Ski-Star Lindsey Vonn ist nach ihrem schweren Sturz bei den Winterspielen in Italien ein weiteres Mal operiert worden. Zu einem Bild aus dem Krankenhaus-Bett schrieb die 41-Jährige drei Tage nach dem Unfall in der Olympia-Abfahrt bei Instagram: „Ich hatte heute meine dritte Operation und sie war erfolgreich. Erfolg hat heute eine völlig andere Bedeutung als vor wenigen Tagen.“ Vonn hatte sich bei ihrem heftigen Crash eine komplexe Schienbeinverletzung zugezogen.

„Ich mache Fortschritte, und auch, wenn es langsam geht, weiß ich, dass ich okay sein werde“, ließ die US-Amerikanerin wissen. Auf dem Foto aus der Klinik in Italien reckt Vonn mit sehr müdem Gesicht einen Daumen nach oben. Im Vordergrund ist ihr lädiertes linkes Bein zu sehen, an dem sich augenscheinlich ein Fixateur externe befindet. Mit diesem äußeren Haltesystem wollen Ärzte für gewöhnlich die Knochen bei Knochenbrüchen stabilisieren.

Vonn war nach ihrem Unfall in Cortina d'Ampezzo in ein Krankenhaus im gut 100 Kilometer entfernten Treviso gebracht worden. „Danke an das unglaubliche medizinische Team, Freunde und Familie, die an meiner Seite waren und für die wunderbare Welle der Liebe und Unterstützung von Menschen aus aller Welt“, schrieb sie. Zudem gratulierte sie ihren US-Teamgefährten, die sie inspirieren und ihr etwas zum Jubeln geben würden.

Erneut ließ Vonn ihre weitere Zukunft offen. Sie hatte schon vor den Winterspielen angekündigt, dass sie spätestens nach dieser Saison mit dem Skirennsport aufhören werde. Kurz vor Olympia hatte sie sich bei einem Rennunfall nach eigenen Angaben einen Kreuzbandriss zugezogen, entschied sich aber trotzdem für eine Teilnahme an den Winterspielen.

Prognose für Vonn nach Ansicht von Medizin-Experte positiv

Bei dem Rennen in Cortina d'Ampezzo, in dem Vonn noch einmal Olympiasiegerin werden wollte, hatte sie schon nach wenigen Sekunden mit dem Arm bei einem Tor eingefädelt. Beim folgenden Sprung verdrehte es sie derart, dass sie hart auf die Piste aufschlug.

Trotz der komplexen Schienbeinverletzung wird Vonn nach Einschätzung des erfahrenen Sportmediziners Manuel Köhne voraussichtlich vollständig genesen. Der Orthopäde und Unfallchirurg lobte die schnelle Behandlung der Amerikanerin nach deren Sturz vom Sonntag.

„Bei Schienbeinbrüchen zählen die ersten Stunden. Und da hat die Versorgung von Lindsey Vonn in meinen Augen wunderbar geklappt. Sie wurde noch am selben Tag operiert“, sagte Köhne und prognostizierte: „Das heißt, dass die Voraussetzungen gut sind, dass sie trotz dieser Fraktur später wieder ein normales Leben führen kann.“

Vonn teilte nach ihrem Unfall mit, dass der komplexe Bruch mehrere Operationen erfordere. Medien hatten zuletzt bereits von zwei erfolgten Eingriffen berichtet. „Das spricht das dafür, dass innerhalb der Stunden nach der Verletzung der Druck im Gewebe durch die Schwellung zu sehr gestiegen war. Dann musste durch eine operative Spaltung einiger Bindegewebehüllen, also Faszien, der Druck reduziert werden“, schilderte Köhne.

Er ist Mannschaftsarzt des Deutschen Skiverbandes (DSV) und während Olympia in Bormio. Er habe keine medizinischen Akten oder Röntgenbilder von Vonn gesehen, schilderte aber, dass Schienbeinverletzungen sehr häufig im Skisport seien, auch bei Freizeitathleten. „In Notaufnahmen in der Nähe von Skigebieten weltweit kommen fast täglich solche Verletzungen rein.“

Hing Lindsey Vonns Bruch mit Kreuzbandriss zusammen?

Nicht bestätigt war, wo Vonns Schienbein gebrochen ist, ob am Schaft oder beim Schienbeinkopf. Bei komplizierten Brüchen werde ein sogenannter Fixateur angelegt. „Dank diesem äußeren Metallgestell mit verbundenen Stiften im Knochen kann das Bein in der ersten Phase ruhig gestellt werden“, sagte Köhne.

Der Arzt erklärte: „In der Unfallmedizin rechnet man bei komplexen Schienbeinbrüchen mit acht bis zehn Monaten Pause, ehe Sportler wieder auf Schnee gehen.“ Vonn hatte bereits vor Olympia angekündigt, dass sie spätestens nach dieser Saison ihre Karriere beendet hätte.

Weil sich der Ski-Superstar schon vor Olympia das Kreuzband im linken Knie gerissen hat, steht auch dort eine Operation an. „Normalerweise wird zunächst die Fraktur behandelt, bis diese stabil verheilt ist und alle Weichteile um den Knochen wieder gesund sind“, sagte Köhne. „Erst dann würde ich mich als behandelnder Arzt um eine Operation des gerissenen Kreuzbandes kümmern, sofern das Knie instabil ist.“

Zur Frage, inwieweit die Verletzungen zusammenhängen, vermutete er: „Die Schienbeinverletzung hat meiner Meinung nach nicht unmittelbar am verletzten Kreuzband gelegen. Diese Vorverletzung war auch nicht der Grund für den Sturz. Die große Frage ist aber, was das mit einem macht, wenn man vorverletzt in Grenzsituationen kommt. Ob man sich dann anders verhält als eine Sportlerin mit gesundem Knie.“

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