„Ohne Deutsche wäre hier gar nichts los“ – plötzlich kocht die Curling-Halle
Beim Curling geht es normalerweise gesittet zu. Auch in der Eishalle von Cortina d‘Ampezzo bei den Olympischen Spielen. Meist sind die Anweisungen der Spieler, die sie quer über die Eisfläche rufen, auch noch auf dem letzten Platz zu hören. Beim Sieg der deutschen Männer gegen Norwegen gab es am Donnerstag eine Gruppe, die etwas dagegen hatte. Unerbittlich kämpften die Männer aus dem Oberrang gegen die Stille in der Halle an. Sie gewannen und verwandelten die Arena in einen Stimmungs-Tempel.
„Ohne Deutsche wäre hier gar nichts los“ sangen sie, um anschließend die Arena wissen zu lassen, von wo aus sie nach Italien angereist sind: „Allgäuer Jungs, Allgäuer Jungs, wir sind alle Allgäuer Jungs.“
Die Stimmung blieb natürlich auch dem deutschen Team nicht verborgen. Immer wieder schauten die vier Spieler lächelnd in Richtung des Fanblocks. „Wenn die Gegner gespielt haben, haben wir uns angeguckt und in die Arena geschaut. Wir haben das genossen. Wir konnten es gar nicht glauben, das war eine Stimmung wie im Fußballstadion“, sagte Johannes Scheuerl.
„Kapp Kapp Kapp Benni Kapp Kapp Kapp Benni Benni Kapp Kapp Kapp“
Nach dem knappen 6:7 am Mittwochabend gegen Gold-Favorit Kanada feierte das Team die Unterstützung gegen Norwegen. „So viele deutsche Fans hatten wir noch nie. Das war ja ein Heimspiel“, sagte Benjamin Kapp. Und es war wirklich eines für ihn: „Da oben saßen viele Bekannte von mir“.
Sie feierten ihn, indem sie den Ballermann-Hit Johnny Däpp auf ihn umdichteten. „Ich habe probiert, während des Spiels mein Lachen zu unterdrücken“, sagte Kapp. Ob er denn mit dem Ohrwurm ins Bett gehe? „Na, hoffentlich!“
Den Animateuren aus dem Oberrang Nordseite („wenn es hier noch richtiges Bier gäbe, würden wir länger bleiben“) gelang nach einem weiteren Schluck Corona Erstaunliches: „Steht auf, wenn Ihr Deutsche seid.“ Auf einmal stand die halbe Halle, nicht nur der Fan mit der Fahne des Zweitligaklubs Darmstadt 98, sondern auch die Frau, im amerikanischen Fan-Look, die gar nicht wusste, warum sich die meisten um sie herum erhoben hatten.
Auch die ARD machte sich auf den Weg in das Epizentrum der guten Laune. Der Sender schickte seinen Wintersport-Experten Eric Lesser in den Fanblock, um die Unterstützung des deutschen Teams einzufangen. Der ehemalige Biathlet gewann mit der Staffel 2014 in Sotschi Olympia-Gold und holte bei denselben Spielen Silber im Einzelrennen über 20 Kilometer.
„Der Eric singt uns jetzt ein Lied“
Zwei, drei Fragen, dann wollte Lesser wieder gehen. Aber nicht mit den „Allgäuer Jungs“. Die acht Mann starke Truppe fing an zu grölen: „Der Eric singt uns jetzt ein Lied“. Als der Olympionike zögerte, legten die Männer nach: „Die Unterlippe zittert schon, zittert schon, zittert schon.“
Lesser gab nach und stimmte das „Rennsteiglied“, die inoffizielle Hymne Thüringens, an, das auch schon Rodler Max Langenhan nach seinem Gold-Triumph auf der Bühne im deutschen Haus gesungen hatte. Noch schnell ein Foto, dann durfte Lesser gehen – „ohne Deutsche wär hier gar nichts los.“
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