Zensur nach der Rodel-Staffel? Botschaft der Ukrainer im TV nicht zu hören
Die erste Botschaft kam noch an. Es war eine Geste, die sich die ukrainische Team-Staffel der Rodler überlegt hatte. Nach ihrem Lauf knieten sich Julianna Tunyzka, Andrij Mandsij, Ihor Hoj, Nasarij Katschmar, Olena Stezkiw und Olexandra Moc im Zielbereich demonstrativ und geschlossen hin. Die Athleten reckten ihre Helme in die Höhe. Ein Zeichen der Solidarität für ihren Landsmann Wladislaw Heraskewytsch.
Dem Skeletoni war am Donnerstag der Start in seinem Wettbewerb verboten worden, weil der 27-Jährige nicht auf das Tragen des vom IOC verbotenen besonderen Kopfschutzes verzichten. Der Helm ist versehen mit den Konterfeis von im Krieg gegen Russland getöteten Sportkollegen. Er habe sie ehren und ihrer gedenken wollen, hatte Heraskewytsch stets beteuert.
Das IOC und der zuständige Weltverband stützten sich beim Ausschluss hingegen auf die Richtlinien der Olympischen Charta, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Olympischer Spiele politische Botschaften während eines laufenden Wettbewerbs untersagt. Heraskewytsch hat mittlerweile gegen den Ausschluss Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas eingelegt.
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Die ukrainischen Rodler sendeten offenbar noch ein zweites Zeichen. Dieses allerdings kam nicht über den Eiskanal von Cortina hinaus. Es war eine akustische Botschaft, die das Team in die Mikrofone rief, als es während ihrer zwischenzeitlichen Führung in der so genannten Leader's Box Platz genommen hatte. Zu sehen war, wie sie eine ukrainische Fahne präsentierten und etwas riefen: „Wlad, wir sind bei dir. Ukraine, wir sind bei dir.“ Der Ton war im TV jedoch – anders als sonst bei diesen Olympischen Spielen – nicht zu hören. Ein Zufall? Oder Zensur?
Ludwig und Loch üben Kritik
„Es ist schon äußerst fragwürdig, was da so passiert, das muss ich sagen“, kommentierte Johannes Ludwig, Rodel-Olympiasieger von 2018 und 2022 und mittlerweile als TV-Experte im ZDF aktiv: „Und ich betrachte das als Bundespolizist auch aus einer Sichtweise, dass ich Menschen und Grundrechte auch zu achten habe. Das ist ja ganz, ganz wichtig. Und solch eines ist in Deutschland ja die Meinungsfreiheit“, führte Ludwig fort: „Und da finde ich es schon äußert fragwürdig, dass in solchen Momenten dann quasi einem fast das Wort verboten wird. Das kann ich so nicht gutheißen.“
Nach der Goldfahrt der Deutschen hatte sich auch Rodler Felix Loch noch einmal zum Fall des ukarinischen Skeletoni geäußert. Wladislaw Heraskewytsch sei sein Freund. „Ich bin enttäuscht für ihn, weil er sein Olympiarennen nicht fahren konnte. Er wollte mit diesem Helm an seine sportlichen Kollegen erinnern. Nichts anderes“, so Loch, der das Verhalten der Funktionäre kritisierte: „Ich hätte mir ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl vom IOC erwartet. Noch dazu, weil er ja nicht erst heute damit herkam, sondern es schon länger beantragt hatte, dass er mit dem Helm fahren will. Das ist unglaublich bitter für ihn. Es tut mir für ihn und sein Land mega leid.“
Andrij Mandsij erklärte später die Geste im Zielbereich: „Das war kein Protest gegen das IOC. Wir wollten damit unsere Solidarität mit Wladislaw zeigen“, sagte der ukrainische Rodler. Dass ihre akustische Botschaft nicht übermittelt worden war, wusste er zu dem Zeitpunkt noch nicht.
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