Hochverdient und begeisternd – Nach Olympia-Bronze feiern Hase/Volodin jetzt WM-Gold
Und dann laufen Minerva Hase und Nikita Volodin zum dreifachen Salchow an, die Musik dröhnt dramatisch und laut aus den Boxen, die Arena in Prag ist dunkel, die zwei Paarläufer erstrahlen im Licht. Der Salchow also. Jener Sprung, den die 26-Jährige bei den Olympischen Spielen in Mailand nur einfach statt dreifach gezeigt hatte. „Dieser verdammte Salchow“, hatte sie später mit der Bronzemedaille um den Hals im Deutschen Haus von Cortina gesagt – aber gelächelt. Platz drei war ein Grund zum Feiern, doch es wäre mehr drin gewesen. Und jetzt? Bei den Weltmeisterschaften in Prag?
Im Kurzprogramm am Vortrag sprang sie ihn sauber. An diesem späten Abend nun, gut fünf Wochen nach der Kür bei den Winterspielen von Mailand, geht es erneut um Gold. Hase öffnet den Salchow nach zweieinhalb Umdrehungen.
Ansonsten aber glänzen die zwei von der ersten bis zur letzten Sekunde – am Ende wird es ihre Goldkür. Vor 13.500 begeisterten Zuschauern, darunter etlichen deutschen Fans, gewinnen Minerva Hase und Nikita Volodin am Donnerstagabend mit insgesamt 228,33 Punkten den Weltmeistertitel. Nach Olympia-Bronze 2026 sowie WM-Bronze und WM-Silber in den zwei Jahren zuvor stehen sie nun ganz oben auf dem Podest – und genießen das bei der Siegehrung sichtlich. Immer wieder umklammert Hase ihre Medaille, unaufhörlich lächeln und grinsen beide. Dann erklingt die deutsche Hymne.
„Diese Medaille bedeutet uns eine Menge“, sagt Hase wenig später. „Es zeigt, dass wir als Team in den vergangenen Jahren gewachsen sind, dass sich unsere Arbeit lohnt, der Weg richtig ist und wir unter Druck performen können. Die Zuschauer waren außerdem fantastisch, sie haben uns wirklich getragen.“
Für Hase und Volodin ist es ihr zweiter Titel nach EM-Gold 2025 – jetzt allerdings auf der deutlich größeren Bühne. Sie feiern damit den bisherigen Höhepunkt ihrer gemeinsamen Reise, die erst vor dreieinhalb Jahren begann. Zudem ist es der erste deutsche WM-Sieg im Eiskunstlauf seit dem Triumph von Aljona Sawtschenko und Bruno Massot 2018. Deutschland hat ein neues Goldpaar.
Der Moment, als der Sieg feststehtDas Duo verwies die Olympia-Zweiten Anastasia Metelkina und Luka Berulawa aus Georgien mit deutlichem Abstand auf Rang zwei (218,41), Bronze ging an die Kanadier Lia Pereira und Trennt Michaud (216,06). Das zweite deutsche Paar Annika Hocke und Robert Kunkel hatte wie schon bei den Winterspielen in Mailand mit seiner Kür zu Meat Loafs „I'd Do Anything For Love“, vor allem mit einer spektakulären Flugshow am Ende, die Zuschauer zu Standing Ovations hingerissen. Riesenjubel bei dem Paar auf dem Eis, den Trainern an der Bande und dem Publikum auf den Tribünen. Am Ende wurden es 194,11 Punkte und Rang sieben.
Standing Ovations, Goldfontänen
Das in Berlin trainierende Duo Hase/Volodin war am Mittwoch bereits perfekt in den Wettbewerb gestartet und hatte im Kurzprogramm mit einem eigens für sie komponierten Tango begeistert: 79,78 Punkte bedeuteten Rang eins. Als Führende aber waren sie auch bei den Olympischen Winterspielen in Mailand in die Kür gegangen. Dort aber hatten dann die Japaner Riku Miura und Ryuichi Kihara, angetreten als Weltmeister von 2025, ein Meisterwerk erschaffen – während Hase den Salchow nur einfach gesprungen war und weitere kleinere Unsauberkeiten hinzukamen.
In Prag nun, in Abwesenheit von Miura und Kihara, gingen die Deutschen mit einem minimalen Vorsprung vor den Olympia-Zweiten aus Georgien in die letzte wichtige Kür dieser Saison – vielleicht sogar ihrer Karriere, deren Ende oder Fortgang sie noch offenlassen.
Hoch hinaus: Minerva Hase und Nikita VolodinWas sie dann boten, war ein Rausch zu getragenen Klängen von Max Richter. Fast so, wie sie es sich bei den Olympischen Spielen erhofft hatten – wäre der Fehler nicht gewesen. Doch er zerstörte das Gesamtbild nicht. Scheinbar befreit von der Last der großen, goldenen Olympia-Chance, von zu viel Druck, Zweifel oder eigener Erwartungshaltung zeigten sie ihr anspruchsvolles Programm, beginnend mit dem Dreifach-Twist, gefolgt von der Sequenz aus Dreifach-Toeloop, Doppel-Axel, Doppel-Axel und weiteren Elementen.
„Nikita hat Minni verdient und Minni hat Nikita verdient“
„Sie sind vor und auch nach dem Fehler sehr gut gelaufen, haben nicht zu viel Schwung verloren, waren sehr tief in den Elementen und in der Musik drin und haben hochverdient gewonnen“, sagte ARD-Experte Daniel Weiss WELT. An diesem Abend fühlten Hase/Volodin die Musik, kosteten jede Bewegung, jede Mimik aus. Diese Kür, sie lebte in Prag von Emotionen und vor allem Harmonie. Nach dem letzten Ton, dem letzten Schritt beendeten sie ihre Show auf Knien – und der Gesichtsausdruck Hases sprach Bände.
Während sie Volodin in Mailand noch entschuldigend und geknickt angesehen hatte, er tröstend und lächelnd die Hand auf ihre Schulter gelegt hatte, strahlten nun beide, sie fiel ihm um den Hals. Standing Ovations auf der Tribüne.
Glück am EndeAuf dem Sofa warteten sie danach gemeinsam mit ihren Trainern Knut Schubert und Dimitri Sawin auf die Punkte. Kurz darauf leuchtete das Resultat auf: 148,55 Zähler für die Kür, 228,33 insgesamt. In der Mitte der Arena sprudelten im selben Moment Goldfontänen, und die beiden sprangen jubelnd vom Sofa. „Wir kamen her und wollten Spaß haben. Natürlich ist Gold extrem nett“, sagte Hase direkt danach lächelnd dem Stadionsprecher. Der hakte nach: „Wirklich? Ist das die Wahrheit?“ – „Na gut“, antwortete sie. „Natürlich ist es im Kopf: ‚Wie wäre es, wenn wir als Weltmeister aufwachen.‘ Aber man versucht, das nicht zu nah heranzulassen.“
Freitag nun werden sie tatsächlich als Weltmeister aufwachen. „Nikita hat Minni verdient“, sagte Schubert kürzlich, „und Minni hat Nikita verdient.“
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