Sportfoto das Jahres – Der Mann, der über die Elbe läuft
Es gibt solche Tage, an denen einfach alles funktioniert. Der Dresdner Fotograf Robert Michael hat das gerade erleben dürfen. Am Vormittag besteht er die Prüfung für seinen Drohnenführerschein. Den benötigt er laut EU, wenn er mit seiner Kamera aus der Luft Aufnahmen machen möchte. Jetzt darf er das. Am Nachmittag dann der Anruf der WELT AM SONNTAG mit einer vielleicht noch besseren Nachricht: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben mit Ihrem Foto „Wasserläufer“ den Sven-Simon-Preis gewonnen. „Was für ein Tag“, erwidert der 47-jährige dpa-Fotograf. „Ich kann gar nicht sagen, wie happy ich bin.“
Für ihn sei der Sven Simon Preis immer ein großer Traum gewesen, sagt Michael. „Einer, an dem ich mir bislang die Zähne ausgebissen habe. Teilgenommen habe ich immer. Dass es jetzt zum Sieg gereicht hat, ist einfach unbeschreiblich.“
Ende Juli hatte Robert Michael bei den sogenannten „Finals“ in Dresden, den Deutschen Meisterschaften in mehreren Sportarten, einen Triathleten beim Start fotografiert. Auf dem Bild sieht es aus, als könne Robert Gould vom TV 1848 Erlangen über Wasser laufen. „Tatsächlich ist es einfach nur das Reinrennen ins Wasser“, erklärt Robert Michael. „Er war der vierte Athlet einer Staffel. Das ist auch der Grund, warum er so allein vor der Stadtkulisse zu sehen ist. Das Feld hatte sich in Runde vier schon weit auseinandergezogen.“ Nur ein Schritt weiter, und der Triathlet würde ins Wasser tauchen und schwimmen. Robert Michael hat ihn erwischt, diesen einen, so speziellen Moment.
Den zweiten Platz belegt Thilo Wiedensohler. Sein Bild „Hoch und quer“ zeigt den Berliner Basketballer Justin Bean, wie er in einem Champions-League-Spiel gegen den tschechischen Klub ERA Nymburk quer am Korb hängt. Auf Rang drei landet Mika Volkmann mit seinem Bild „A Heartbeat in Stone“, das den italienischen Klippenspringer Marco Ghioni bei der International Cliff Diving Championship in Tessin/Schweiz bei einem Sprung vom 20-Meter-Felsen zeigt.
Sportfotos üben eine besondere Faszination aus. In einem Moment werden sowohl Emotionen festgehalten als auch die Schönheit des Augenblickes. Mit dem Sven-Simon-Preis prämiert die WELT AM SONNTAG seit 1999 das Sportfoto des Jahres. Das Siegerbild wird mit 10.000 Euro honoriert.
Das Besondere an diesem Award: Sportlegenden ehren Fotografen. Die Jury des Sven-Simon-Preises ist hochkarätig besetzt. Bis zu ihrem Tod gehörten Franz Beckenbauer und Rosi Mittermaier dieser Jury an. Ski-Weltmeister Felix Neureuther übernahm den Platz seiner Mutter, Fußball-Weltmeister Bastian Schweinsteiger den des Fußball-Kaisers. Außerdem dabei die Weltmeister und Olympiasieger Katarina Witt, Franziska van Almsick, Manuel Neuer, Birgit Fischer, Maria Höfl-Riesch, Malaika Mihambo, Heiner Brand, Stefan Blöcher, Natalie Geisenberger, Ryder-Cup-Sieger Martin Kaymer und NHL-Superstar Leon Draisaitl, der neu in die Jury gerückt ist. Für die Fotografen ist es eine ganz besondere Ehre, ausgerechnet von denen ausgezeichnet zu werden, die sie ihr Leben lang begleiten.
Der Preis wurde nach Axel Springer jr., Sohn des Verlegers Axel Springer, benannt. Er war unter dem Pseudonym Sven Simon ein leidenschaftlicher Fotograf und gewann zahlreiche renommierte Preise. Sein berühmtestes Bild zeigt Fußball-Ehrenspielführer Uwe Seeler auf dem Rasen des Wembley-Stadions nach der WM-Niederlage 1966 gegen England. Dieses Motiv wurde später sogar zum „Sportfoto des Jahrhunderts“ gekürt.
„Das Siegerbild zeigt, welche Magie in guter Sportfotografie steckt“
Im Januar 1980 schied Axel Springer jr. im Alter von 38 Jahren aus dem Leben. Um sein Andenken zu wahren, stiftete die WELT AM SONNTAG den Sven-Simon-Preis. Den Juryvorsitz hat Axel Sven Springer, Sohn des Verstorbenen. Er sagt: „Der Wasserläufer fängt einen perfekten Moment ein und zeigt, welche Magie in guter Sportfotografie steckt. Es war auch für mich das beeindruckendste Bild aus einer Gruppe starker Finalfotos.“
Robert Michael reiht sich mit seinem Erfolg ein in eine Riege großer Fotografen. Er fährt nun bereits mit „Gold“ dekoriert zu den Winterspielen nach Cortina. Er wird dort Bob, Rodeln und Skeleton ablichten. Vielleicht erstmals mit einer Drohne. In jedem Fall wird er sein bestes Bild einreichen für den Sven Simon Preis 2026.
Die Plätze zwei bis zehn
Alle Sportfotos des Jahres – die Galerie der Sieger
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