„Einschüchternde Entscheidung“ – Eisschnelllauf-Skandal spitzt sich zu
Nach der vorläufigen Sperre für Eisschnellläufer Fridtjof Petzold hat Teamkollege Hendrik Dombek Kritik an der Entscheidung der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft geübt. „Die Athletinnen und Athleten halten die Entscheidung für überzogen und einschüchternd“, sagte der Athletenvertreter der DESG der „SZ“. Man wünsche sich auch deshalb „eine unabhängige Aufklärung der zahlreichen Vorwürfe“.
Während der Olympischen Winterspiele in Italien hatte Petzold von strukturellen Problemen im Verband und schlechter Betreuung gesprochen. Die DESG-Führung um ihren Präsidenten Matthias Große sowie Sportdirektorin Nadine Seidenglanz wies die Anschuldigungen zurück und erteilte ihrem Athleten ein vorläufiges Startverbot. Zudem wurde Petzold der Status als Bundeskaderathlet entzogen. Beide Beschlüsse gelten bis zu einer endgültigen Entscheidung durch den Disziplinarbeirat.
Der Verein Athleten Deutschland fordert die sofortige Aufhebung des Startverbots und kritisierte, dass der Disziplinarrat über mögliche Sanktionen für Petzold entscheide. Schließlich seien dort Personen vertreten, „die maßgebliche Mitverantwortung für die von Petzold angesprochenen Probleme tragen“.
Eisschnelllauf-Verband benennt Sonderbeauftragten des DESG-Präsidiums
Aus Solidarität mit Petzold hatte Eisschnellläufer Felix Maly seine Teilnahme an der Mehrkampf-WM in dieser Woche abgesagt. Dombek steht hingegen in der Startliste für die Wettkämpfe.
Über den Verein Athleten Deutschland hatte Dombek mitgeteilt: „Der Verband und seine Mitgliedsorganisationen sollten die gegenwärtige Situation als Chance für eine Veränderung der Kommunikationskultur und des Umgangs miteinander nutzen.“ Es benötige ein Zeichen der DESG-Führung, dass eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung erwünscht sei.
Bereits am Mittwoch hatte Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland, in einer Mitteilung die Position klar gemacht. „Wir fordern eine unabhängige Untersuchung, die Fehlverhalten und Verantwortung klar benennt“, schrieb Herber. Nur so könne „ein Rahmen geschaffen werden, der Athletinnen und Athleten schützt und Höchstleistungen ermöglicht. Ein solcher Rahmen muss Kernanliegen des Bundes als primärem Förderer und des DOSB als Dachverband sein. Wir erwarten von beiden, eine unabhängige Untersuchung zu initiieren und gegenüber der DESG durchzusetzen“.
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Die Situation bei der DESG war am Mittwoch auch Thema im Bundestags-Ausschuss für Sport und Ehrenamt. Laut Tagesordnung will die Bundesregierung einen Bericht vorstellen. Die Sitzung war bei diesem Tagesordnungspunkt nicht öffentlich.
Am Donnerstag teilte die DESG mit, im ehemaligen Eisschnellläufer Christian Breuer einen Sonderbeauftragten des Präsidiums bestimmt zu haben, um die im Vorjahr beschlossene Strukturkommission zu leiten. Ziel der Kommission sei es, gemeinsam mit interner und externer Expertise Vorschläge für die zukünftige Struktur und Arbeitsweise des Verbandes zu erarbeiten und das Präsidium beratend zu unterstützen.
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