Ein unmoralisches Angebot an die abtrünnigen Millionäre
Im Jahr 2021 trat Saudi-Arabien die Revolution im Golfsport los. Das Land hob die LIV-Golf-Tour aus der Taufe und versuchte mit Milliarden von Dollars eine Konkurrenz zur PGA-Tour, der bedeutendsten Serie der Welt, aufzubauen. Von der geplanten Vormachtstellung kann vier Jahre später keine Rede sein, im Gegenteil: Der Angriff des neuen Geldes auf die etablierte Tour droht zu versanden. Ein unmoralisches Angebot könnte dies jetzt beschleunigen.
LIV-Golf hat etliche große Namen auf seine Tour gelockt. Viele Altstars wie Phil Mickelson oder Ian Poulter sind an Bord, die Saudis konnten aber auch aktuelle Weltklasse an sich binden. Mit den Amerikanern Brooks Koepka und Bryson DeChambeau sowie Jon Rahm (Spanien) und Cameron Smith (Australien) kehrten vier absolute Topstars der PGA Tour den Rücken und schlagen ihre Bälle nun über die Plätze der Konkurrenz. Sie kassierten dafür dicke Ablösen, verdienen exorbitante Preisgelder und sind die großen Zugpferde von LIV. Aber das Geld allein scheint nicht glücklich zu machen.
Auch nach vier Saisons hält sich die Begeisterung für die neue Tour in engen Grenzen. Die überschaubare Medienberichterstattung dürfte die Spieler dabei aber noch weniger stören, als der Fakt, dass bei LIV nach wie vor keine Weltranglistenpunkte vergeben werden. Ohne diese fallen die Profis im Ranking ab und können sich in der Regel nicht mehr für die Major-Turniere (Masters, US Open, British Open, PGA Championship) qualifizieren. Genau diese Triumphe sind es aber, die die Karriere eines Weltklasse-Golfers beim Ritt in den Sonnenuntergang definieren.
Warum es für LIV-Spieler keine Weltranglistenpunkte gibt
In der Branche geht man davon aus, dass LIV seinen Spielern versichert hat, die Sache mit der dem Official World Golf Ranking (OWGR) in ihrem Sinne zu klären. Doch das ist nicht gelungen, weil die OWGR bis heute auf ihren Kriterien besteht, und diese von LIV schlicht nicht erfüllt werden.
Die Felder sind zu klein und geschlossen ohne klaren, leistungsbasierten Qualifikationsweg. Vor allem aber werden nur drei Runden und nicht wie bei klassischen Turnieren an vier Tagen gespielt. Dadurch gibt es auch keinen Cut, der das Teilnehmerfeld nach zwei Runden halbiert.
Zwar betont die OWGR ihre Neutralität, in dem Gremium sitzen aber viele Vertreter der PGA Tour und der kleineren DP World Tour. Diese dürften kein überbordendes Interesse an LIV-Weltranglistenpunkten haben. Das wiederum führt dazu, dass die Saudi-Tour jetzt an den eigenen Grundfesten rüttelt und ihren Namen ad absurdum führt.
CEO Scott O’Neil, seit Januar 2025 im Amt, pflegt ein deutlich weniger aggressives Auftreten als sein Vorgänger, Ex-Golfprofi Greg Norman. Der Sportmanager, der zuvor leitende Positionen bei einigen amerikanischen Profi-Sportteams bekleidet hatte, führte ein, dass alle Turniere ab dieser Saison über vier Runden gespielt werden. Der Name LIV besteht aus lateinischen Zahlen und steht für die bei drei Runden zu spielenden Anzahl von Löchern: 54. Nun werden es wie auf den anderen Touren auch 72 Bahnen – was den unaussprechlichen Namen LXXII-Tour ergeben würde.
Koepka darf zurück auf die PGA Tour
Für einen der Topstars kommt die Änderung ohnehin zu spät. Koepka ist das erste der wirklich großen Schwergewicht, der LIV wieder den Rücken kehrt. Der 35-Jährige löste Ende Dezember seinen noch ein Jahr laufenden Vertrag auf und beantragte alsbald die Rückkehr auf die PGA Tour. Das Ganze wurde beidseitig mit blumigen Worten garniert. LIV-Chef O‘Neil sprach von „gegenseitigem Einvernehmen“, und Koepka wählte unter anderem eine Begründung, die viele Spieler eigentlich benutzt hatten, als sie zu LIV gingen: mehr Zeit für die Familie.
Die innere Wahrheit bei Koepka könnte jedoch sein, dass es neben ausbleibenden Weltranglistenpunkten vielleicht doch an der Wetterwerbstauglichkeit der LIV-Tour fehlt. Fünf Major-Titel hat er gewonnen, während seiner vier Jahre auf der neuen Tour gelang ihm nur einer dieser Siege, die PGA Championship 2023. Zuletzt fiel die Kurve dann rapide ab. Im Vorjahr verpasste Koepka bei drei der vier Turniere sogar den Cut, für einen Mann seiner Klasse ein inakzeptables Abschneiden.
Eigentlich gibt es für Abtrünnige keinen direkten Weg zurück auf die PGA-Tour, aber bei einem so großen Namen pfeift man auf mal auf die Moral, und es wird eine Ausnahme gemacht. Koepka darf unter strengen Auflagen sofort wieder starten. So wird er dieses Jahr nicht am Preisgeld-Bonuspool zum Saisonende beteiligt, muss fünf Millionen Dollar an wohltätige Zwecke spenden und sich für die wertigsten Turniere – die sogenannten „Signature Events“ – sportlich qualifizieren, eingeladen werden darf er nicht. Zudem wird er fünf Jahre lang nicht am Player Equity Program beteiligt. Dieses wurde als stärkste finanzielle Waffe gegen LIV ins Leben gerufen – der PGA Tour treue Spieler bekommen darüber Sonderzahlungen, die auf Kategorien wie Erfolg, Reichweite oder Bedeutung fußen.
Dieses Angebot macht die PGA-Tour drei LIV-Spielern
Ist Koepka der einzige Rückkehrer? Oder bröckelt die Phalanx der LIV-Tour nun? Die PGA Tour arbeitet zumindest daran und hat nach dem Koepka-Rücktritt ein entsprechendes Angebot aufgesetzt. Es nennt sich „Returning Members Program“ und richtet sich an alle Spieler, die seit mindestens zwei Jahren bei LIV sind und seit 2022 entweder einen Major- oder einen Players-Championship-Titel gewonnen haben. Diese können unter den auch für Koepka geltenden Bedingungen zurückkehren. Das Angebot gilt nur bis zum 2. Februar.
Es handelt es sich um einen kaum getarnten Abwerbeversuch einer klitzekleinen Elite. Die genannten Kriterien erfüllen nämlich genau drei Spieler außer Koepka: Rahm, Smith und DeChambeau. Vor allem Letzterer gilt als besonders begehrt.
Mit seinem aggressiven wie weiten Schlägen ist der 32-Jährige sportlich ein außergewöhnliches Zugpferd, er hat sich in den vergangenen Jahren zudem zum wichtigsten Influencer unter den Profis gemacht. Ob bei Instagram, YouTube oder TikTok – DeChambeau beliefert Millionen von Abonnenten mit seinem unterhaltsamen Content. So versuchte er tagelang ein Hole-in-One über sein nicht gerade kleines Haus zu schlagen.
In einem seiner jüngsten Posts ging es weniger actionreich zu, dafür vielsagend. Der zweimalige US-Open-Sieger (2020 und 2024) posierte in seiner Instagram-Story neben einem Exit-Schild, zuckte mit den Schultern und fragte seine 4,3 Millionen Follower: „Was würdet Ihr tun?“
Es sind spannende Tage im Welt-Golf.
Sven Flohr ist Ressortleiter von WELT Sport. Er berichtet seit vielen Jahren über Golf und spielt es auch. Auf ein Angebot der LIV-Tour wartet er völlig zu Recht vergeblich.
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