Die olympische Bronzemedaille ist nur 4,18 Euro wert
Eigentlich sollen olympische Medaillen die höchste Auszeichnung im Sport sein. Doch bei den Olympischen Spielen in Italien sorgt genau das, was Athleten am meisten begeistern sollte, für massiven Ärger. Der Materialtest gerät zur Lotterie: Halten sie am Band bei Freudentänzen oder muss man den Jubel vorsorglich gemächlich zelebrieren? Eher letzteres. Die Medaillen lösen sich reihenweise von den Halsbändern.
„Nicht damit springen“, sagte Abfahrts-Olmypiasiegerin Breezy Johnson selbstironisch, als sie bei der Pressekonferenz nach dem Rennen die Einzelteile präsentierte: die Goldmedaille, das Medaillenband und den herausgerissenen Stift, der beides verbinden sollte.
Schon tags zuvor hatte es eine ähnliche Panne gegeben: Langläuferin Ebba Andersson aus Schweden war nach ihrem Silber-Coup im Skiathlon ebenfalls die Medaille vom Band gerissen – als sie zu ihrer Familie rannte. So geht das seither reihenweise weiter.
Doch was sind sie sonst wert? Die Bronzemedaillen bestehen aus rund 420 Gramm Kupfer – ihr reiner Materialwert liegt bei nur 4,18 Euro. Anders gesagt: Die Bronzemedaille ist billiger als ein Döner. Der Grund: Bronze ist kein Edelmetall, sondern eine Legierung. Sie besteht zu mindestens 60 Prozent aus Kupfer, dem oft weitere Metalle wie Zinn, Aluminium oder Blei beigemischt werden. Teure Edelmetalle stecken hier also nicht drin.
Deutlich höher ist der Wert bei den Edelmetallen. Die Silbermedaille besteht aus etwa 500 Gramm Feinsilber und kommt auf einen Materialwert von 1136,21 Euro. Die Goldmedaille ist im Kern ebenfalls aus Silber gefertigt und mit Gold überzogen – ihr Metallwert liegt bei 1818,55 Euro.
Bemerkenswert: Im Vergleich zu den Olympischen Spielen 2024 haben sich die Preise für Edelmetalle mehr als verdoppelt. Im Sommer 2024 lag der Materialwert einer Goldmedaille noch bei rund 730 Euro. Der starke Anstieg der Gold- und Silberpreise macht sich also auch bei Olympia bemerkbar.
Produziert wurden die Medaillen vom Istituto Poligrafico e Zecca dello Stato, der italienischen Staatsprägestätte. Nach offiziellen Angaben wurden dafür recycelte Metalle aus eigenen Produktionsabfällen verwendet.
Die letzte olympische Goldmedaille aus reinem Gold wurde 1912 bei den Spielen in London vergeben. Sie wog damals 26 Gramm und war rund 20 US-Dollar wert. Nach heutigem Goldpreis läge ihr Materialwert bei über 4000 Euro.
Seitdem besteht Olympia-Gold nicht mehr aus massivem Gold – der Name blieb, das Edelmetall nicht. Rein materiell sind die Unterschiede also enorm. Doch für die Athletinnen und Athleten zählt am Ende nicht der Metallpreis, sondern der Moment auf dem Podium.
Abfahrtsolympiasiegerin Breezy Johnson tauscht Goldmedaille um
Die Ursache für die Medaillen-Pannen bei diesen Winterspielen ist unterdessen nach Angaben der Organisatoren gefunden. „Wir haben uns sofort zielgerichtet darum gekümmert, es gibt eine Lösung. Jetzt wird es Maßnahmen geben“, sagte ein Sprecher des Organisationskomitees, ohne Details zu nennen. Alle Sportlerinnen und Sportler, die Probleme mit ihren Medaillen haben, seien eingeladen, diese zur Reparatur einzureichen. „Wir fühlen uns verpflichtet, dass die Medaillen die höchsten Qualitätsstandards erfüllen“, sagte der Sprecher.
Eine Reaktion darauf, dass bei mehreren Olympioniken wie US-Star Johnson oder etwa dem deutschen Biathleten Justus Strelow die Medaille vom Band gerissen war. Auch die Eisschnellläuferin Jutta Leerdam hatte offenbar dasselbe Problem. Auf einem Tiktok-Video hält die Niederländerin zunächst freudig ihre Medaille in die Kamera, ehe sie plötzlich ausruft: „Ich habe sie kaputt gemacht.“
Die Organisatoren verwiesen auf die Zuständigkeit der Staatlichen Münzprägeanstalt Italiens, von der die Medaillen hergestellt werden. Skirennfahrerin Johnson hat bereits eine Ersatzmedaille erhalten, die aber noch graviert werden muss. Die defekte Medaille habe sie aber nicht behalten dürfen, ließ die 30-Jährige wissen. „Sie mögen es nicht, wenn du mehrere davon hast“, sagte Johnson lachend.
Biathlet Strelow wollte seine beschädigte Bronzemedaille aus der Mixed-Staffel dagegen wohl nicht eintauschen. „So ein Kratzer, das sind ja auch Erinnerungen. Das kann man dann später mal erzählen, wann und warum das passiert ist, das ist eigentlich eine schöne Story“, sagte sein Teamkollege Philipp Horn.
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