„Gesichter der getöteten Athleten sind ‚zu politisch‘ für die perfekte TV-Show des IOC“
Wladimir Klitschko erhebt nach der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees gegen seinen Landsmann Wladyslaw Heraskewytsch schwere Vorwürfe.
Der ukrainische Skeletonfahrer darf nicht bei den Olympischen Spielen starten – weil er mit seinem Helm an 20 im Krieg gefallene Sportler erinnern wollte.
Ex-Boxweltmeister Klitschko sagte nach dem Vorgang der „Bild“: „Dabeisein ist alles. Für russische und belarussische Athleten, aber für die getöteten ukrainischen Sportler ist nicht einmal Gedenken erlaubt. Das IOC behauptet, es gehe nicht um Politik, sondern nur um Sport. Damit hat das alles nichts mehr mit Olympischen Spielen zu tun – das sind politische Spielchen.“
Das IOC, sagte der 49-Jährige, „schützt keine Neutralität, es schützt sein Image. Die Gesichter der ukrainischen Athleten, die ihr Leben für die Freiheit gegeben haben, sind ‚zu politisch‘ für Ihre perfekte TV-Show. Der olympische Idealismus geht im kalten Kalkül des globalen Sportbusiness verloren“.
Er betonte: „Wenn ich heute an meine olympische Goldmedaille denke, spüre ich keinen Stolz mehr, sondern Scham.“
Heraskewytsch wollte die gefallenen Athleten nicht „verraten“
Wladimir Klitschko holte 1996 in Atlanta Olympia-Gold im Superschwergewicht. Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gehört der Bruder von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko zu den bekanntesten Freiheitskämpfern des Landes.
Der 27 Jahre alte Heraskewytsch war bei mehreren Trainingsläufen mit dem Helm gefahren. Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren gegen eine russische Invasion.
In den vergangenen Tagen hatte das IOC mehrfach versucht, auf den Ukrainer einzuwirken. Zunächst wurde ihm noch erlaubt, mit dem Helm im Training zu starten. Gleichzeitig hieß es jedoch die ganze Zeit, dass Heraskewytsch im Rennen selbst nicht starten dürfte. Der Ukrainer wollte aber nicht die gefallenen Sportkollegen „verraten“, wie er vor seiner Disqualifikation sagte.
Heraskewytsch sprach im ZDF über die Gründe, warum er hart geblieben ist, den Helm mit den getöteten Athleten unter allen Umständen tragen wollte und damit sein Aus bei Olympia besiegelte: „Weil sie es verdienen, hier zu sein. Dank ihres Opfers können wir heute hier sein. Wir sind dank ihnen am Leben, dank ihres Opfers. Und ich glaube, ich habe jedes Recht, heute hier bei ihnen zu sein. Wie gesagt, einige von ihnen waren meine Freunde, andere waren Athleten aus der olympischen Familie. Und ich sehe keinen Verstoß darin, ihnen Ehre zu erweisen. Ich habe nie darüber nachgedacht, den Helm nicht zu tragen.“
Selenskyj reagierte empört auf den Schritt des IOC
Für das IOC ein Verstoß gegen Regel 50 der Olympischen Charta. Diese untersagt politische, religiöse oder persönliche Demonstrationen im Wettkampfbereich. Der Ukrainer möchte sich nun mit seinem Team und Anwälten beraten, und einen Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof (Cas) vorbereiten.
Auch Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte empört auf den Schritt des IOC. „Sport bedeutet nicht Erinnerungslosigkeit, sondern die olympische Bewegung sollte den Krieg stoppen helfen und nicht dem Aggressor zuspielen“, schrieb Selenskyj auf sozialen Netzwerken. Olympia basiere auf Gerechtigkeit und der Unterstützung von Frieden.
Selenskyj dankte dabei Heraskewytsch für dessen „klare Haltung“. „Das erinnert die ganze Welt daran, was die russische Aggression ist und welchen Preis der Kampf für die Unabhängigkeit hat“, schrieb der Staatschef. Damit werde keine Regel gebrochen. Selenskyj zufolge sollten eher die 13 russischen Teilnehmer disqualifiziert werden, da sie die „russische Aggression gegen die Ukraine und die Besetzung unserer Gebiete unterstützen. Wir sind stolz auf Wladyslaw und seine Tat. Mut zu haben bedeutet mehr als der Gewinn von Medaillen“.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke