sky-Experte Ralf Schumacher der „Sport Bild“.
Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify, Apple Podcasts oder direkt per RSS-Feed.
Das neue Regelwerk war außerdem ein Kern-Argument für den Einstieg von Herstellern wie Audi, Ford und General Motors und die Rückkehr von Honda in die Formel 1. Die Bestimmungen spiegeln jetzt deutlich mehr den Trend der Autoindustrie hin zur Elektro-Mobilität und lassen die Autobauer auf bessere Vermarktungschancen für ihre Hybrid-Serienfahrzeuge hoffen. Zudem versprach die Regel-Revolution den Neu-Einsteigern die Möglichkeit, schneller Erfolge zu erzielen.
Weniger Zwang zum Energie-Management, mehr Vollgas?
Eine schnelle Komplettwende ist zudem ausgeschlossen. „Ich denke nicht, dass es eine einfache Lösung gibt“, sagte McLaren-Teamchef Andrea Stella. Kurzfristig könnten kleinere Eingriffe in den Modus der Qualifikation die Kritiker etwas besänftigen.
Weniger Zwang zum Energie-Management, mehr Vollgas im Kampf um die besten Startplätze – das würde viele Fahrer schon freuen. Weitere Reformen wie die Änderung der Energiemenge, die Runde für Runde geladen muss oder darf, oder die Erhöhung des Verbrenner-Anteils zulasten der Elektro-Batterie wären technisch komplexer und könnten teils frühestens erst nächstes Jahr umgesetzt werden.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke