Hermann Gruber betreut die deutschen Skibergsteiger gerade als sportlicher Leiter bei ihrer Olympia-Premiere in Bormio. In einem Bericht der ARD wurden gegen den Offiziellen nun schwere Vorwürfe erhoben, die demnach zu einer Strafanzeige führten. Auch gegen den ehemaligen Bundestrainer Maximilian Wittwer wurden in dem Bericht Vorwürfe laut.

Konkret berichtete die ARD von einer Studie, bei der sich deutsche Kaderathleten binnen weniger Stunden bis zu 60 Blutabnahmen unterziehen sollten. Dabei seien nach Aussagen der Sportler Hygienestandards missachtet worden. Auch sei Druck von den Offiziellen ausgeübt worden, überhaupt an der Studie teilzunehmen. Einige Einverständniserklärungen der teils minderjährigen Teilnehmer hätten zudem gefehlt.

Zu Wort kamen die Skibergsteiger Felix Gramelsberger und Sophia Weßling, die sich zum Zeitpunkt der Vorfälle, die laut ARD ungefähr ein Jahr zurückliegen, im Perspektivkader des Deutschen Alpenvereins (DAV) befanden.

„Ich hatte gleich den Eindruck, dass das Wohl der Athleten nicht an erster Stelle steht, dass es eine wahnsinnige Blutpanscherei war. Sie haben mit den fremdblutverschmierten Handschuhen in die Einstichstellen gedrückt, und dadurch bestand ein erhebliches Infektionsrisiko“, schilderte Gramelsberger. Seine Kollegin Weßling: „Irgendwann wurde dann die Wundkruste abgekratzt, damit man wieder an das Blut kommt. Dann wurde neu angestochen, es war einfach nur noch tierisch schmerzhaft.“

Welche Ziele die Studie verfolgte, wie diese genau ausgestaltet war und wie viele Sportler insgesamt teilnahmen, geht aus dem ARD-Bericht nicht hervor. Die Auswertung sei in Kooperation mit einer Hochschule erfolgt, sowohl der sportliche Leiter Gruber als auch Ex-Bundestrainer Wittwer, der laut seines LinkedIn-Profils bis Juni 2025 als Bundestrainer arbeitete, seien bei der Auswertung vor Ort gewesen. Beide äußerten sich auf ARD-Anfrage inhaltlich nicht. Der DAV drückte sein Bedauern aus, dass es zu einem Konflikt mit den Athleten gekommen sei.

Die ARD zitierte aus Grubers E-Mails, in denen dieser geschildert habe, dass die Athleten zur Teilnahme verpflichtet seien. Ansonsten würden Sanktionen drohen. Diese können bis zum Verlust des Kaderplatzes reichen.

„Es wurde sehr konkret gedroht“

Kritik an den Maßnahmen war offenbar unerwünscht. Athlet Gramelsberger berichtete, dass er Bedenken geäußert habe – dann aber Druck auf ihn ausgeübt worden sei. „Ich bekam einen sehr schönen Anruf vom damaligen Bundestrainer. Er sagte, er fände das nicht richtig, dass ich andere Athleten aufwiegele. Es wurde sehr konkret gedroht, dass ich Kritik unterlassen solle.“ Außerdem: „Man hat mehrfach versucht das anzusprechen, wurde aber als hysterisch abgestempelt.“ Auch Weßling habe die Missstände bei der sportlichen Leitung angezeigt.

Schlussendlich verloren sowohl Gramelsberger als auch Weßling ihren Kaderplatz, offiziell aus sportlichen Gründen, wie es in dem Bericht heißt. „Man verliert alles. Man verliert seine Absicherung bei den Behörden, kriegt keine Trainingslager finanziert. Man verliert alle Teamsponsoren, man bekommt kein Material mehr. Man ist sportlich gesehen tot“, schilderte Weßling die Folgen. An einen Olympiastart war nicht mehr zu denken. Für die Wettbewerbe in Bormio wurden Finn Hösch, Tatjana Paller und Helena Euringer nominiert. Paller wurde am Donnerstag Vierte im Sprint.

Gramelsberger und Weßling schalteten eine Anwaltskanzlei ein, woraufhin der DAV einer rechtlichen Überprüfung der Vorwürfe zugestimmt habe. In dem daraus entstandenen Gutachten heißt es laut ARD, dass bei einem oder beiden Verbandsmitgliedern (Gruber und Wittwer) Anhaltspunkte der Körperverletzung, Nötigung und Beihilfe zur Körperverletzung vorlägen. Nach der Strafanzeige – der Absender bleibt in dem Bericht unklar – könnte nun die Staatsanwaltschaft Traunstein ermitteln. Es gebe eine entsprechende Prüfung.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke