Die ersten Versuche auf Langlaufskiern vor gut einem Jahr endeten für Kathrin Marchand auf dem Hosenboden. Gerade die kurzen Abfahrten auf den vier Zentimeter schmalen, rutschigen Latten ohne Kanten zum Bremsen machten ihr zu schaffen. Doch die Kölnerin ließ sich nicht entmutigen. Nun sagt sie stolz: „Ich werde die erste Sportlerin sein, die an drei verschiedenen Versionen der Olympischen Spiele an den Start geht.“

2012 in London und 2016 in Rio startete Marchand als Ruderin bei den Olympischen Spielen – ihre Resultate: Platz sieben im Achter und Platz acht im Zweier. Nach einem Schlaganfall 2021 war sie dann als Ruderin bei den Paralympics 2024 in Paris dabei. Nun geht sie als Skilangläuferin bei den Winter-Paralympics in Tesero/Italien in die Loipe und schreibt ein Stück Sportgeschichte. Ihre Disziplinen: 1,3 Kilometer Sprint und zehn Kilometer klassisch.

Dabei hatte Marchand nach einem für sie enttäuschenden vierten Platz 2024 in Paris ihre Sportkarriere gedanklich schon beendet. Doch im Deutschen Haus fragte sie damals der Ausdauer-Beauftragte des Behindertensportverbandes (DBS), ob sie nicht mal Skilanglauf ausprobieren möchte. Nach einem Testlauf auf Ski-Rollern auf dem Parkplatz vor dem Müngersdorfer Stadion sagte sie zu. Die neue Herausforderung reizte sie.

Für ihre Wintersportkarriere kündigte die Ärztin sogar ihre Festanstellung an der Kölner Orthoparc-Klinik (halbe Stelle) und arbeitet dort nur noch auf Honorarbasis. Zwei Wochen pro Monat trainiert sie nun am Ski-nordisch-Stützpunkt in Freiburg.

Ein Winter reichte, um in der Weltspitze anzukommen. Bei der WM im Dezember 2025 in Toblach lief sie über zehn Kilometer klassisch auf Platz sechs. Zuletzt beim Weltcup im bayerischen Finsterau belegte sie zweimal Platz vier. „Bislang blieb mir eine Medaille bei Olympia oder den Paralympics verwehrt. Wenn ich mir diese nun als Skilangläuferin holen könnte, würde ein Traum in Erfüllung gehen“, sagt sie.

Beim Spinning: Plötzlich wurde ihre linke Körperhälfte taub

Marchand hat gelernt, He­rausforderungen anzunehmen und diese zu meistern. Der 1. September 2021 veränderte ihr Leben radikal. Beim Spinning zu Hause wird plötzlich ihre linke Körperhälfte taub, sie sieht nur noch eingeschränkt. Als Ärztin weiß sie sofort: Schlaganfall.

Seitdem hat sie Koordinationsstörungen auf der linken Seite, ihr Sichtfeld ist auf beiden Augen um ein Drittel eingeschränkt. „Das war ein Schock, und es hat lange gedauert, damit klarzukommen“, sagt sie. „Aber jetzt nehme ich die Dinge so an, wie sie sind. Eigentlich wäre ich gestorben. Meine Überlebenswahrscheinlichkeit betrug unter fünf Prozent. Was ich jetzt erleben darf, begreife ich als zweite Chance.“ Ihr Lebensmotto lautet: „Man muss das Positive in den Dingen sehen. Das Leben hält viel bereit für einen, wenn man mit offenen Augen und Armen durch die Welt spaziert.“

Auch mit dem Rudern hat Marchand, die sich über eine ­Berufsunfähigkeitsrente, die Sporthilfe (1050 Euro), ihre Honorartätigkeiten und drei Sponsoren finanziert, wieder angefangen. Im Doppelzweier gewann sie 2025 EM- und WM-Gold. „Die Sommer-Paralympics 2028 in Los Angeles habe ich fest im Blick“, sagt sie.

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