Wladislaw Heraskewytsch trainierte sein Leben lang auf diesen einen Moment hin – die Olympischen Spiele. Es ist das Größte für einen Sportler, hier zu starten. Doch dem ukrainischen Skeletonpiloten waren seine Werte und das Gedenken an seine im Krieg gefallenen Freunde wichtiger als Gold, Silber oder Bronze.

Heraskewytsch ließ es darauf ankommen. Am Morgen des Rennens teilte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry dem Ukrainer mit, dass er disqualifiziert sei. Unter Tränen berichtete sie von dem Treffen mit Heraskewytsch und dessen Vater. Es war ihre erste weitreichende Entscheidung als IOC-Präsidentin.

„In der Ukraine haben wir im Moment auch viele Tränen, und ich möchte ihre Gefühle nicht kleinreden, aber ich glaube, dass wir uns an die Regeln halten sollten – und ich glaube, dass wir nicht dagegen verstoßen haben. Sie spielt damit erneut der russischen Propaganda in die Hände“, sagte Heraskewytsch.

Das Verhalten des IOC, das sich auf die selbst auferlegten Regeln beruft, ist bigott. Der Verband ließ Heraskewytsch in den Trainingsläufen mit dem Helm starten. Wohl wissend, dass an der Strecke keine Zuschauer stehen und die Läufe unter dem Radar stattfinden.

Konsequent wäre es gewesen, es ihm gleich zu verbieten. Oder es eben zu erlauben. Es heißt dann immer, das würde dann ja jeder tun. Na und? Solange es nicht gegen die Menschenrechte verstößt, sollen die Sportler doch bitte ihre Meinung äußern dürfen.

Das IOC wird nicht müde, von der großen olympischen Familie zu reden. Die Athleten, derer Heraskewytsch auf seinem Helm gedachte, waren Teil dieser Familie. Ihre Teamkameraden und Freunde sind nicht nur als Sportler bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d‘Ampezzo. Der Schrecken des russischen Angriffskriegs in ihrer Heimat ist auch hier allgegenwärtig. Jeder Sportler hat Freunde und Familie, die an der Front kämpfen, unter den Auswirkungen des Krieges leiden oder gefallen sind.

Chinese Taipeh statt Taiwan

Der Krieg ist bei Gesprächen mit den Athleten auf einmal 20 Zentimeter entfernt. Die Bilder, die seit vier Jahren aus ihrer Heimat in die Welt geschickt werden und viele haben abstumpfen lassen, wieder mit schrecklichem Leben gefüllt.

Das IOC lässt dies zu, die Sportler dürfen abseits der Strecken ihre Meinung frei äußern. Nur eben nicht im Wettkampf, weil dort politische Botschaften verboten sind. Vier Stunden nach der Disqualifikation Heraskewytschs geht Sophia Tsu Velicer im Langlauf über zehn Kilometer an den Start.

Die Taiwanesin muss für das Team „Chinese Taipeh“ starten. Der Name Taiwan und die Fahnen des Landes sind bei den Olympischen Spielen tabu. Auch eine politische Botschaft, aber eine die offensichtlich besser in die Agenda des IOC passt.

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