Kurz vor den Olympischen Spielen zog Juliane Frühwirt einen Schlussstrich. Mit 27 Jahren beendete die Biathletin ihre Karriere. WELT sprach mit ihr über den Entschluss, so früh aufzuhören. „Ich habe es mir gut überlegt. Ich dachte eigentlich, mein letztes Rennen würde sehr emotional werden oder ich müsste weinen, aber es war ein befreiendes Gefühl. Es geht mir gut mit der Entscheidung, ich bin wirklich glücklich“, sagt Frühwirt.

Das war die vergangenen Monate nicht immer so. Im Frühjahr 2024 verletzte sich die damalige Biathletin schwer, stürzte beim Warm-Laufen für ein Langlauf-Rennen. Bei dem Sturz bohrte sich einer der Stöcke durch die linke Wange in den Oberkiefer, Zähne brachen ab, ein Teil der Zunge wurde abgerissen, ein Loch blieb im Gesicht. Eine Operation inklusive Zungentransplantation war die Folge. Wegen fehlender Leistungen in der vorangegangenen Saison verlor sie dann ihre Behördenanstellung beim Zoll. Als Coach für Ausdauertraining machte sie sich selbstständig.

Lange ertrug sie die Doppelbelastung aus Coaching und Biathlon, immer wieder investierte sie 15 Stunden täglich ins Training und den neuen Job. Rückblickend sagt Frühwirt: „Ich wurde schon vor einem Burn-out gewarnt. Ja, ich war bestimmt kurz davor.“ Sie gibt zu, zuletzt nicht mehr sie selbst gewesen zu sein. Sie „konnte nicht mehr die Leistungen abrufen, die ich bringen wollte. Mein Rücktritt ist auch wie ein Start in ein neues Leben.“ Das Biathlon-Kapitel beendete sie übrigens mit einer Grundreinigung in der Umkleide ihres Stützpunktes, dem Skigau Werdenfels (Garmisch-Partenkirchen).

Ganz abgeschlossen ist der Sport für sie aber nicht. „Ich gucke die Rennen weiter im Fernsehen, die Olympischen Spiele jetzt werden auch richtig cool. Ich fühle keinen Schmerz, weil ich nicht dabei bin“, sagte Frühwirt, deren Coaching eigenen Angaben nach inzwischen erfolgreich läuft.

Frühwirt galt in der Jugend als Talent, holte bei den Olympischen Jugend-Winterspielen 2016 in Lillehammer die Goldmedaille im Sprint. Im Weltcup konnte sie im Erwachsenenbereich aber nie wirklich Fuß fassen. Ihre beste Platzierung war ein 23. Platz im Einzel in der Saison 2022/23. In dieser Saison tauchte sie nicht im Weltcup auf, verpasste die Quali für Olympia somit deutlich.

Frühwirt will bei Rennen über 100 Kilometer dabei sein

In der Zukunft möchte sie nicht nur weiter Amateursportler beraten und für sie Pläne für deren Ziele erstellen. Sie organisiert auch verschiedene Community-Läufe und Trail-Running-Camps. Im Herbst will sie selbst an einem Rennen über 100 Kilometer dabei sein.

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„Trotz des Unfalls habe ich keine Angst vor neuen sportlichen Herausforderungen. Der Sturz damals war beschissen, keine Frage. Aber er hatte auch etwas Positives“, sagt die ehemalige Biathletin. „Während der Heilung hatte ich viel Glück, ja. Aber alles, was danach kam, habe ich mir erarbeitet. Es geht immer weiter.“ Und: „Durch mein Coaching habe ich so viele tolle Menschen kennengelernt, dass es den Unfall sogar aufwiegt.“

Im März fliegt sie mit ihren Eltern nach Afrika, möchte dann den Kilimandscharo (5895 Meter) besteigen und eine Safari machen. Die Reise wollte das Trio bereits vor zwei Jahren gemeinsam machen, nach dem Unfall fiel der Trip aber aus.

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